n . ^<.iP^m^ ' "^-^'i. ■yi?f ^.^^-, , ■i^-'r' \-> ■**.' i^-.it- .4. V ^ -^ ^^t-^v r ' ' 1 # M^ •k»!*» '■^.,:f OV' ••'.--'' .-:/- T.TT ^^S!^^^"^^ ^® ^^ WBLrOTHÄQÜE DU COHBKEV^TOIRE BOTAmQüE DE GENEVE VENDU EN J922 ^(53^ ^^e^ BOmAMA. Zeitschrift für die gesammte Botanili. Officielles Organ der Ä. L.-C Akademie der Naturforscher. 6> ^^^ ^rollt und öffnet sich nur gegen die unlere Hälfte hin nudir oder weniger wäh- rend der Bestäubung. Sie ist aber auch gerade in dem untern Drittel zusammengerollt und ausser- dem mehr oder weniger kahnförmig, eine Er- scheinung, die sonst bei Philodendron ganz ge- wölinlich ist. Eine Scindapsus-Art b(;sitzt auch eine mehr hautartige Scheide, die später sogar lliKdi wird und sich zurückschlägt, dabei sich rückwärts rollend. Es ist dieses Seindapsus d(;cursivus Wall, (nee VViglil), auf die, wie oben gesagt, Schott sein Genus gegründet zu liaben scheint. In den meisten Fällen ist die Blunien- scheide jedoch ledei'arlig und kahnlöi'inig, ohne sich später mit den Rändc;;'n wieder zusammen- zurollen. Nach der Befruchtung fällt sie in bald kürzerer, bald längerer Zeit ab. Beide Hauptformen kommen in Monstera und Sein- dapsus vor. Dass die Blüthen Zwitter sind, unterliegt keinem Zweifel. Es gilt dieses ebenfalls für unsere Calla. Kunth's Worte: „Spadi.\ ovariis staininibusque crebrioribus indefinite circum- posilis lectus, nunc apicc mere masculus, nunc basi mere fennneus," sind eben so wie Schott's „Spadi.x ovariis (circumpositisque) staminibus in- definitis tectus" und „Spadi.x sessilis basi femi- neus (bei Monstera)" durchaus falsch. Jede Blüthe besteht aus einem Fruchlknoten, den 4, 6 oder 8 (auch 5 und 7?) Staubgefässe umge- ben. Da die Blüthen dicht bei einander stehen und keine Hülle vorhanden ist, so hat allerdings die Feststellung der Staubgefässe, welche zu einer Blüthe gehören, ihre Schwierigkeit. Iin jugendlichen Zustande des Kolbens ist es leichter; aber auch später findet man die Zahl, da die Staubbeutel mehr nach innen sich ölfnen, nicht schwierig heraus. Dieses Öffnen geschieht übri- gens keineswegs, wenigstens bei den Arten, wo mir Gelegenheit geboten wurde, sie zu untersuchen, durch Längsspalten, welche sich von der Spitze nach der Basis herabziehen, son- dern von jener aus bilden sich Löcher, die all- mählich aber ziemlich gross werden und oft mehr als die Hälfte des ganzen Raumes ein- nehmen. Was den Stem|)el anbelangt, so fehlt, we- nigstens bei Monstera Lennea und Klotzschiana durchaus jede Spur eines Griffels, obwol gerade Schott diesen zur nähern Bezeichnung für die Monstera -Arten angibt. Auch in Abbildungen der liieiher gehörigen Pflanzen ist er nie dar- gestellt. Es ist nur ein 4- oder 6 eckiger Frucht- knoten vorhanden mit ganz flachem, convcxem oder (sehr selten) kurzkegelförmigem Scheitel, in dessen Mitte eine längliche oder häufiger linienformige und meist anders gefärbte Spalte liegt, welche die deshalb stets sitzende Narbe darstellt. Der Fruchtknoten hat ferner zwei verscliiedene Hälften, von denen die obere breiter ist und, mit Ausnahme des Narbencanals, aus einer ziemlich compacten, von sehr zahl- reichen, zum Theil brennenden Raphiden durch- zogenen Masse besteht. Gegen die Zeit der Fruchtreife hin stösst sich diese obere Hälfte gleicii einem Deckel ab und es bleibt die untere, weit schmälere und mit den Eindrücken der Stanbbeutelfächer versehene und mit Beeren- Natur zurück. Ans letzterer Ursaciie werden auch diese Überbleibsel, namentlich von Mon- stera deliciosa Liebm. und Lennea C. Koch ge- gessen und besitzen die der letztern einen ausserordentlich süssen und angenehmen Ge- schmack. Die Höhlung im untern Theile des Frucht- knotens ist klein und nur bei Monslera in 2 Hälften geschieden. Die Eichen sitzen ent- weder einzeln oder gepaart an der etwas ge- hobenen Mitte der Basis und sind in diesem Falle amphitrop, aus 2 Häuten und 1 Kern be- sl(diend, oder sie sind an 2 hantartigen l'lacenlen, welche von der Wand aus nach der Mitte sich hinziehen und scheinbar die Höhlung ebenfalls in zwei Theile l)ringen, in grosserer Jlenge befestigt. In diesem Falle erscheinen sie aber anatrop. Nach allem diesem haben also sämmiliche zu Monslera und Scindapsus gehörigen Pllanzen eine untl dieselbe äussere Erscheinung; mit Aus- nahme des 1- und 2fächrigen Fruchtknotens, kommen auch alle aufgezählten Verscliiedenlieiten im Baue der Blülhe beiden Geschlechtern gleich zu. Es gilt dieses jetzt auch von dem Vater- lande, nachdem l'öppig in Peru eine unzweifel- hafte Sciiidapsus-Art, Sc. occidenlalis, welche einen Ifächrigen, sogar auch t eiigen Frucht- knoten besitzt, entdeckt hat. Der von Schott aufgestellte Unterschied hinsichllicli der Ab- und Anwesenheit der Narbe ist illusorisch und ausser dem Sc. decursivus Schott, iler aber, wie gesagt, von Polhos decursivus Wiglil wiederum ver- schieden erscheint, haben alle von Schott sonst zu Scindapsus gelirachlen Arten keine t'palha demum explanata (et reflexa), ein grosser Theil aber (die Abtheilung Toechosperma) nicht ein oder ein Paar grundständige, sondern zahlreiche Eichen an einer Wandplacenla. Hält man demnach den oft citirten Grund- satz, dass jede Abweichung im Baue der Blülhe und Frucht zur Bildung eines Genus hinlänglich sei, setzt ferner alle natürliche Verwandtschaft bei Seite und bildet nur künstliche Genera, die allerdings der Annahme eines natürlichen Sysle- mes und allen natürlichen Familien schnurstracks entgegenlaufen, so müsste man anstatt der bei- den von Schott gegründeten Genera „Monslera und Scindapsus" 4 neue bilden. Man gäbe dadurch allerdings den Botanikern und GärlneriMviederum Gelegenheit, ihr schon an und für sich im hohen Grade in Anspruch genommenes Gedäclitniss noch weiter zu üben; man hätte ausserdem noch das Vergnügen, seinen Namen hinter dem der Pflanze geschrieben zu sehen. Ich bin aber keineswegs der Meinung, dass dadurch der Wissenschaft geholfen ist, im Gegentheil wird sie nur erschwert. Scharfe Scheidungen er- leichtern allerdings das Bestimmen der Pflanzen; das kann aber geschehen, ohne dass man jeden Augenblick neue Genera bildet. Sogenannte Untergattnngr-! thui;n diesellien Dienste, fallen dem Gedächtnisse nicht weiter zur Last unil bringen weder im Systeme, noch in den Gärten und Gewä(^hshänsern jene traurigen Verwirrun- gen hervor, wie man sie leider allenthalben sieht. Aus dieser Ursache erlaube ich mir auch das Genus iMonslera wiederum in der Ausdeh- nung herzustellen, wie es Schott zuerst in dem 4. Bande der Wiener Zeitschrift gethan hat, und bringe Scindapsus als Snbgenus dazu. Diesem füge ich aber noch einige andere an. Demnach würde Monslera folgende Diagnose erhallen; Spatlia denique decidua; Spadix undiqiK! flo- ribus nudis, hcrmaphroditis tectus; Aniherarum locnli appositi, inti-orsi; Gcrmen 1 et 2 locnlare; Planlacs candeutes. Calla und HapliidiphoiM unter- scheiden sich dur(^h die bleibende S[iatha, He- terophis durch mitlelslämlige Eichen und durch den Habitus. Pedunculus lateralis, peliolo brevior; Spatha pleriiMKiiie virescens aut aurea, interdum cocci- nea aut intus rosea, navicularis aut magis minusve ad apicem vel ad basin convoluta, brevi tempore aut oninino liians; Spadix oblongo-cylindricns, sessilis, spatha saepe mullo brevior; Perianthium Mulhnn; Siamina 4, 6, 8 (aul 5 et 7?) (ilamentis -^^^~ ~0--«_' laliiisciilis, gerniine vix longiora aul breviora, interdum bina, magis, minusvc connata; Antherae inlrorsae, ori.'Ctac nuignae, loculis apicc conni- venlibus, basi divergeiilibns, foiamino magno, denlqiie ainpliato diinidiiiiii loculum et ultra antrorsum i-epleiite deliiscetitibus; Comieclivum dorso aritlierariim conlinuum; Pistilliim 1- aut 2 loculare, 4-, G-, 8 angularc, verlice piano, coavexo aut breviter conico, diuiidio superiore latiore, intus coinpacto, demum ab inferiore süluto, rapliidibus saepe prurientibus crcberriniis iniplelo inferiore angusliore, slaniiniiin inipressio- nibus pracdito; Stylus nullus; Stigma transverse lineare aut oblonguni, coloratum; Baccae parte superiore compacla operculi modo deniurn de- jecta succoso-carneae. Ovula solilaria aut bina basilaria et ampiiitropa aut creberriina, placentae parietaü insidentia et anatropa; Semina miiii ignota. Planlae scandentcs, arbores et saxa assur- genles, niderdnm radicantc^s raro subvolubiles, inlcrnodiis plerumque brevibus aut longiusculis; Vagina foliornm nicrnl)ranaeea, niox decidua, alba aul virescens; Folia otnnia aut sola priinor- dialia inlegra, reliqua pinnatifida et pertusa, cordala aut oblonge -elliplica; Costa mediaini subliis cum ncrvis [jrimariis subsiniplicibus ele- vata; Vcnarum rele e maculis Iransverse ellip- ticis magnis constans; Petiolus a|)ice inlerduni luniidiuscnlns, mebrana vaginacea oiiniino aul ad parteni dimidiam et minorem praedila, lami- nam subaequans aut cn brevior. 1. Subgenus: Eumonslera; Spallia niem- branaceo-pergamenea, convolula, brevi tempore hians, exlus virescens; Germcn biloculare, ovulis binis basilaribus, amphitropisj Mendnanae vagi- naceae longiludinem pelioli replenles. Folia in- legra, saepe pertusa. Der Typus hiervon ist das Linne sehe Dra- conlium perlusnm (cod. Linn. Nr. 7013). Linne brachte auch hierher die Abbildung in Plumier's plantes de fAmerique (Tafel 5(j u. 57). Er kannte aber wahrscheinlich die damals in England cul- livirle und von Miller in seinen Icones (S. 294 in der deutschen Ausgabe) dargeslellle Pilanze. Obschon nun auch Miller die Plumier'sclie Abbildung hierherbringt, so scheint es doch, als wenn diese verschiedene Pilanze damals (und auch jetzt) noch nicht in Europa cullivirt woiden wäre. Sie unterscheidet sich wesentlich durch einen gcdrangleren Wuchs und durch die zahlreicheren Locher in der Substanz der Blätter von der Pflanze, welche man im vorigen Jahrhunderle, wenigstens in England cullivirle, aber auch von der, welche sich zu .lacquin's Zeil, so wie auch jetzt noch, in Wien als Dracontium per- tusum befand. Endlich besitzt man noch als Dracontium pcrlusum und Monstei-a Adansonii in Nord- und Milteldeutschland schon seit län- gerer Zeit eine vierte Pflanze, welche von Schott alsMonstera Klolzschiana zu Ende vorigen Jahres beschrieben wurde, vielleicht aber nur eine Form der von Miller abgebildeten Art darslclll. Da.ss das Jacquin'sche und überhaupt Wiener Dra- contium perlusum eine selbstsländige Art ist, hat übrigens Schott schon nachgewiesen und die Pflanze recht passend M. Jac(]uini genannt. Es ist dies eine Arl, die wegen der lederarligen und kahnförnn'gen Sclnjide in die nächste Ab- iheilung gehört. Die Linne'sche Pilanze nennt Schott zwar Monstera Adansonii, aus der kui-zen Diagnose geht jedoch hervor, dass er darunter nur die Plumier'sclie Pflanze, nicht aber die Miller- sche, verslanrlen haben kann. Scholl hätte des- halb besser gethan, wenn er sie lieber nach Plumier genannt hätte. Dass nämlich Adanson seiner Monslera mit ganzen und duichlochcrien Blättern 5 Perigonalbläller gibt, ist schon oben gesagt; sein Name niuss daher unpassend er- scheinen. Die Pflanze, welche Miller abbildet und die durchaus den Linne' sehen Beinamen wieder erballen nuiss, hat auf jeder Seile (wie es scheint) aller Blätter 2 oder 3 grosse quer-längliche Locher, während die Zahl bei den Plumier- schen 7 — 9 beträgt. Ihre Form ist auch schmäler und länger. Die Bläller selbst gibt Miller zu 5—7 und 8 Zoll Länge und 3—4 Zoll Breite an, während sie bei der Plumier'schen Pflanze 1| Fuss lang und 9 — 10 Zoll breit sind. Auch die Substanz wird bei der lelzlern häutig und zart (membraneuse et tendre) angegeben. End- lich stehen die Blätter hier sehr genähert (fort proches surtout vers le haul). Die Scheide hat ferner bei der Plumier'schen Abbildung iiber 1 Fuss Länge (nach der Beschreibung ist sie aber nur 4 Fuss lang) und überlriflt die Länge des Kolbens gerade um das Doppelte, bei der Miller'schen Pflanze aber nur um ein Drittel. Näher steht der entfernteren Inlernodien halber die Miller'sche Pflanze, für die ich den Linne'schen Beinamen reservirt habe und die ich deshalb Monstera pertusa nennen mochte, der Art, welcho iiiiiii jolzl in JNord- und Jlillel- deulscliland unlcr den falschen Benennungen Draconliuni perlusuin und Monslera Adansonii cullivirt. Sie unlerscheidet sich fast nur durch kleinere Bliiller, die erst sehr spät auf jeder Seite 1 oder selten 2 querliinoliche Löciier er- hallen. Dass diese als Monslera Klotzschiana von Schott bereits aufgeführt ist, habe ich schon gesagt, muss jedoch bemerken, dass dessen An- gabe der Blattform nicht ganz richtig ist. Die Blatifläche ist niinilich zum grossen Theil nicht breit-eirund, sondern elliptisch oder länglich. Uie Miller'sche Pflanze, also Monstera pertusa, erhält nun folgende Diagnose: Internodia longiuscula; Folia oblonga, per- gamenca, in utroque .lalere foraminibus binis aut tribus niajusculis oblongis pertusa; Spatha spadice dimidia parte longior. In diese Abiheilung gehören die beiden von Schott neu aufgestellten Arten: Friedrichstiialii und Veloziana. 2. Subgenus: Coriospalha; Spatha coriacea, navicuiaris, demum decidua, aurea aut flava; Germen biloculare, ovulis binis basilaribus, ain- phitropis; Folia ab initio integra, mox interduni pinnalifuia et seniper pertusa. Typus ist Monslera Lennea C. Koch, welche ich zuerst itn 10. Bande der botanischen Zei- tung von V. Schlechtendal beschrieben habe. Dass sie ohne Zweifel von M. deliciosa Liebm. verschieden ist, wurde auch in einem Aufsalze im 11. Jahrgange von Otto's Hamburger Garten- 3 ö und Blumenzeitung Seite 42S hauptsächlich nach dem Ausspruche des v. Warszewicz, der beide Pflanzen kannte, bestätigt. M. Jacquini Schott gehört ebenfalls hierher. 3. Subgenus: Cymbospatha; Spatha carnoso- coriacca, cymbiforniis, ad medium usciue con- volula, apice concava, anguste hians, extus Can- dida, intus rosea; Germen uniiociilare, ovulo solitario basi fixo; Folia pinnalifida. Hierher gehört der americanische Scindapsus occidenlalis Poepp. nun als Monslera. Es ist eine interessante Art, welche die americanischen Arten mit den oslindischen verbindet und den letz- tem, besonders den beiden Ablheilungen Scin- dapsus und Scaphospalha iiinsiclillich des Ha- bitus, aber hinsichtlich des Blüthenstandes und des Fruchtknotens der Abtheilung Caeoraphis nahe sieht. - 4. Subgenus: Scindapsus; Spatha hians, C demum expansa, revoluto-reflexa, decidua; Ger- men uniloculare, ovulis binis basilai'ibus, amphi- tropis; Folia pinnalifida. Hierher gehört bis jetzt nur Scindapsus de- cursivus Schott fPolhos decursivus Wall.), welche schon früher von Schott als Monstera decursiva aufgeführt wurde. Ob der von mir in der Appendix zum Index semiuum in hurto botanico Beroli- nensi anno 1853 coUeclorum beschriebene Scin- dapsus dilaceralus, nun Monstera dilaccrala, hier- her oder in das nächste Subgenus gehört, kann erst die Untersuchung einer Blüthe bestimmen. Genannte Art erhält übrigens weit grössere Blätter, als ich früher angegeben, und hat (bis jetzt wenigstens) die Eigenthümlichkcit, dass immer die eine Seite der Blätter sich mehr schlitzt, als die andere, und dass sich längs der Miltelrippe, und zwar auf beiden Seilen, durchscheinende runde Stellen von 1 — [', Linien im Durchmesser von der Basis nach der Spitze hinziehen. Auch befindet sich in der Regel der Anheftung des Blattes gegenüber nur eine Luft- wurzel. Auf jeden Fall steht M. dilacerala dem Polhos caudalus Roxb. (nun Monstera caudata) durch die Art des Wachsthumes und der Form der Blätter sehr nahe. 5. Subgenus: Scaphospatiia; Spatha co- .riacea, navicuiaris, semper crecta, demum deci- dua; Germen uniloculare raphidibus mitibus im- butum; Ovula creberrima, anatropa, placenlis duabus oppositis membranaceis insidentia; Folia demum pinnalifida. Typus ist eine Art, welche in Berlin und Sanssouci unter dem Namen Scindapsus pinnatus cullivirt wird, sich aber hinlänglich von dem Linne'schen Pothos pinnatus (Scindapsus pin- natus Schott) durch den Mangel der fadenför- migen Organe an der Basis der Biälter unter- scheidet. Ob diese noch keineswegs genügend untersuchte Art hierher gehört oder zu dem frühern oder spätem Subgenus, lässl sich noch nicht sagen. Mehr hat schon der norddeutsche Sc. pinnatus Ähnlichkeit mit dem Polhos decur- sivus, welchen Wight im 3. Bande seiner Icones auf Tafel 779 abbildet; wahrscheinlich ist es mir sogar, dass beide eine und dieselbe Pflanze darstellen. Obwohl Roxburgh seinem Pothos decursivus eine mehr walzenförmige Spatha zu- schreibt (Flora indica ed. Serampore 1820, I, p. 4.56), so möchte sie doch aou der Wight- schen Pflanze ebenfalls nicht verschieden sein. Wegen ihrer zahlreichen Fiederspalten nenne ich den norddeutschen Scindapsus pinnatus nun: c l Monstcra iiuilti jaiele unsrer Bedürfnisse, tragen so reichlich zu unsrer Bequemlichkeit bei, dass wir wohl erstaunen mögen, wie das Menschengeschlecht Theilc des Erdballs zu bewohnen im Stande sei, von denen sie ausgeschlossen sind. Es war daher keine blosse Phrase, wenn Linne, voll von Bewunderung für diese edle Pflau/.engriippe, ausrief: „Der Mensch lebt naturgemäss innerhalb der Tropen und nährt sich von den Früchten dos Palnibaums, er exislirt in andern Weltgegenden und bchillt sich daselbst mit Korn und Fleisch." — Man mache z. B. einen Spaziergang in den Strassen Londons und beobachte, wie überall ursprünglich von Palmen herstammende und zu nütz- lichen Zwecken verwendete Stoffe uns ins Auge fallen. Jener zerlumpte Strassenfeger , der mit kläglicher 13 ^nrvD- Slimnie, sei sie luin wahr oder erheuchelt, uns bittet „an den armen Jack zu denken," hiilt in seiner Hand einen Besen , dessen faserige Substanz durch brasilische Wilde' von dem Stamme einer Palme geschnitten ward; jener feine Herr, der spielend seinen „Penang-Lawyer" schwingt, denkt kaum daran, dass er in diesem Spazierstocke thatsiichlich eine junge Pflanze der Licuala aculifida mit sich herum- trügt. Was ist jener reizenden Dame Sonnensclilrm- knupf anders, als eine zu dieser Furm gedrechselte Coiiuilla-iVuss? Gehen wir weiter, so werden wir noch mehr des in einer „populären Geschichte der Palmen" Erwiihnungswerlhen antreffen. Die an w armen Sommertagen so allgemein getragenen Basthiite, woraus sind sie gemacht? Aus den Blättern einer Palme von Cuba (Thrinax argentea). Blicke auf jenen Schieb- karren; darauf liegen ganze Haufen von am Saume der grossen Saharawuste gepflückten Datteln, die eifrig und viel vom Volke gekauft werden; blicke auf diese riesigen Cocosniisse: sie wuchsen am Gestade des indischen Oceans oder des caraibischen Meeres und werden hier in Pfennigschnitten den ärmeren Bewoh- nern von Englands Hauptstadt feilgeboten. Tritt in ein Haus ein und auch da wirst du viele von Palmen in den entferntesten Erdwinkeln erzeugte Producte wahrnehmen. Die dicken, braunen Matten, deren man sich jetzt so allgemein zum Belegen von Siilen, Treppen und Comptüiren bedient, sind aus der Hülle (mesocar- pium) gewoben, welches die Cocosnuss umgibt. Diese prächtigen Möbel, die unsre Aufmerksamkeit fesseln, sind aus verschiedenartigem Palmenholz angefertigt. Das niedliche kleine Spielzeug, in der Hand jenes Kindes, ward kunstvoll aus den steinharten Kernen (alliiimen) der Elfenbein-Pflanze gearbeitet. Woraus anders als aus der felligen Substanz, welche die Frucht der Ülpalme und die Cocosnuss liefern, sind jene schönen Slearinlichte gemacht, die das Zimmer erleuchten? Auch der Sago, der mannigfach zubereitet, auf dem Mittagstisch erscheint, ist ein Erzengniss, eine markähn- liche Substanz von Palmen, die auf den Inseln des Sunda- Archipels gedeihen. Jener Arak, den Kenner als vorzug- lich preisen, wird ebenfalls aus einer Palme, der Cocos, gewonnen. Gehen wir noch weiter in unsren Nach- forschungen, fragen \^^r nach den Bestandtheilen dieses weit und breit in Anwendung kommenden Zahnpulvers und man wird uns sagen, dass seine Haiiplingredienzen in Kohlen •verwandelte Beteluüsse und Drachenblut, beides Palnienerzeugnisse sind; beim Prüfen der Seife auf unsrem Waschtische werden wir finden, dass das Fett, welches sie so reichlich bilden half, ans Palmen gewonnen ward. Überall slossen wir auf zahllose Palmenproducte , entweder im rohen Zustande oder durch menschliche Kunstfertigkeit zu irgend etwas Nützlichem verarbeitet und das noch dazu an einem Orte, der tausende von Meilen von dem wahren Palmen- Vaterlande entfernt liegt. In so weiter Ferne noch macht sich ihr wohlthätiger Eintluss so stark geltend und Millionen Menschen, denen nie der Vorzug zu Theil ward, auch nur eine einzige Palme zu sehen, nähren Empfindungen gegründeter Dankbarkeit gegen eine Pflanzenfamilie, die eine Quelle so vielen Nutzens, so vieler Freude für sie geworden ist. Wenn nun dies in einer Stadt wie l,ond(jn. in einem Lande wie England der Fall ist, wo Palmen nirgend anders als inneiiialb der Mauern wnlilunterhaltener (iewaclishiiuser und unter sorgsamer Pflege eines verständigen (iärtners gedeihen, um wie viel mehr in (iegeudcn, wie die des tropischen Asiens, .M'rikas, Amerikas und Australiens, wo diese herrlichen Bäume in all ihrer beimischen Pracht da- stehen, wo die Menschen beinahe Alles zum Dasein Nolhwendige von ihnen hernehmen und wo fast jede menschliche, dem gevviihnliclien Leben angehürende Thäligkeil mehr oder weniger in Beziehung zu ihnen steht; wo sie so innig mit den Trailitionen, der Ge- schichte, dem Geschick des Bodens, dem sie entsprossen, verwachsen sind, dass es unmöglich wird, von den religiösen, socialen und politischen Zuständen zu reden, ohne mehr oder weniger der Palmen, dieser pracht- vollen Kinder von Tellus und Phoebus. Erwähnung zu thun. Dies näher zu erläutern, wollen wir die Scene wechseln, wollen uns von den Ufern der Themse an die des Bio negro, jenes grossen Nebenflusses des Amazonenstromes, versetzen. Den Hiutergrund bildet ein dichter Urwald, der wilde Tummelplatz von Tigerkatzen, Tapirs, Affen und Schlangen; ungeheure Stämme drängen sich eng an einander: Orchideen, Pfefl'er. Farrn und andere epiphytische Gewächse be- decken ihre Binde; Schlingpflanzen sind voller Üppig- keit über sie hingeworfen, hier elegante Guirlanden bildend, dort nachlässig herabhangend, wie das Tau- werk eines abgetakelten Schiffes; Alles strotzt von Vegetationskraft. Der Vordergrund ist eine Waldlich- tung mit einigen Indianerhütten und einem Paar iso- lirter Palmen, deren dunkelgrüne Wedel, anmuthig im Morgenwinde wallend, ihre kühnen Umrisse, mit dem tiefen Blau in lieldiehem Contraste, am Himmel ab- zeichnen. Eine Schaar lustiger Knaben, fast ganz in einfachster Naturlracht, spielt um sie herum, übt sich im Schiessen mit Pfeil und Bogen und erinnert uns an ein Heer kleiner Liebesgötter, die sich zu einem Er- oberungszuge rüsten. Ein Vergleich mit der Scene, die wir in London schauten, ist hinreichend, ein In- teresse an dieser zu erregen. Mehr vom indianischen Leben kennen zu lernen, wird dringender Wunsch; eine dieser Hütten zu besuchen, unwiderstehliche Sehn- sucht. So lasst uns denn, an der Hand des unterneh- menden Wallace,*) in eine der vor uns gelegenen eintreten. Ihr Besitzer ist freundlich für uns gestimmt, er wird Nachsicht mit unsrer Neugier haben und er- laubt uns die verschiedenen Gegenstände, die unsre Aufmerksamkeit fesseln, genauer zu betrachten. Die Hauptstutzen des Gebäudes bilden Stämme irgend wel- cher Waldbaume von schwerem, dauerhaftem Holze; aber die leichten Balken der Decke haben gerade, cylin- drische und gleich dicke Schäfte der Jara (Leopoldinia pulchra) geliefert. Das Dach ist mit grossen, drei- eckigen Blattern, in regelmässig abwechselnden Reihen gedeckt und mit Sipos oder Schlingpflanzen an die Balken festgebunden. Diese Blätter gehören der Carafia (Mauritia Carana) an. Die Hausthür, ein Gestell von dünnen, harten Holzstreifen, nett über einander gelegt, ist aus den gespaltenen Stämmen der Pashiuba (Iri- •) The Palm Trees of the Amazon and their üses. ByAlfredRnssel Wallace. 'Wilh 48 plales. London 1853. 14 artea exorrliiza) sezimmert. In einer Ecke steht ein schwerer Wnrfspiess, die Seekuh zu fangen; er be- steht aus dem schwarzen Holze der Pashiuba barri- guda (Iriartea ventricosa.) Neben ihm erblickt man ein Puslrohr, 10 — 12 Fuss lang und einen kleinen Köcher voll vergifteter Pfeile, die dazu dienen sollen, Vögel als Speise oder ihres bunten FeJerscIimuckes wegen heimzubringen, ja sogar den Eber und den Tapir zu fällen; ans dem Stamme und aus den Blatlrippen zweier l'almenarlen sind sie geschnitzt worden. Diese grossen fagottiihnlichen Instrumente liat der Indianer aus Palmen- holz gemacht. Das Zeug, in welches er seine kost- barsten Federzierrathen wickelt, ist eine fasrige Pal- menblüthenscheide; auch die einfache Truhe, in welcher er seine Schatze verwahrt, ist aus Palmblättern ge- flochten. Seine Hängematte, seine Bogensehnen und seine Angelschnüre erhält er von t\en Fasern verschie- dener l'altnblätter. Der Kamm, den er im Haar trägt, ist kunstvoll aus dem Holze einer Palme verfertigt und er macht Angelhaken aus den Stacheln derselben oder bedient sich ihrer, um sich auf der Haut die beson- dern bildlichen Merkmale seines Stammes cinzutätlo- viren. Seine Kinder geniessen die wohlschmeckende roth und gelbe Frucht der Pupunha oder Pfirsichpalme (Guilielma speciosa), während er aus der der Assai (Enterpe ednlis) ein beliebtes Getränk bereitet, das er seinen Gästen kredenzt. Jener sorgsam aufgehängte Flaschenkürbis enthält Ol, das Product der Frucht einer andern Species und .jener lange, elastisch geflochtene Cylinder, der dazu dient, die Mandiocca, die Wurzel einer strauchigen Euphorbiacee , der Manihot utilis- sima, auszupressen, besteht aus dem Stamme einer jener wunderbaren kletternden Palmen, der allein im Stande ist, auf lange der Wirkung jenes giftigen Saftes, mit dem es beständig in Berührung kommt, zu wider- stehen. — Sei es uns nun vergönnt, den Vorhang auf einen Augenblick vor dieser Scene indianischen Lebens fallen zu lassen. Genug ist gezeigt worden, nm unsern Leser, wenn noch nicht mit Liebe, so doch wenigstens mit Achtung vor einer Pflanzenfamilie zu erfüllen, die ein so wichtiges Element in dem socialen Leben, sowol der civilisirtesten Nationen, als auch der rohesten Wilden, abgibt. — (Aus Berthold Seemanns popu- lärer Naturgeschichte der Palmen. Deutsch von Carl Bolle.) Neue Bücher. tili er die (iesetze der Kuospeueiit Wicklung von Ch. Fermoud. Im Auszüge aus Couipt. rend. Paris 1855. T. 41. p. 476—477. Vier Gesetze über die Reihenfolge, in welcher die Knospen sich bei einigen Fa- milien entwickeln, stellt Ch. Fermond auf. Sie scheinen sich nur auf entgegenstehende Blät- ter zu beziehen. 1. Reihenfolge nach der vordern Schrauben- linie. Hier bildet sich an jedem Blattpaar oder Wirbel an einer der vier Seiten des Stammes in aufsteigender Schraubenlinie eine Knospe aus, so dass die zweite neben der ersten, die zweite ihr gegenüber, die fünfte wieder über der ersten steht, „von welcher l Stellung die Handbücher nicht sprechen" (Gj'psophila scorzoneraefolia, altissima, Vac- caria parviflora; Galium Aparine etc.). Häufig bei Rubiaceen, Caryophylleen, Apocyneen, As- clepiadeen. 2. Reihenfolge nach der hintern Schrauben- linie. Hier bildet sich lange nach der Aus- bildung der ersten Knospe die gegenüberste- hende Knospe aus (Silene rubella, bipartita, repens; Lychnis dioica, Spergula nodosa; Ga- liitm articulatum etc.). 3. Abwechselnde Reihenfolge. Hier scheint ebenfalls eine der beiden gegenübcr.stehenden Kno.spen verkümmert, aber die, welche sich ausbilden, stehen im Zickzack, so dass nur eine Hälfte des Stammes bezweigt ist und die dritte Knospe über der ersten, die vierte über der zweiten steht. (Serissa foetida; Pe- tunia nyctaginiflora, violacea; Cuphea .silenoi- des, lanceolata, viscosissima, platycentra.) 4. Gleichzeitige Reihenfolge. Der gewöhn- liche Fall bei den Pflanzen mit gegenüber- stehenden Blättern, wo beide Knospen .sich zugleich ausbilden. (Silene Otites, pseudo- otites, gigantea; Saponaria officinalis etc.) Coirespondenz. [Alle in dieser nuhriit erscheinen sollenden Mitlheilungen müssen mit Namensunterschria der Einsender Tersehen sein, da sie nur unter dieser Bedingung unbedingte Aufnahme finden werden. Red, d, Bonpl.j Pflanien-Bastardp und Mischlinge Betrcft'endes. [Entgegnung auf den offenen Brief des Herrn Dr. Regel.) Dem Redacteur der Bonplandia. Berlin, 26. December 1855. Ich darf mich wol der Worte des verstorbenen Dr. von Gärtner in Calw zur Entschuldigung meiner verzögerten, für jetzt keinesweges völlig genügenden Antwort bedienen, ilie derselbe in einem Vortrage der botanischen Section der Versammlung deutscher Natur- forscher im .fahre 18.35 zu Bonn aussprach. „In der Natur der Befruchtung der Gewächse liegt es, dass die Versuche über diesen Gegenstand unmöglich schnell fortschreiten können ; denn wie die Beobachtungen mit dem Gelangen des Polleus auf die Narbe beginnen, so endigen sie erst mit der vollkommenen Enlwickelung derjenigen Pflanzen, welche aus den Samen der früheren Bestäubung (ersten Pollenkreu/.ung) erhalten worden waren, inilein nur dieses Endresultat (uämlich die aus dem Bastardsamen entwickelte Pflanze) Gewissheit und 15 c Siclierlieit der gelungenen oder niissliingenen Baslard- ISefmclilun;,' ijewiiliren kanii. Im günsUgsten Kiille ist das, aus einer Reihe einzelner, sich snccedirender Ki- scheinungen gebildete Factum der Bastard-Erzeugung nur in einem Zeiträume von zwei auf einander lol- gendeu Jahr-Cycien zu vervollständigen miiglich, häufig ziehen sich aiier diese Entwickelungen des Keimeus und der vullhiachteu Vegetation des hyl)riden Erzeug- nisses, zumal hei perenniiencicn Gewachsen liirt, bis in das dritte, vierte und iünlte Jahr. Einen noch schwie- rigeren und langsameren Gang nehmen die Umwand- lungen der Arten in andere, durch fortgesetzte Be- stäubung der Tincturen mit dem Pollen der zur ersten Zeugung angewendeten priniitiven Art; diese Umwand- lung erfolgt selten schon in der vierten, häuliger in der fünften, ja nicht selten erst in der achten oder in noch späteren Generationen." — In meiner vorigen, an den Herrn Dr. Regel gerichteten Erwiderung (Bonpl. 1855, Nr. 7, p. 99) habe ich mich bereits über die an- geblich fruchtbaren Weiden - Bastarde, den vermeint- lichen Bastard, welcher durch Kreuzung der Cuphea niiniata und C. silenoides entstanden sein sollte, so wie über Begonia xauthina marmorea, die gleichfalls zu den fruchtbaren Bastarden gerechnet wurde, be- stimmt dahin ausgesprochen, dass keine dieser Pflanzen zu den Bastarden gezählt werden darf. Es blieben nur zwei Pflanzen zu erörtern übrig, die für fruchtbare Bastarde gehalten werden, nämlich eine Jlirabilis longi- flora violacea, nach Angabe des Herrn Ur. Regel durch, Kreuzung zwischen Mirabilis longiflora und M. Jalapa entstanden, und ein Bastard, den mein Herr Gegner selbst durch Kreuzung der Matthiola maderensis mit M. incana erhalten hat. Da ich mit den beiden letzt- genannten Pflanzen durchaus unbekannt war, so bat ich Herrn Dr. Regel um Miltheilung der betreffenden Exemplare im getrockneten Zustande, um meine An- sichleu auch hierüber öffentlich aussprechen zu können. Derselbe hatte hierauf die Freundlichkeit, mir ein Exem- plar seines Bastardes, von Matlhiola maderensis und M. incana gezogen, zu übersenden, und setzte mich dadurch in den Stand, schon jetzt, wenn auch nur als vorläufige Notiz, Einiges darüber sagen zu können. Ich thue dies unter der Voraussicht, dass auch andere Bo- taniker, die Interesse an dergleichen Versuchen finden, zur Lösung dieser Frage beitragen und sich der kleinen Mühe unterziehen wollen, in dem von mir vorzuschla- genden Wege meine Experimente zu controliren sich geneigt zeigen möchten. Über Matthiola maderensis Lowe (Novitiae Florae Maderensis Nr. 65), wie folgt charakterisirt ; nBiennis; caule herbaceo ereclo elato ramoso; foliis oblongis integerrimis incauo-tomentosis ; radicalibus densissime rosaceo-confertis ; sMiquis com- pressis glanduloso-muricatis. — Flores pallide violacei, vespere praesertim odori, rarissime albi. Species inter- media, habitu foliisque M. incanae R. Hr.; siliquis 3^5 pollices longis, M. sinuatae ejusd. — Hab. in rupibus maritimis Maderae et Porlus Sli. ubi(|ue vulg.", kann ich aus Autopsie nicht urtheilen. In dem Herbar des Herrn Dr. Carl Bolle sah ich ein Exemplar unter dieser Bezeichnung, das derselbe von dem verstor- benen Webb in Paris erhalten hatte, an welchem die ^ Wurzelblätter fehlten. Dieses Exemplar gebort ganz --Oto zuverlässig zu dem grossen Formciikreise der Matthiola siuuata R. Br. Es hat gestielte Drüsen auf den Früchten, den BInthenslielen, oberwärts an den Zweigen und auf den Blättern, nur sind letztere ganzrandig, sie entbehren der Ausbucblungeu durchaus, welche an der normalen Form dieser Art gewöhnlich angetroffen werden, und der Pollen in den Anthereu ist vollsländig ausgebildet. Mit dieser Form der Matlhiola siuuata kann Matthiola incana unmöglich gekreuzt worden sein, weil hieraus ein wirklicher Bastard mit unfruchtbarem Pollen hervor- gegangen sein würde, während die Antheren des durch Kreuzung entstandenen Exemplares, das ich der freund- lichen Mittbeilung des Herrn Regel danke, mit mehr oder weniger normalen Pollenkörueru angefüllt sind. Es liegt also die Vermuthung nahe, dass Herr Regel sich für diesen Zweck eines sehr verschiedenen Ge- wächses bediente. In den Gärten ist nämlich seit einigen Jahren eine Pflanze unter dem Namen Matlhiola made- rensis verbreitet worden, die jedenfalls durch wieder- holte Kreuzung der Matlhiola incana, zuerst mit M. sinuala, später mit M. incana, entstanden ist. Von diesem Gewächse kann man aber nicht sagen, dass seine Schoten mit drusigen Wcichstacheln bekleidet seien, wie dies in der von Lowe angelührten Diagnose an- gegeben wird. An ihr bemerkt man diese weich- slachlicht-geslielten Drüsen auf den Flächen der Blätter gar nicht, wenig hervortretend an den Stengeltheilen der oberen Verzweigungen, etwas dichter an den Bluthen- iind Fruchtstielen und nur sehr wenige vereinzelt an der Basis der Schoten. — Es gibt nur einen Weg, die Entstehung der Matlhiola maderensis der Gärten (nicht der von Lowe aufgestellten, welche hier in diesem Falle ausser Frage bleibt) nachzuweisen, und das ist der Weg des Experimentes, der eingeschlagen werden niuss, wenn der Nachweis der Abkunft gelingen soll. Wir haben jedoch hierbei zu berücksichtigen, dass die aus Matlhiola incana und M. sinuala durch Kreuzung erzielten Bastarde und Tincturen, je nachdem diese oder jene der beiden Arten als Mutterpflanze dient und der Bastard durch wiederholte Kreuzung zur Mutterpflanze zurückgeführt wird, einen abweichenden Charakter an- nimmt ; und thun deshalb wohl, beide Arien der Über- fuhrung aus einer Species in die andere zu versuchen. — Es ist vielleicht hier nicht am unrechten Orte, daran zu erinnern, dass die schon von Koelreuter vorge- schlagene und von anderen, namentlich von Gärtner befolgte Namenbezeichnung für Bastarde und Tinc- turen, gegen die in neuester Zeit sehr oft gesündigt wurde, wiederum zur Geltung gebracht werde, damit man nicht verleitet werde, die Producle der Kreuzung fiir Species zu halten, sondern aus der Bezeichnung die Abstammung, sowie den Grad und das Verhältniss zu derselben erkenne. — Das durch Kreuzung zweier verwandter Gattungen entstandene Product erhält als Gattungsbezeichnung die Namen der beiden Stamm- gattungen, so zusammengesetzt, dass die mütterliche Gattung vor- und die väterliche Gattung nachgesetzt wird. Gesetzt, man hätte auf dem Wege der Kreuzung aus Matthiola incana mit dem Pollen von Cheiranthus Gheiri einen Bastard erhalten, so ist Matthiola incana die Mutterpflanze, Cheiranthus Gheiri aber die Vater- pflanze und der daraus hervorgegangene Bastard würde, ^ 16 Hin seine Abstammung zu zeigen, Malthiola-clieirauthus incano-C'lieiri genannt werden müssen. Der durcli Mattliiola incana mit M. sinuala entstandene Bastard würde als Jlaltliiüla incano-sinnala zu bezeidinen sein. Mallliiüla incano-sinunta mit M. incana gekreuzt, würde eine Tinctur ergeben, die Mattliiola incano l-|--sinuala zu benennen wäre und die ferneren Productionen der bereits erzielten Tincturen mit Matthiola incana fort und weiter gekreuzt, würden dann, nach der so und so oft- maligen wiederholten Kreuzung des Bastardes mit M. incana (der ursprünglichen Mutterpflanze), durch Bei- fügung der entsprechenden Zahl vor dem -|- leicht ausgedrückt werden können. Im entgegengesetzten Falle aber, wenn man Matthiola sinuata mit M. incana kreuzt, wird ein Bastard erhalten, der Matthiola sinuato- incana benannt werden ninss, während die mit der Mutterpflanze wiederholten Kreuzungen des Bastardes und der daraus hervorgegangenen Tincturen durch die vor dem -\~ gestellte Potenzirungszahl angegeben wird. Die hier angeführten beiden Fülle der Überfuhrung einer Art in die andere durch wiederholte Kreuzung der Bastardgenerationen mit dem mütterlichen Pollen ver- anschaulichen den Act der Umwandlung zweier Species im absteigenden Grade, wahrend der aufsteigende Grad der Überfuhrung einer Art in die andere durch wieder- holte Kreuzung des väterlichen Pollens auf die Bastard- generationen verniiltelt wird. In dieser Weise würde die Umwandlung der Matthiola sinuata in M. incana dadurch bewerkstelligt werden, dass der aus der Kreu- zung von M. sinuata 9 mit dem Polleii von M. incana (^ erzielte Bastard (M. sinnato2-incana cf) durch wieder- holte Kreuzung der Bastardgeneraliouen mit dem Pollen von M. incana su lange esperimentirt wird, bis kein wahrnehmbarer Unterschieil mehr zwischen der Tinctur und der Vaterpflanze nachgewiesen werden kann. — Dass zwischen diesen beiden Matthiola-Arten sowol Bastarde als Tincturen in Localitälen vorkommen, wo beide Arten entweder wildwachsend oder cultivirt angetrofl'en wer- den, darüber kann ich Beweise liefern. Im kduiglichen Herbarium zu Sohöneberg bei Berlin wird ein Exemplar als Matthiola incana seil dem .lahre 1832 aus dem bo- tanischen Garten aufbewahrt, das sich durch sterilen Pollen als Bastard documentirt und zweifellos durch Kreuzung der Matthiola incana 9 ■"'' M. sinuata cT zufällig erzeugt worden ist. Dieses Exemplar unter- scheidet sich von Matthiola maderensis der öärten, ausser den völlig sierilen Pollen, fast nur durch spitzere Blätter und längere abstehende Behaarung, sonst ist es in allen übrigen Beziehungen mit diesem Gewachse übereinstimmend. — Dagegen sind Exemplare in dem genannten Institute von Bory de St. Vincent aus Morea und andere von l.efevre aus der Umgebung von Athen als Matthiola sinuata niedergelegt, welche der Vermuthung Raum geben, dass sie durch Kreuzung der M. sinuata mit .M. incana entstanden sind und durch nochmalige Kreuzung des Bastardes mit dem Pollen der mütterlichen Pflanze, gegenwärtig eine Tinctur im absteigenden Grade, nämlich: Matthiola sinuato 9'"t"- incana ^, repräsentiren. — Wenn ich daher in meiner er- sten Erwiderung offen eingestehe, dass ich über das von dem Herrn Dr. Regel angeführte fruchtbare Bastard- Beispiel aus Matthiola maderensis und M. incana augen- blicklich nicht einzugehen vermochte, weil mir Matthiola maderensis sowol, wie das durch Kreuzung entstandene Product völlig unliekanut waren, so habe ich damit diesen fraglichen Punkt nicht von der Hand weisen wollen. Eben so wenig trifft die von dem Herrn Dr. Regel gemachte Voraussetzung zu, dass ich Matthiola maderensis Hort, und M. incana li. Br. für Formen der gleichen Art zu erklären versuchen möchte. Ich halte M. maderensis Hort, liir keine reine Art, sondern, wie schon vorhergesagt, für eine Tinctur zwischen M. incana und M. sinuata und hoffe dies durch Kreuzungs-Expe- rimente nachzuweisen. Eine Behauptung meinerseits, M. maderensis in M. incana ohne kreuzende Befruchtung überführen zu wollen, konnte und wird mir nie ein- fallen. — Was die Begonia xanthina marmorea betrifft, die in dem Etablissement des Herrn van Houtte durch Kreuzung der B. xanthina mit B. rubrovenia entstanden sein soll, so darf man annehmen, dass die vorgenom- mene Kreuzung erst stattgefunden hat, nachdem die Befruchtung mit dem eigenen Pollen von B. xanthina bereits geschehen war; denn die aus B. xanthina mar- morea gezogenen Sämlinge zeigten bei Vergleichung mit dem Original -Exemplare der B. xanthina Formen, welche von derselben durchaus nicht zu unterscheiden waren. — Nach meinem Dafürhalten gebt das Pflanzen- Individuum nur aus einem geschlechtlichen Acte hervor. Dasselbe auf ungeschlechllichem Wege vermehrt, bildet den Begriff der Sorte. Das Individuum kann aber durch anhaltend fortgesetztcSamen-Regeneratlon auf demWege der Cultur zum Range der Varietät gelangen, die dann gleichbedeutend mit dem ist, was Herr Dr. Regel als Raee bezeichnet, weil es sich zuletzt bedingungsweise durch Aussaaten in allen seinen individuellen Eigen- thümlichkeiten erhält und dies das Criterium fiir den Begrilf von Varietät liefert. — Mischlinge und Tincturen werden von dem Herrn Dr. Regel entweder mit ein- ander verwechselt oder identificirt. Ich thue dies natür- lich nicht, sondern gebe das durch Kreuzung zweier Varietäten erhaltene Product für einen Mischling, das aber durch Kreuzung eines wirklichen unfruchtbaren Bastardes mit einer seiner Stammpflanzen erzeugte Pro- duct mit v. Gärtner für eine Tinctur aus. Erschien ich etwa darum den Augen des Herrn Dr. Regel in meinem Urtheile befangen, weil ich diese Unterscheidung für wichtig und deshalb aufrecht erhalle? Eine andere Be- gründung für diesen harten Tadel vermag ich nicht aus- findig zu machen. — Von der Umwandlung der Aegilops ovata in Tiiticum vulgare habe ich nie anders, als im Sinne einer Überführung des aufsteigenden Grades ge- sprochen, welche nur durch Pollenkreuzung vermittelt werden kann. Ich fand an den Original - Exemplaren der Aegilops triticoides Req. nur unentwickelten Pollen und folgerte gewiss mit Recht hieraus, dass dieses Ge- wächs das durch Kreuzung der Aegilops ovata mit Trilicum vulgare erzeugte Product sein müsse. Dem zufolge habe ich die weitere tiberfuhrung des Aegilops ovata in Triticum ganz bestimmt dahin erklärt, dass sie nur durch mehrfach wiederholle Regeneration des Bastardes mit dem Pollen der väterlichen Pflanze (d. i. Trilicum vulgare) denkbar sei. Wie aber aus dieser Erklärungsweise eine Mischlingslheorie conibinirt wer- den kann, mittelst welcher ich den englischen 17 eine Brücke gebaut haben soll, um ihnen den Rückzug *-' 7.11 decken; dies zu enl/.iH'ern, \eisagt mir mein Ver- slandcsverinögen. Wenn ich, wovon ich mich über- zeugt halte, nachzuweisen iui Stande bin, dass die von den Herren Kegel und Wicbura künstlich erzielten fruchtbaren Bastarde nicht Produute der durch Kreuzung zweier wirklicher, in der Natur begründeter Arten sind, so halte ich mich auch für berechtigt, jene Experi- mente denen zugesellen zu müssen, welche der VVissen- schal't keine Forderung gewahrt haben. Diesen Beweis werde ich, insofern ich nicht durch Krankheit oder Ab- leben behindert werde, zur Evidenz liefern. Ihr etc. Fr. K I o tz s eh. nie Acgilops-Frase im neiirn Sliidiiim. Dem Red acte ur der Bonplandia. London, 18, Deceniber 1855. In Betreff der, im (iefolge der Aegilopsfrage, namenilich durch die schonen Grenier'sclien Beobach- tungen, sich herausstellenden nahen generischen Ver- wandtschaft, ja vielleicht Identität der Galtungen Tri- licum und Aegilops, wird es nicht ohne einiges In- teresse sein, darauf aufmerksam zu machen, dass bei den Isleüos der canarischen Inseln der Name uTrigo de los (juanches" (Weizen der liuanchen) der allge- mein übliche für Aegilops ovata ist: ein unzweideu- tiger Hinweis darauf, dass der richtige Tact des Volkes naturhistorische Thatsache nicht selten Jahrhunderte früher ahnt, ehe die positive Wissenschaft sie theils neu auffindet, theils bestätigt. Allerdings kommt hier auch der praktische Gebrauch in Betracht, den die Ureinwohner der Fortunaten, denen von unscrn Cerea- lien nur die Gerste bekannt war, von den grossen und mehlreichen Körnern der genannten Grasart ge- macht haben niiissen. Koch heule werden die Samen zahlreicher, wildwachsender Pflanzen, z.B. die des Coxo (MesembryanH»emum nodiflorum), des Aizoon Ca- nariense etc. etc. zumal auf den ärmeren Eilanden wie Fuertarventura, in Menge gesammelt und als Gofio (gedörrtes Mehl, die uralte Nationalspeise der Islenos, aus den verschiedenartigsten Sämereien bereitbar) ge- nossen. Ihr etc. Carl Bolle. Prolhallien der Farm. Dem Redacteur der Bonplandia. Ovelgijnne bei AHona, 5, Dccbr 1855. In Bonplandia III., pag. 227, befinden sich einige Bemerkungen vouHerrn G us ta v Blass hinsiclitlich mei- ner Beobachtungen über die Prothallien der Farrn (Bon- plandia III., p. 117), worin derselbe den Zustand des Prolhallus der Blüthenperioile der sichlbar blühenden Pflanzen entsprechend darzustellen sucht. Hierauf be- züglich führt Herr Blass zuerst an, ich selbst habe zu- gegeben, die Fortschweninuing der Antlieridien sei über- aus leicht möglich. Dagegen mnss ich jedoch pro- testiren, dies weder gesagt noch zugegeben zu haben; ich habe nur die Fortschweninuing einer befruchten- den Masse, als die mir einzig denkbare Art angeführt, wie sich die einzelnstehenden Prothallien der verschie- denen Eltern befruchtet haben könnten. Ob aber eine solche befruchtende Masse vorhanden und dass eine Befruchtung durch starke Bewässerung sehr leicht mög- lich , glaube ich Fl. 30 Kr, IS Fl. 45 Kr. rh.; 9Tlilr. l3Sgr., lOThlr. 23 Sgr. pr. Crl. ; 35 Fres. 37 C, 40 Frcs. 20 C; 1 L. 8 s. 4 d., 1 L 12 s. 3 il. 21) Kotschy pl. Persiae australis (cum sp. vuljatio- ribus). 200—4.50 Sp. : 20 Fl., 45 Fl. rh.; 11 Thlr. 14 Sgr., 25Tlilr. 24 Sgr. pr. Crl.; 42 Frcs. 80 C, 9G Frcs. 30 C; I L. 14 s. 4 d , 3 L. 17 s 3 d. 22) Kotschy pl. Persiae australis rariores. 440 Sp.; 75 Fl.; 43 Tlilr. pr. Crl.; IGl Frcs.; 6 L. (i s. 23) Metz pl. Indiae orientalis. Sect. I. — III. PI. prov. Canara, Mahrattarum austr. Malayalim. lOO — 300 Sp.; 14 Fl., 42 Fl.; 8 Tlilr., 24 Thlr. pr. Ort ; 30 Frcs, 90 Frcs.; 1 L. 4 s., 4 L. Cfr. Flora 1847, 622; 1849, 144. 303. 556; 1851, 718. 719. BcrI. hol. Z. 1849, 270. 495. 771; 1851, 795, 796. 24i Metz pl. Indiae orientalis. Sect. IV. V. PI. mon- tium Nilagiri. 100 — 575 Sp.: IS Fl., 103 Fl. 30 Kr. rli. ; 10 Thlr. 10 Sgr., 59 Thlr. 13 Sgr. pr. Crt.; 38 Frcs. 60 C. , 222 Frcs.; 1 L. 10 s.. 8 L. 12 s. 6 d. Cfr. Berl. bot. Z. 1851. 795. 796; 1852, 847; 1853, 678; 1854. 206. Flora 1851, 718. 719; 1854, 187. 25) Cuniing pl. insul. Philipp ;narum. 120 — 1000 Sp.; Preis der CenUirie 18 Fl. rh. ; 10 Thlr. 10 Sgr. pr. Crl.; 38 Frcs. 60 C. ; IL. 10s.; bei Sanimlnngen von weni- ger als 200 Arten 15 Fl. rh.; 8 Thlr. 17 Sgr. pr. Crt.; 32 Frcs. 15 C; I L. 5 s. 9 d. Der Mehrziibl der Arien ist der Name beigegehen; bei andern sind nur die Nummern, bei einer kleinen Anzahl auch diese nicht beigefügt. 26) Durando pl. Algeriae. 40 Sp.: 7 Fl.; 4 Thlr. pr. Crt.; 15 Frcs.; 12 s. 27) Kotschy pl. aethiopicae. 50 — 80 Sp.; 6 Fl., 9 Fl. 36 Kr. rh. ; 3 Thlr. 15 Sgr., 5 Thlr. 18 Sgr. pr. Crt.; 13 Frcs.. 20 Frcs. 80 C: 10 s 4 d., 16 s. 6 d. 28) Schimper pl. Abyssiniae. Ed. II. 100 — 400 Sp. : 12 Fl., 48 Fl. rh.; 7 Thlr., 28 Thlr. pr. Crt.; 26 Frcs , 104 Frcs.; 1 L. 7 d., 4 L. 2 s. 4 d. 29) Boivin pl. ins. Borboniae. 20-50 Sp.; 3 Fl., 7 Fl. 30 Kr. rh. ; 1 Thlr. 22 Sgr., 4 Thlr. 8 Sgr. pr. Crt.; 6 Frcs. 43 C, 16 Frcs. 10 C. ; 5 s. 2 d., 13 s. Diese Pflanzen sind nicht mit Nnnien versehen. 30) Kölbing pl. capenses. 20 — 35 Sp. : 1 Fl. 36 Kr., 2 Fl. 48 Kr. rh.; 28 Sgr., 1 Thlr. 18 Sgr. pr. Crt.: 3 Frcs. 45 C, 6 Frcs.; 2 s. 10 d., 5 s. 31) PI. Groenlandiae. 25 — 32 Sp.; 3 Fl. , 3 Fl. 50 Kr.; 1 Thlr 23 Sgr., 2 Thlr. 7 Sgr. pr. Ort.; 6 Frcs. 50 C, 8 Fr. 30 C; 5 s., 6 s. 8 d. 32) Hostmann et Kappler pl. surinamenses. Secl. 1 — VII. 200 Sp.; 32 Fl.; 18 Thlr. 8 Sgr. pr. Crl.; 68 Frcs. 60 C; 2 L. 14 s. 10 d. 33) Claussen pl. Brasiliae. 35 — 40 Sp ; 5 Fl. 36 Kr., 6 Fl. 24 Kr. rh.; 3 Thlr. 6 Sgr., 3 Thlr. 20 Sgr. pr. Crt.; 12 Frcs., 13 Frcs. 72 C; 8 s. 6 d., 11 s. 34) Blanchet pl. Brasiliae. 700 Sp. : 98 Fl. ; 56 Thlr. pr. Crt.; 210 Frcs.; 8 L. 5 s. 35) Lechler pl. chilenses. Sect. I. 65 — 160 Sp. ; 9 Fl. 45 Kr., 24 Fl. rh ; 5 Thlr. 19 Sgr.. 13 Thlr. 21 Sgr. pr. Crt.; 20 Frcs. 90 C, 51 Frcs. 44 C; 16 s. 10 d., 2 L. 1 s. 3 d. S. Berl. bot. Z. 1853, 678. Flora 1853. 551; 1854. 282. 36) Philippi pl. chilenses. Sect. I. II. 20 — 200 Sp.; 3 Fl., 30 Fl. rh.; 1 Thlr. 22 Sgr., 17 Thlr. 4 Sgr. pr. Crt.; 6 Frcs. 43 C, 64 Frcs. 30 C; 5 s. 2 d., 2 L. 11 s. 6 d. S. Berl bot. Z. 1853, 678; 1854, 743. Flora 1853, 552; 1854, 283. 640. 37) Lechler pl. Magellanicae. 75 — 145 Sp. : 15 Fl., 29 Fl. rh.; 8 Thlr. 18 Sgr., 16 Thlr. 18 Sgr. pr. Crt.; 32 Frcs. 55 C. , 62 Frcs. 35 C; 1 L. 6 s., 2 L. 8 s. 6 d. Vergl. Flora 1855, 113. Berl. bot. Z. 1855, 181. 38) Lechler pl. ins. Maclovianarum. 25 — 40 Sp. : 5 Fl., 8 Fl. rh.; 2 Thlr. 36 Sgr., 4 Thlr. 17 Sgr. pr. Crl.; 8 Frcs. 60 C, 17 Frcs. 20 C; 6 s. 8 d., 13 s. 5 d. Cfr. Berl. bot. Z. 1852, 847; 1853, 678. Flora 1853, 551. 39) Die europäischen Futterpflanzen in gctrocUne- °j ten E.veniplnren. Erste Hiilfle. 200 Arten: 14FI. rh.; (j 8 Thlr. pr. Crt.; 30 Frcs.; 1 L. 4 s.; S. Flora 1848, 308. 40) Herbarium normale pl. officinalium et mercato- riarum. iVlit kurzen Erläuterungen versehen von Prof. Dr. Bischoff. Lieferung I. 220 Arten ; 28 Fl. ; 16 Thlr. pr. Crt.; 60 Frcs.; 2 L. 8 s. S. Berl. bot. Z. 1850. 422. Flora 1850, 279. Jahrb. f. prakl. Pharm. 1850, 169. Henfrey bot. Gaz. ln5n. 41) Algae marinae siccatae. Eine Sammlung euro- paischer und ausliindischer illeeralgen in getrockneten Exemplaren. Mit einem kurzen Texte versehen von Dr. L. Rabenhorst und G. von Martens. I. — IV. Lie- ferung, jede von 50 Arten; in elegantem Einband zu 7 Fl.; 4' Thlr. pr. Crt.; 15 Frcs.; 12 s. Vergl. Flora 1,8,52, 648; 1853, 662. 678; 18.55, 11. 64. Berl. bot. Z. 1852; 117; 185.3, 838. 903; 1855, 123. Diese Samm- lung kann von jetzt an nur von dem Unterzeichneten bezogen werden. Es sind angekommen und werden zur Abgabe vorhereilel: Lechler pl. chilenses. Sect. II. Meist Pflanzen aus dem in den Cordilleren liegenden, den Europaern fast unzugänglichen Pehuelchen-Lande. Preis der Centurie ; 15 FL Lechler pl. peruvianae. Eine in mehrfacher Hin- sicht ausgezeichnete Sammlung von dem Oslabhange der dorligen hohen Anden. Preis der Centurie 20 Fl. Kappler pl. surinamenses. Sectio VII. Preis der Cciilui'ie : 16 Fl. Hostmaun et Kappler pl. surinamenses. Editio IL Herb norm. pl. officinalium et mercatoriarum. i Mit kurzen Erläuterungen von Prof. Bischoff und ProL von Schlechtend al Algae marinae siccatae. Sect. V. (Nach Muster- exemplaren) heslimml von Prof. J. G. Agardh, G. von Martens und Dr. L. Rabenhorst. In Kurzem stehen zu erwarten: Prof. Orphanides Flora graeca exsiccata. Cent IV. V. Sie enibalten \iele seltene Arten. Preis wie bei den frühern Centurien. Becker pl. desertorum Wolgae inferioris. Sect. II. Preis wie früher. Huet d P. plantae SicUiae. Preis der Centurie für IVicblpninumeranten 25 Frcs. (Die Reisenden sind glucklich und inil reicher .Xiishenle wieder heimgekehrt.) PI. Indiae orientalis Sect." VI. Schimper pl. Abyssiniae nondum editae. .■Vuch auf die noch nicht zur Abgabe bereit ge- wordenen Sammlungen werden vorlaulig .auftrage ent- gegen genommen. Buchhandlungen, die Bestellungen verniitleln, werden hoflich ersucht, sich ihre Kosten f(ir Transport und Geldzusendung sowie Provision von den Abnehmern vergüten zu lassen. Briefe und Geld- sendungen erbittet man sich frankirt. Esslingen bei Stuttgart. R. F. Hollenacker. Dtom rcQÖij: Populär Hi«tf ory of tho Palms, aud «ht'ir Allic^'. Witli 2(> landscapes in chromo-lithogi-apliy. By Dr. Berthold Seemann, F. L. 8. Royal lOmo, pncc 10 s. 6d. Lovell Reeve, 5, Henrietta Street, Coveut- Garden, London. Druck von August Grimpe in Hannover, Marktstrasse Nr. 62. „Nun quam otiosiis." Erscheint »m , 1. u. 15. jedes Monats. Preis den Jahrgiings 5'|s"^- loKertioDs* eh Uhren 2 Ngr. für die Pelilzcile. Rcdaction : Berltiold Seemann in f önöon \1. E.(i. Seemann in töaniiODcr. BOWLAPIA. Agents : in London Williams V Nor- gflle. U, Henrielta Street, Covenl Garden. ii Paris Fr. Kiincksieck. i t , rue de Lille. Verlag Carl Kiimpler in CianniJDcr. Msier&trasse Nr. 87. (^tiffdjnll Cur i)ic i)c|rtittm(c ^^ootanili. Ot'ficielles Organ der K. Leopold. -Carol. Akademie der Naturforscher. IV. Jahrgang. I^annoocr, 1. /cbruor 1856. N2:3. l Inhalt: Nichtamtlicher Theil. Joannes Lexarza. — Eine Excursion nach dem Volcan de Cartago in Cenlial-Ainerica. — Vermischtes (Kartoirelkrankheit), — Neue Buchen (Phytochemie von Friedrich Rochleder). — Zeitung (Deutschland; Krankreich). — Amtlicher Theil. Neu aufgenommene Mitglieder. Nichtamtlicher Theil. Joannes Lexarza. Ein hüclncrdienlei' Mann aus jener Reihe spanischer Bolaniker, denen die Geschichle der Wissenschaft ein dankbares Andenken zu be- wahren schuldig' ist, war Joannes Lexarza. Ungekannt von den Meisten wird er entweder gar nicht, oder nur neben La LIave genannt, während doch dieser Letztei'e selbst in dem Bericht über des Verstorbenen Leben initlheilt, wie ein grosser Theil der „Novoruin vegeta- bilium descriptiones" ganz allein Lexarza an- gehört, vor Allem die Orchideen. Wir wollen das zum Theil von uns selbst früher verüble Unrecht dadurch zu sühnen suchen, dass wir einen Auszug aus oben erwähnter Lebensge- schichle mitlheilen, um Lexarza s Leben zu skizziren. Joannes Lexarza wurde 178.5 zu Valladolid in Mechoaean (Mexico) geboren, einer reichen und angesehenen Familie angehörig. In seiner frühen Jugend erhielt er nach damaliger Sitte Unter- richt in der aristotelischen Philosophie, in wel- cher er alle seine Mitschüler übertraf. Im zwölften Jahre bereits sandle man ihn auf das Lyceuni nach Mexico, woselbst er für Mineralogie Delrio, Chovel, Valencia, für Geometrie Oteiza zu Lehrern hatte. Dort lachte dem Anfanger ein seltnes Glück. Vorgestellt A. V.Humboldt, wurde er von ihm geprüft und herzlicher Ermunterung fiir würdig befunden. Allein selbst dieser Impuls vermochte den jun- gen Feuerkopf nicht länger dort zu fesseln: nach achtzehn Monaten verliess er das Lyceum. Man ärgerte den Ärmsten derartig mit Unter- richt in der Mineralogie, gegen die er eine Autosynkrasie hegte, dass er heimgerufen werden inussic. Hier, von aller Wissensqual entladen, badete er sich gesund im Thau des dolee far nieiite: in grosser Harmlosigkeit suchte er sich seine Zeit zu vertreiben, höchstens im Hause zu diesem oder jenem Dienste verwendet („familiaribus intcntus negotiis, ac studia inter- mitlens, ingloriam aut non salis illustrem trans- egit adolescenliam." Dies der Originaltext, den wir etwas frei übersetzten). Ein schwerer Verlust störte diese zu behä- bige Existenz. Er suchte Zerstreuung und fand sie glücklicher Weise in der Wissenschaft. Mit der im Süden gebornen Jünglingen eignen Hef- tigkeit begann er seine neuen Studien. Elizaga von Mechoaean unterrichtete ihn in der Musik. Dichter, Redner und Geschichtsforscher wurden mit Begeisterung gelesen. Er versuchte sich selbst als Poet, spielte verschiedene Instrumente und übersetzte französische Bücher. Da ge- sellte sich zu ihm in dieser Periode ein Freund — La Llave vermuthlich selbst — der ihn in den ersten Elementen der Botanik unterrich- tete. Auch die andern Naturwissenschaften sprachen ihn an (nur nicht die verhasste Mine- ralogie). In wenigen Jahren waren Flora und Fauna Mechoacans nach damaligen BegrilFeii ziemlich vollständig gesammelt und beschrieben, Blumen gemalt, eine Karte des untersuchten 26 l Gebiets gefeitiifl. Ohne Riicksiclit auf seine zcrrüUete Gesundheit widmete ei' sich dieser neuen Richtung — Geld und Zeit wurden verschwen- derisch vor Allem seiner liebsten Schutzheiligen geopfert, der Flora. — Ware er ihr doch treu geblieben! Es kam die Zeit der Prüfung und er be- stand nicht. Er wollte Alles vollbringen, Alles sein. Es kam die Zell, wo der Kaiser Itur- bide gestürzt wurde zum Lohne für sein mil- des Regiment, von wo an wir Mexico, durch innere Zerwürfnisse zerrüttet, seinem unvermeid- lichen Geschicke entgegeneilen sehen. La LIave, trunken von der jungen „Freiheil", vielleicht Candidat zu irgend einer der vacant gemachten Stellen, jedenfalls gestärkt durch Leetüre Ci- cero's, führt nun mit Emphase fort : „schon ist das Alles und hohen Lobes werth, aber schöner ist es und rühmlicher, sich ganz dem Staats- dienst zu widmen, für das Heil und das Wohl seiner lieben Mitbürger zu soigen und dar- über sich selbst und das Seinige völlig zu ver- gessen. Und dies Alles hat unser Held mit solcher Aufopferung vollbracht, dass man sein Lob (jrhöhen muss durch die Offenbarung, nicht der Gewalt der Krankheit, sondern der Erschöpfung durch Arbeitslast ist Lexarza zum Opfer gefallen — ein junger Mann von kaum vierzig Jahren." Jedenfalls muss Lexarza es gründlich ver- standen haben, seine Talente in das rechte Licht zu stellen. Seine Ehrenstcllen fielen ihm — nach La LIave — von selbst zu. Die höch- sten Ämter, selbst das Septenivirat, das Amt eines obersten Slaatsraihs wurden ihm nach einander. Diplomat mochte er nicht werden: er lehnte den Posten eines geheimen Lega- tionssecrelärs ab. Dafür wurde er ein Sohn des heutigen Mars — besonders der Feslungs- bau sprach ihn an und er schrieb ein vom höch- sten Kriegsrath approbirtes Kriegshandbuch. La LIave, der das Beste sich für den Schluss aufbewahrt, meint nuti, nichts könne den ver- blichenen Lexarza höher ehren und sein Lob vollends auf's Ausserste steigern, als der Um- stand, dass er, der sanfte, bescheidnt;, fast ängstliche Lexarza an die Spitze der Revo- lution sich stellte, die den Kaiser Iturbide stürzte. Ein rasch dahin brausendes, leidenschaftli- ches Leben, das uns nicht den Eindruck eines sanften, milden und schüchternen, sondern den eines heissblütigen, niiruner Ruhe findenden Mannes zurücklässt. Der Botaniker Lexarza hatte alle Mittel, alle Gelegenheit, der Vater einer botanischen Schule in Mexico zu werden. Der Orchido- graph steht uns hoch über Ruiz und Pavon, deren Hauptverdienst das Sammeln war. Er- wägen wir hierbei noch, dass der Abdruck von La LIave vielleicht, selbst wahrscheinlich, nicht hinlänglich revidirt wurde, so steigt unsre Ehr- erbietung vor dem Talente des merkwürdigen Mannes. Zwar fehlte ihm die Diagnostik, zwar waren seine Kenntnisse noch nicht umfassend genug zur lebensvollen sichern Vergleichung, die nnt einer ehrenhaften Untersuchung zu- sammen die Basis systematischen Wirkens aus- machen sollten, allein seine kernigen Beschrei- bungen sind für damalige Zeiten geradezu über- raschend: sie zeigen den Muth, an das Schwie- rigste zu gehen und sind frei von jener ekel- haften, widrigen Breite, die sich in Ergüssen über das Gleichgültige spreizt und da feig auf- hört, wo die Schwierigkeil beginnt. Vor Allem ist es anzuerkennen, dass er sein System nicht etwa in läppischer, kindischer Weise auf Lip- penform, Gegenwart oder Fehlen des Sporns, nach Art talentloser Anfanger begründet, son- dern dass er direct die Natur des Blülhenslaubes untersucht und denselben mit jener Sorgfalt beschreibt, die den Mann der Wissenschaft verräth. Darum möge man Lexarza in Zukunft einen Ehrenplatz unter den Vätern der Orchidographie einräumen. Wir stellen ihn neben Crantz, den wackern Österreicher, der den Angelpunkt des Orchideensystems zuerst begriffen. Beide fan- den das Rechte niil beschränktem Material. — L. C. Richard und R. Brown war es vorbe- halten, nach reiferen Studien eine systematische Grundlage zu bieten, die Lindley's immense Thätigkeil erst ausbaute und hell beleuchtete. Beigabe. Das System Lexarza 's. Pars I. Riiiemosp erniae *) liypogaeae. Sect. I. Monaiulrae. Antliera locniis discretis gy- nosteniio longiliiilinaliler adnali.-;. I'dllinis massae gra- nulosae. Neottia. Cranicliis. Sat^riiiiii (Sarcoglottis?). Orcliis (Habeiiaria). Oplirys (vielleiclit ein Redactionsl'eliler, da es eine Microslylis oder Dienia sein dürfte). ') Rineniosperniae nennt Lexarza alle Orcliideen P wegen ilirer feilslanbigen Samen. J 2t Secl. II. üiaiuliae. Anlherae diiae distimliie la- terales. Pollen congloirieralum. Cypripedium. Pars II. Kinemospermae epigeae. Anlliera opercularis \n- aiit qiiadrilocnlaris teniiinalis. Pollinis niassae cercaceae. Sect. I. Anlliera decidiia massulis <|iiiiliii)r ilivisa. Cymbidiiim (Eulupliia?). Maxiliaria ((idvenia). Sect. II. Anlliera persistans. Pollinis iriassa bi- partita. Arclhnsa. (? quid ?). Par-ii III. Kinemospermae epidendrae. An- lliera operiularis lii- quadrivelocularis, lermlnalis, de- cidua. Pollinis niassae cereaceae. Sect. I. Pollinis niassae 8. Bletia iBlelia et Leiia). Arpopliylhim. Sect. II. Pollinis massae 4. Sobralia (Caltleya). Epidendrum. Pacliypliyllum (Barkeria?) '). Psittaco- glossuni (Maxiliaria). Alainania. Sect. III. Pollinis niassae 2. t). I. Parasiticae liiiUiosae. Odontoglossnm. Oricidiiini. Cnillanzina (Odoiito- glossiim). §. 2. Parasiticae bulbis destilutae. Dendrobiuin (Pleurothallis). Eine Exciirsioii nach dem Volcan de Carlago in Central-Aiiieiica. Siui Jose, die Hauptstadt der kleinen centro- amorikitiiisclu'ii Republik Costa Rica, mein Wohn- ort seit nun beinaiic 2 Jaiiren, liegt auf einem Plateau, das sich ca. 4600 Fuss (englische) über die Flüche des atlanlischen üceans erhebt. Alle Strassen schneiden sich rechtwinklig, wie man es bei allen von den Spaniern in Amerika ge- gründeten Städten findet. Tritt man früh Mor- gens aus der Hausthür, zai welcher Zeil fast immer, selbst in der Regenzeit der Himmel wolkenlos, tief azurblau, die Luft klar und durchsichtig ist, so kann man von jeder Slrassen- eck(^ aus, die genau nach den vier Wellgegen- din die Hochebene begrenzenden Höhenzüge *) Pacliypliyllnm? scandens. Das Riilhselballe bleibt, dass in der „übservalio" die Ähnlichkeit der Bliiller mit denen des Pacliyphylinin speciell geruhnil wird, während es im Te.vte heisst: „Folia ovata, \agirianlia, disticha, crassissima, enervia, acuminala." Ziemlich sicher werden wir auf Barkeria geführt durch die Stellung bei Epidendrum nnd folgende Coni- hiuallon, obschon das Gynoslemium purpureum wol eine uns unbekannte Art andeutet. Radix lignosa scandens. Caules foliosi e nodis erodeunles. Folia etc. vgl. oben. Scapiis longissimus lerminalis pnrpnreus. IJracteae coloratae filirorines. Perigonium purpurinuni patulum segmentis .5 subcar- nosis rellexis (wol '.i reflexis? — vgl. üpaUiluin"). La- liellum concoliir, ovaluni, carinatum, ungiila alhicanli tuberculis longitudiualihus striata, (i^nostemiuni suh- triqnetruui duobus auriculis decurrentibus alaluni. '--JiO ■ der Cordilleras übersehen. Zwei derselben hatte ich schon tiberschritten, die nördliche bei mei- nem Eintritt ins Land, die südliche bei einer Geschäftsreise nach Punta de Arenas, unserem Hafen am Stillen Ocean; die südliche ist die am wenigsten hohe, also auch am wenigsten in- teressante; allein die östliche, die im Vulcan von Cartago, dem Irazü, zu 12000 spanischen Fuss ansteigt, fesselte tagtäglich meine sehn- süchtigen Blicke. Wer aber in Amerika sein Brod mit Ehren essen will, muss hart, sehr hart arbeiten, zumeist wenn er erst in der Gründung seiner E.xistenz begriffen ist, deshalb mussten lange diese Wünsche unterdrückt werden, bis endlich dennoch Zeit und Gelegenheit sich fand. — Die Regenzeit hatte schon begonnen, fast täglich um 2 Uhr Nachmittags strömte der Regen in Güssen vom Himmel, wie man sie in Europa nicht kennt, meist von heftigen Gewittern be- gleitet. Fast alle Welt prophezeihte uns sehr schlechte Wege und keine Aussicht, allein den- noch wurde der Enischluss zur Besteigung des Irazii gefasst. Am 5. Mai (1855) also, Morgens um 4 Uhr, verliess ich mit einem deutschen Landsmann, einem jungen Kaufmann aus Ham- burg, San Jose auf einem starken stattlichen Maulthier. Unser Weg führte durch blühende Plantagen von Kaffee, Zuckerrohr, Bananen oder Pisang, abwechselnd mit herrlichen grünen Weiden, Alles nett mit lebendigen Hecken ein- gefasst. Nach einem 1.' stündigen Ritte be- grüsslen uns die ersten Strahlen der aufgehen- den Sonne bei dem freundlichen Dorfe Curida- bad; schon bis hierher stieg das Terrain sanft an, oft unterbrochen durch kleine Thäler mit steilen Wandimgen, in deren Grunde sich ein Bach schäumend in seinem steinigen Bette fort- stürzte; allein von nun an ging es immer schärfer bergan, und nachdem wir das grosse Dorf Tres- rios (die drei Flüsse) passirt, näherten wir uns der Kette, die die beiden Hochebenen San Josti und Carlago Irenid und hierdurch zugleich die Wasserscheide zwischen dem Allantischen und Stillen Ocean bildet. Welch interessanter Punkt! Kaum einige hundert Schritte genügen, um von einem Bächlein, das seine Wasser dem einen Ocean zusendet, zu einem anderen zu gelangen, das die seinen dem anderen zuführt. Auch ich konnte mich der Spielerei nicht enthalten, einen Becher Wasser, der dem Pacific bestimmt war, dem Atlantic zuzusenden (wie einst T.schudi auf den Hochgebirgen Peru's). Bald nachdem die , c — s 28 c Höhe des Kammes übersclirilten ist, macht der Weg eine plölzliche Biegung und hier wartet dem Naturfreunde eine herrliche An- und Aus- sicht: die ganze Hochebene von Cartago, viel kleiner als die von San Jose, allein wie diese, rings mit hohen Gebirgen umgeben, liegt wie ein blühender Garten zu den Füssen des Be- schauers. Die Cafelalcs (Kanecpflanzungen), Canales fZuckerrohrpflanzungen), Platanales (Ba- nanenpflanzungen) und Polreros (Wiesen) mit ihrem verschieden schattirten Grün, mit ihren Einfassungen von grünen Hecken umgeben, die alte spanische (Provinzial-) Hauptstadt, die mit ihren weissgetünchlen Häusern gar freundlich aus dem grünen Meer hervorschaut. Man glaubt tausende von Garten zu sehen, die terrassen- förmig ansteigen an den Bergert, bis dahin, wo der dunkele Urwald die Grenzen der Cultur anzeigt. Noch ein Ritt von einer guten halben Stunde und man ist in Cartago, der ältesten Stadt des Landes, der man aber ihr Alter nicht an- sehen kann, da sie nach der gänzliciien Zer- störung durch das furchtbare Erdbeben vom 2. December 1841 ganz neu wieder aufgebaut ist. In Carlago fanden wir im Hause unseres Freundes und Landsmanns, des Ingenieur K., der mit einer Tochter des Landes verheirathet ist, gastliche Aufnahme; dieser, sein Schwager und ein anderer Landsmann wollten sich un- serer Expedition anschliessen. Es war Sonntag und dalier fanden wir weder die Laslliiiere, die den Mundvorrath und unsere vorausgesen- delen Effecten tragen sollten, noch die Diener bereit, wir mussten die Weiterreise auf den nächsten Tag verschieben. Um die kostbare Zeit aber nicht ungenutzt verstreichen zu lassen, wurde ein Ausflug nach der warmen O'ielle bei dem I legua (1 legua gleich l deulsche Meile) von Carlago entfernten Dorfe Aguacaliente ver- abredet und ausgeführt. Die Oi'plle selbst liegt etwas tiefer als Cailagü (welches nacii Bennet 6500 engl. F.) und entspringt am Fusse einer nur mager mit Vegetation bedeckten Hügelkette von kaum 200 F. Höhe, die aus einem mit vielen kleinen Quarzkrystallen und Eiseno.xydhydrat durchsetzten Kalkslein besteht ; sie ergiessl sich in ein 4 F". Durclnnesser hallendes, nur 2 F. tiefes Becken, von ihr selbst in dem Gestein ausgewaschen. Die Temperatur ist 40" R. (bei 19" R. Luft T.), der Geschmack salzig billerlich, etwas adstringirend, am Rand und Grund des Beckens setzt das Wasser einen rolhbraunen eisenhaltigen Schlamm ab. Meinem gelehrten Freunde Graf Schaffgotsch habe ich eine Flasche gesendet, um, wenn auch bei der klei- nen Quantität keine quantitative Analyse mög- lich ist, doch eine annähernd qualitative zu machen. Kaum 50 Fuss weiter nördlich ergiessl sich die Quelle in ein kleines Flüsschen, das ebenfalls den Namen Aguacaliente trägt und durch den Revertazon sein Wasser nördlich von Aratina in den Atlantischen Ocean ergiesst. Der Quelle schreibt man vorzügliche heilbringende Eigenschaften zu und rühmt ihren Gebrauch so- wol als Bad, wie als Trinkbrunnen, besonders bei Gichl, Rheumalisnms und atonischen Schleim- flüssen; deshalb wird das Dorf in der trockenen Jahreszeit viel von den Notabilitäten des Lan- des besucht, und beabsichtigt auch die Stadt Carlago, hier ein ordentliches Badehäuschen zu errichten. Als besonders bemerkensvverthe bo- tanische Ausbeute lieferte dieser kleine Ausflug eine herrliche epidendronartige Orchidee mit feuerrothen Blüthen, die aber nicht am Baume schmarotzte, sondern zwischen den Steinen der Hügel wuchs, eine äusserst zierliche kleine Euphorbiacee und ein hohes elegantes Thaliclrum. — Der Rest des Tages verging mit kleinen Vor- bereitungen für die morgende Tour im gast- lichen Hause des Freundes, allein in keiner sehr heiteren Stimmung, da das Wetter ausnahms- weise trübe war; der Vulcan selbst war den ganzen Tag verschleiert und Mittags begann der Regen stärker, als gewöhnlich in dieser Zeil, es war also wenig Hoffnung auf Aussicht, des- halb also der Hauptreisezweck meiner 4 Begleiter verfehlt, obgleich für mich inmier genug des Wichtigen und Interessanten. Um 6 Uhr des nächsten Tages sollte die kleine Caravane auf- brechen, allein, wie es hier immer geht (poco ä poco sagt der Spanier), erst um 10 Uhr setzte sie sich in Bewegung. Wir 5 auf stattlichen Maullhieren, wohl mil Gunmiiniänleln und wolle- nen Decken versehen, 2 ebenfalls berittene Diener, 2 Packtiiif^ie mil Proviant, Kochgeschirr, Instrumenten, Löschpapier zum Einlegen der Pflanzen elc. beladen, mit sich führend. — Kaum hatten wir die Sladt verlassen, so begann auch schon das Terrain stark zu steigen, das id)er und ülier mit grösseren und kleineren Blöcken einer festen blasigen Lava übersäet war. Herr- liche Weiden, bedeckt mit dem grossten und schönsten Rinilvieii, das man wo! sehen kann, wechselten mit grossen Karloffelfeldern, zwischen 33 krüppellmlt wachsenden Arbuttis-Strauches uns ebenfalls vor dctn Hinabrollen schützen konnte, oll inusslen wir, aul' allen Vieren kriechend nnd mit den Händen uns tiel' in die Lava einorrabend, den steilen Abhang- hinabyleilen. Äusserst er- schöpft und mit nicht unbedeutender Atlieniiioth gelangten wir endlich in die Tiefe; hier um- gingen wir ein altes erlosch(Mies Auswurfsloch, das ca. 150 F. Tiefe haben mochte und dessen Grund mit grauen Flechten stellenweise über- zogen war, und wandten uns südöstlich zum thätigen. Dieses ist kreisrund , rein trichter- förmig, ca. 200 F. tief, der obere Durchmesser beträgt (iO, der untere 20 F., der Grund be- steht, wie der ganze Krater, aus jener schwarzen Lava, entblösst von jeder Vegetation; aus einem die Hälfte des ganzen Grundes einnehmendem Schlünde entquillen weisse Dämpfe in grossen Ouantitäten, die südliche Wand mit dicken Schichten sublimirten Schwefels gelb überziehend. Da wir N.-Wind hatten, so konnten wir uns ohne Erstickungsgefahr dem Rande des Aus- wurfsloches völlig nähern, obgleich die ganze Atmosphäre so stark mit schwefliehler Säure geschwängert war, dass wir einen fortwähren- den Hustenreiz empfanden. Wir wälzten grosse Lavablöcke, die hier zahlreich zerstreut lagen, in den dampfenden Schlund, die iniler einer viel stärkeren Dampfentvvicklung mit stoss- weisem, lang naehhallendem, donnerähnlichem Getöse in demselben verschwanden. Einer un- serer Begleiter, ein gebildeter, ganz zuverlässi- ger und glaubwürdiger Herr, Don Manuel Vedoya aus Cartago, der zwei Jahre früher diesen Ort besuchte , versicherte uns auf das Bestimm- teste, dass dieser Auswurfstrichter zu jener Zeit nicht existirt habe, sondern, dass diese Stelle so eben gewesen sei, wie die übrige Krater- sohle, dass dagegen das mehr nördlich gelegene eben solche Danipfmassen vomirt habe , wie dieser jetzt. Der nördliche war jetzt völlig geschlossen, doch zeichnete er sich vor den anderen unthätigen dadurch aus, dass in seinem Grunde der Überzug von gi'auen Flechten fehlte. Wir brachten mit diesem höchst Interessanten Factum ein Erdlieben in möglichen Zusammen- hang, das am 4. August des veigangenen Jah- res (1854) Nachts stattfand. Zwei in kurzen Intervallen folgende starke und viele in grosseren folgende kleine Slösse erschütterten den ganzen Isthmus, sie wurden sowol in Malina und Moni am Allantischen Ocean gefühlt, wie an der Küste des Stillen; ja im Golfo dulcc versank eine Land- zunge mit mehreren Hütten in die See. Ich lasse die Richligki'it oder Unrichtigkeit dieser Vermulhung völlig dahingestellt, nur das steht fest, die Riclilung der von mir genau beobach- teten Stösse war die von Irazü her. Von dem First aus, auf dem wir hinabgestiegen waren, hatten wir die zweite, östliche Abtheilung des Kraters übersehen können ; in ihr befinden sich zwei alte Auswurfslöcher, von denen das eine (östlichste) und zwar das kleinste, sehr flache und wol das älteste mit etwas Wasser ange- füllt war. — Um den Kraler wieder zu ver- lassen , erstiegen wir den entgegengesetzten First, von dem aus wir eine Ansicht auf die dritte Ablheilung desselben mit vier erloschenen Auswurfslöchern hatten. Ich glaube, es wäre nicht schwer, die Altersreihenfolge der neun ver- schiedenen Auswurfslöcher aus den grösseren oder geringeren Spuren von Vegetationen, die sich in ihnen befinden, zu bestinnnen ; ich sage Spuren, denn dieselbe beschränkt sich auf einige Species grauer Flechten, die an einzelnen Stellen Polster von 4 Zoll Dicke bilden, einzelnen Stau- den eines kleinen Grases, einem sehr niedlichen kleinen Farrnkraut, das in den vielen Rissen und Spalten der Lava wächst und einigen we- nigen verkrüppelten E.xemplaren der schon oft genannten Arbutus- Arten. Auch hier noch in der Sohle des Kraters fanden wir frische Reh- spuren, allein ausserdem bemerkten wir nur eine schwarze Drossel mit gelbem Schnabel, ziendich zahlreich uniherschwärmend und sich selbst in den thätigen Trichter wendend, und hoch in den Lüften den eolossalen Cordilleren-Adler, seine weiten Kreise beschreibend. — Schon beim Hinabsteigen in den Krater empfand ich, wie schon angeführt, eine grosse Schwäche und bedeutende Athemnolh, beides verschwand nach einer kurzen Rast am Rande des Ihäligen Aus- wurfsloches, kehrte aber äusserst verstärkt beim Hinanklimmen zurück; die Athemnoth war so stark, dass ich kaum 10 Schritt vorwärts klettern konnte, ohne mich zur Erde werfen zu müssen, die Zunge, der Mund und Schlund waren ganz trocken, so dass ich sie oft mit einigen Tropfen Wasser aus der mitgenommenen Kürbisflasche netzen musste, die Knie- und Hüftgelenke schmerzten mich bedeutend und meine Haut war über und über mit einem abundanten kal- ten Schweiss bedeckt, alles Erscheinungen, die ich sicherlich nicht allein auf Rechnung der phy- 34 sischcn Anstrengung setzen darf, sondern wol zumeist der dünnen Alniospiiare zuselireiben inuss. — Ermattet bis zum Tode gelangte icii endlich bei unseren Tiiicren an, wo ich die Genossen, von denen zwei nicht mit hinabge- stiegen waren, während die beiden anderen den Kraler schon lange vor mir verlassen halten, traf; Alle hatten melir oder minder ähnliche Be- schwerden gehabt. Eine Rast von einer halben Stunde, einige Gläser Champagner und ein gutes Frühstück stärkten unsere Lebensgeister völlig wieder. — Die Lufl war sehr rauh und scharf, ja für uns, die wir durch die milde Temperatur der tierra templada der Tropen schon verweich- licht waren, empfindlich kalt. Um 7 Uhr Morgens war die oberflächliche lose Lavaschicht '^I^R., die Luft 7» R., um; 9 Uhr die Erde 7" R., die Luft hingegen nur 6" R. Beim Hinabsteigen war die Luft fast unbewegt, im Krater angelangt, begann ein N.-Wind zu wehen, und als wir wie- der auf dem Gipfel des Berges waren, blicss er ziemlich stark, indem er dichte Nebclmassen, aus den Schluchten und Thälcrn heraufwirbelnd, vor sich her trieb und schneelawinenartig in den Krater hinabvvälzte, die in kurzer Frist uns auch die Ansicht dieses selbst verdeckten. — Schon im Grunde des Kraters fiel es nur auf, einen ziemlich stark betretenen Fusspfad zu sehen, der, von N.-O. nach S.-W. gehend, den First sich hinanzog und in das steile, wie es schien mit undurchdringlichem Wald bedeckte Thal sich senkte; auf Befragen erklärte unser Führer, dass dies ein Indianerpfad sei, nnttelst dessen die scheuen, wilden Stämme (indios bravos oder salvajes, die nämlich nicht Christen sind) der Ost- und Westküste, alle cultivirten Gegenden meidend, eine Communication unter sich unter- halten. Welche iiöclisl interessante geographische und naturhislorische Resultate inüsste eine Ex- pedition liefern, die diesem Pfade nach beiden Seiten folgen konnte! — Auf demselben Wege, den wir gekommen, stiegen wir hinab, ohne dass uns das allermindeste Bemerkenswerthe zuge- stossen wäre. Wir fanden unsere Lasithicre am verfallenen Häuschen munter weidend ; vor Sonnenuntergang waren wir in Carlago und nnt Sonnenaufgang anderen Tages brachen wir von hier nach San Jose wieder auf. Der Irazü oder auch el Volcaii de Cartago ist von Calinda trigonometrisch gemessen und dessen Hohe auf genau 12000 spanische Fuss gefunden. Eine barometrische Messung ist, so- viel mir bekannt, nicht gemacht. Das herrliehe, von meinem verehiten^F'reunde George Greiner gefertigte Heberbaromeler, das von Herrn Dr. vonFrantzius zu gemeinsamen Beobachtungen milgenominen wurde, steht leider nicht zu meiner Verfügung. Ein Sextant und Chronometer fehlten mir leider auch, daher eine Lagenbestinunung unmöglich war. — Die einzige bekaniüe grössere Eruption des Irazü fand im Jahre 1722 statt, er schleuderte Asche und Lavastücke bis nach Cartago. Unter den cenUo - amerikanischen Bergen ninnni der Irazü seiner Höhe nach die vierte Stelle ein, denn die drei grossen Vulcane Guatimalas haben nach Baily (siehe E. G. Squier. Travels in Central-America, Ncw-York, 1853) folgende Höhe: Volcan de Fuego 14000, Volcan de Agna 13578, Atillan 12.500 englische Fuss. San Jose de Costa Rica im Novend)er 1855. Dr. Carl Hoffmann. (Uer Bun|iliiiKlia iiiilgetlieill von Dr. F. Klulxscli.) -i-J-TO? Ä^~tf-s~-. Vermischtes. HarfoiFelkrankheit. Uer 32. Jaliresbericlit der .stiilesischeri (jesellschalt liir vaterlaiidisclie Cultur eiitluilt in seinem Bericlile über die Tiiatiglteit der Seclion für Obst- nnd Gartenbau im Jalire 1854 p. 196 einen Vortrag „über KartofTelkranltheit, Betrachtungen eines Laien," von dem zeitigen Secretair dieser Section, Herrn Gymnasialdirectur Winimer, einem vorzüglichen Kenner der sclilesischen Flora, der sich als systema- tischer Botaniker grosse Verdienste um die bessere Erkenntniss der sehr |schwierigen Gattung Salix er- worben hat. Herr Winimer teilet seinen Vortrag mit Betrachtungen über die Frage ein, ob die Cultur der KartotFel für uns entbehrlich oder nothwendig erscheine, indem er die entgegengesetzten Ansichten zweier Natur- forscher, die des Moleschott mit der Endlicher s hinstellt. Wahrend niimlich Moleschott vom Stand- punkte der chemischen Analyse geleitet, behauptet, dass der in neuerer Zeit so häufig vorkommende Aus- fall der Kartoffelernte nicht so sehr zu beklagen sei, wenn man statt der Kartoffeln, welche 10 bis 20 mal mehr Fetthildner als Eiweiss enthalten, das Blut aber mindestens 35 mal so viel Eiweiss als Fett enthält, und die Kartoffeln kaum ein Fnnfzehnlel der Menge des Eiweisses führen, das im Blute regelmässig vor- kommt, vernünftig gewählte Stellvertreter baut; erwägt Endlicher allgemeinere Rucksichten, die bei Beur- theilung der Frage über Sättigung des Magens, wo es häufig weniger auf die Menge und Dauer der Nähr- kriift, als auf Befriedigung des Bedürfnisses anliommt, zu nehmen sind und spricht sich in fast entgegenge- setzter Weise aus, indem er sagt; „Die unreifen Samen r huren j 1 der Erbse und die jungen Hülsen der Bohnen geho 35 zu den feineren Speisen. Aber wir, die wir im Seh weisse unseres Angesichts unser lligliches Brod suchen und uns nach etwas kriiftigerer Nahrung umsehen miissen, warten die vollständige Reife der Samen ab und stillen mit Stärkemehl, das mit einer besonderen Art Kleber (Legumin) gemischt ist, den bellenden Hunger: indem wir so unsern Appetit betrugen, sind wir genolhigl, den Magen mit Mästung zu beschweren." Indem Herr Wimmer hieran einige ganz interessante Erörterungen kunpft. spricht er sich zu Gunsten des fortgesetzten KartoUel-Anbaues aus, worin ihm vollständig beige- stimmt werden muss, weil es erwiesen ist, dass von einem Areal, m^it Kartoffeln bepflanzt, mehr Menschen oder Thiere erniihrt werden können, als es der Fall sein würde, wenn derselbe mit Weizen oder Hülsen- früchten bebaut wäre. — Er geht hierauf zu der Frage über, ob die Ursachen der trocknen und nassen Kar- tofl'elfiiule überhaupt erkannt, ob der Pilz, deren Sporen in der Atuiosphäre schweben, um auf die Kartoffel- felder zu fallen und zunächst deren Kraut zu vergiften, die Krankheit verursachen, oder ob die Entwickelung des Pilzes nur ein secundäres Symptom der in der Pflanze schon vorhandenen Krankheit sei. Ich muss gestehen, diese Krage ist für einen Laien, für den sich Herr Wimmer ausgibt, so präcis, dass kein Fachmann sie besser, höchstens kürzer zu fassen vermochte, in- dem er etwa früge, kommt die Krankheit von innen oder von aussen? Dies ist unbedingt der fragliche Punkt, auf welchen es ankommt und um den es sich vorerst handelt, wenn man der Ursache der Krankheit näher treten will. Herr W immer neigt sich der An- sicht zu, dass die Ursache der Krankheit von innen aus bedingt werde, und ich theile vollkommen seine Meinung. Er geht sodann zu der Frage über, was von kosmischen Einflüssen auf die Kartolfelkrankbeit zu hallen sei und spricht sich darüber sehr correct negi- rend aus. — Hierauf folgen die eigenen Vermulhungen des Herrn W immer über die Ursachen der Krankheit. Er gehl zu der Vergleichung über, von dem Aussehen der Karloftellelder vor 30 Jahren, wo die reichsten Ernten erzielt wurden und das Kraut sich in milden Herbsten grün und mit Beerenfrüchten bedeckt, bis zur Mitte October erliielt, während gegenwärtig das Kraut der Kartoffelfelder um dieselbe Jahreszeit allenthalben nur vertrocknet und ohne Früchte angetrofl'en werde. Hieraus folgert Herr Wimnier, dass in dem Anbau und der Behandlung dieser Cullurpflanze Veränderungen vorgegangen sein müssen, welche eine Abschwächung zur Folge hatten. Dass die gegenwärtig cultivirten Kartoffeln selten Früchte bringen, versucht er theil- weise aus dem Umstände zu erklären, dass die Blülhen häufig von dem Anbauer in ihrer ersten Entwickelung abgezwickt werden, ein Verfahren, das er missbilligt, weil die Samenbildung dem Knollenerlrage keinen Ab- bruch thue. Er nimmt ferner an, dass der Terrain der Kartoffelreife durch die Kunst verfrüht worden sei, da man die Knollen in früheren Zeiten vor dem Monal September allgemein zum (ienuss für unräthlich hielt und von ihnen behauptete, sie wären vor dieser Zeit unvollslandig entwickelt; aus diesem Grunde wird die Sechswochen- Karlolfel mit einem Merinoschafe verglichen, das vor- treffliche Wolle, aber kein gutes Fleisch liefere. Ausser- dem wird das nicht selten in Anwendung gebrachte Verfahren, statt der SaatUnollen nur deren .\ugen zu legen, gerügt; über die Sorglosigkeit gesprochen, mit der die Kartofleln den Winter über aufbewahrt werden und insbesondere über die Vermehrung der Kartoff'el- sorten in der Neuzeit geklagt, die eine Hauptursache abgebe, für die jetzt allgemein wahrgenommene Ab- schwächung der Kartoffel. — So sehr ich mich über die \Aahrnehmuug freue. Herrn Wimmer zu den we- nigen .'Vuloren zählen zu können, welche die Ursache der Karloffelkrankheit in der Kartoffel selbst suchen, so muss ich mir doch in Betreff der von ihm angeführten Specialpunkte einige Gegenbemerkungen gestatten, in denen ich versuchen werde, seinen Ansiebten einer Abschwächungs-Theorie meine Erklärungsweise entge- genzusetzen. — Durchschreitet mau die Kartoffelfelder einer Gegend, wo die Manniglaltigkeil der Saaten von einiger Bedeutung ist, so gewahrt man auf den ver- schiedenen Ackerstücken, auf denen die Sorten ver- theilt sind, eine Menge Abweichungen in der Tracht, der vorgeschrittenen oder gehemmten Entwickelung, in der geringeren öder grösseren Kräftigung, in der Farbe des Krautes, der Form der Blaller oder Blätl- chen, der An- oder Abwesenheit von Blülhen, ihrer Form und Farbe; überwacht man zugleich die Ernte, so wiederholen sich diese .\bweichungen in der Zei- tigung sowol, wie in der Form; Farbe und anatomi- schen Beschaflenheit der Knollen. Andere ist es, wenn man Gegenden durchschreitet, wo die Acker mit nur einer oder wenigen Sorten bepflanzt sind. Hier ver- misst man das mannigfach durch die verschiedenen Sorten hervorgerufene Verhällniss von Abweichungen durchaus, indem eiue Einförmigkeit, eine Übereinstim- mung der Beschaffenheit an die Stelle der Mannigfal- tigkeit tritt, welche der Unterscheidung des schärfsten Blickes trotzt, höchstens Difl'erenzen ergibt, die nach wenigen Tagen schwinden. Durch dergleichen Wahr- nehmungen wird man nothwendig zu dem Schlüsse geleitet, dass verschiedene Grade von Krankheitser- scheinungen, welche in den verschiedenen Sorten stets beständig und gleichmässig auftreten, dafür sprechen, dass die etwa beobachteten Krankheits-Symplonie nicht durch äussere Einflüsse entstanden sein können, son- dern in der innersten Wesenheit der Sorte selbst be- dingt sein müssen. Wir haben mithin zunächst Rechen- schaft abzulegen von dem, was wir unter Sorte ver- stehen. Die Pflanzensorle ist nämlich nichts weiter, als eine auf ungeschlechtlichem Wege (durch Augen oder Knollen) geschehene Vermehrung des aus einem geschlechtlichen Acte hervorgegangenen Kartoffel-Sa- mens oder Individuums. Die in einer Fruchlhülle be- findlichen Samen eines wildwachsenden Gewächses sind jederzeit imler sich individuell verschieden und um so uulerscheidbarer, je grösser der F'ornienkreis ist, den die Species, der sie abstammt, gestallet. Schon der verstorbene Hofrath Koch in Erlangen, ein höchst auf- merksamer und zuverlässiger Beobachter, machte vor vielen Jahren die Bemerkung, dass durch Aussaat der auf einem gemeinschaftlichen Fruchtboden befindlichen Früchte einer Coinposile, mehrere aus Unkunde als verschiedene Arien beschriebene Pflanzen erwuchsen. So gross jedoch auch die individuellen Abweichungen 1 36 c sein mögen, welche die in einer Fruchlluille gebildeten Samen in ihrer weiteren EntwieUelung knnrlgeben, für ihre Existenz-Dauer sielig behaupten und, in nnge- schlechtlicher Weise vermehrt, beibehalten, so ist doch nicht zu leugnen, dass gewisse Eigenlhiimlichkeiten und Dispositionsrahigkeiten der Stammpllanzen auf ge- schlechllichem Wege vererben. Bei einer andauernd fortgesetzten Cultur und recht häufig wiedeiholleui (ieue- rationswechsel bemerken wir sogar zwischen dem ge- schlechtlichen Abkömmlinge und dessen Stanimgewachs kaum noch irgend wahrnehnibiire Dill'erenzen. Berück- sichtigen wir nun, dass sich der Begrifl' von Sorte von dem der Varietät nur dadurch unterscheidet, dass sich die Individualität der Sorte nur auf ungeschlechllicbem Wege ver\iell'älligen lässt, während die Individiialilat der Pflanzen-Varietät seihst auf geschlechtlichem Wege gelingt, so ist man berechtigt zu behaupten, dass durch anhaltend fortgesetzte Cultur und häufigen Generations- wechsel die Sorte nach und nach zur Varietät über- geführt werde. Dass dem wirklich so ist, sehen wir an den jährigen Culturgewächsen, den Getreide-Va- rietäten sowol, wie an den Zierpflanzen unserer Gär- ten, wohin beispielsweise die Levkoje (Matthiola in- cana) mit ihren niauniglachen Blutheularben, die sich durch Aussaaten erbalten, sobald sie in guter Gartenerde und isolirl cullivirt werden, gebort. Selbst mehrere Steinobstsorlen (Kirschen, Pflaumen, Apricosen, Pfirsiche etc.), deren Existenz-Dauer viel geringer ist, als die der Kernobslsorten (d. i. der Apfel und Birnen), zeigen in ihren Sämlingen selten grosse individuelle Abweichungen von ihren Stammellern; und nach der Theorie des äusserst verdienten belgischen Pomologen van Mons, der mehr und bessere Birnen- und Apfel- sorten gezogen hat, als irgend ein Anderer, gebt mit der grössten Bestimmtheil hervor, dass wilde Birn- und Apfelsamen in der achten Generation wul eine Mannigfaltigkeit individueller Abweichungen, aber fast ohne Ausnahme nur edele, schmackhafte uuil zum Theil ausgezeichnete Früchte lieferten. Es sieht daher zu erwarten, ilass die kernobslsorten durch forlgeselzte sorgsame Pflege und häufigen Generalionsweclisel zur Überfuhrung der Sorten in Varietäten gelangen werden und eine Zeit in Aussicht rückt, in welcher Sorten auf ungeschlechllichein Wege (durch Augen oder Pfropf- reiser) zur Vervielfältigung kaum erforderlich sein dürften. Dasselbe Prognosticon darf man auf unsere Kartoffel anwenden. In der älteren Literatur über Kar- toffelsorten bis vor 20 Jahren, gleich\iel in welcher Sprache, wird immer von wilden oder Viehkarlofl'eln (d. i. Fulterkartofl'eln im Gegensatze von Speisekar- toffeln) gesprochen, die nur zur Fütterung cultivirt wurden und zur Speisung von Menschen nie Anwen- dung fanden, weil ihr Beigeschmack so unangenehmer Natur war, dass sie Jedermann verschmuhele. Die- selben e.vistiren gegenwärlig nicht mehr. Es gibt keine Futlerkartolfelsorte mehr, die nicht auch dem Menschen gleichzeitig zur Speise dient. Cultur und wiederholter Generationswechsel haben jene sogenannte wilde Kar- tofl'el verschwinden gemacht. Diese Betrachtungsweise, meine ich, zeigt deutlich, dass bei Beurtheilung der Culturpflanzen auf richtiger BegrilTsbestimmung und präciser Unterscheidung Alles beruht. Ein Beispiel der Mais- Varietäten, die nach und nach, seit kaum einer dreibunderljährigen Cultur in den sudlichen Staaten von Nord-Amerika entstanden sind, liefert hierin die belegendste Beweisführung, weil ausser der Form und Farbe der Maiskörner Stofl'verschiedenheilen vorkom- men, die durch chemische Reagentien, ohne viele Muhe nachweisbar sind. Die HH. A. Ä. Hayes und Dr. Charles Jackson *) in Boston (JVord-Ainerika) haben eine bOclist sinnreiche Methode angegeben, den In- halt des Samens bei den verschiedenen Varietäten des türkischen Weizens, deren eine grosse Anzahl in den sudlichen Staaten IVord -Amerikas angebaut werden, näher zu bestimmen. Ein der Länge nach durchsägles türkisches Weizenkorn mit einer Lösung von Kupfer- Vilriol (schwefelsaurem Kupfer) behandeil, färbt den an der Basis gelegenen Keim (Embryo) intensiv grün, in- dem die Grenzen des Phospllorsäuregehalls durch die Bildung von phosphorsaurem Kupier ausserordentlich genau bezeichnet werden. Bringt man dagegen das der Länge nach durchsägte lürki. 29 denen freundliche Häuser von Gemüsegärten, Maisfeldern und Bananenpllanzungen umgeben, eingestreut waren. Hier ist die Gegend, in der alle Kartofl'ein für das ganze Land gebaut wer- den, von hier bis zu dem Indianerdorfe Cot (nach Osten) wird fast nur dieser Zweig der Agri- cultur betrieben, da in tiefer gelegenen Gegen- den die Kartoffel nicht mehr gedeiht. Allein «eich eine interessante Erscheinung für die Pllanzen- Geographen, und ^velch gesegnetes Land, das dergleichen Phänomene darbietet! Ein Häuschen, umgeben mit Bananen- oder Pisang- Gebüschen, Citronen-, Granat- und Apfelsinen- bäumen, hieran anschliessend Kartoft'el-, Weizen- und Gerstefelder, eingefasst mit Ananas und abwechselnd mit Zuckerrohr, Mais- und Yucca- Pflanzungen! Je mehr wir bergan ritten, je sel- tener wurden Häuschen und Pflanzungen, je rauher wurde das Klima : oft mussten wir lange Strecken durch dichte Wolkcnmassen reiten, die uns durch den feinen staubartigen Niederschlag (hier garua genannt) völlig durchnässtcn, oft aber auch kam ein starker Windstoss, der die Wolken, wie mit einem Zauberschlage zerstreute, wodurch uns dann eine henliche Aussicht rück- wärts auf die Stadt und Hochebene Cartago vergönnt wurde. Endlich schwanden die letzten Reste der Cultur, wir ritten in den majestäti- sciien Urwald hinein. Ein tropischer Urwald war mir nicht neu, ich habe ihn wol in der grössten Üppigkeit gesehen, die gedaciü wer- den kann, sowol auf der atlantischen Seite des Isthmus an den Ufern des Rio San Juan und des Shepperd Laguna, wie auf der westlichen am Rio Aranguez, der sich in den Golf von Nicoya ergiesst, aliein dennoch war ich über- rascht und konnte mich an dieser mir absolut neuen Vegetations-Physiognomie nicht satt sehen. Alles war ernster und düsterer, kein Baum mir bekannt; da gab es keine Palmen, keine baum- artigen Farren, keine Bambusen, keine bunt- blüheiulen Orchideen, die mit den Lianen jeden alten Stanmi zu einem Blumenbeete machen; zwar fehlten die Schlinggewächse nicht, allein sie waren nicht so mächtig und weniger häufig; die Stelle der schmarotzenden Orchideen ver- traten kleine, grasartige Bromeliaceen und weiss- graue Bartflechten; in Stelle der grossblättrigen Scitamineen bildeten den Unterbusch gelbblühende strauchartige Compositen und über und über mit blauen Blumen bedeckte stachlige Solaneen. Auch (las fast gänzliche Fehlen alles anima- lischen Lebens machte uns fast vergessen, dass wir uns unter dem 10. Grade nördlicher Breite befanden. Hier sah man keine Aflenfamilien ihre ergötzlichen S|)iele treiben, keine Papageien uinl Pfefferfresser dunli Stiel und auf- rechter Stachelspitze, an den Borsten von Bulbocliaete vorkommend; ferner über die Bildimg der Zoosporen von Chroolcpus , die Entwickelungsgeschichtc und den Formenkreis von Palmodactylon varium und die neue Pal- mellaceen - (jattung , Staurocystis. Derselbe sprach fernci- über die Gattung Spirotaenia, welche von Bröbisson im Jahre 184G auf- gestellt wurde. Sp. condensata Brcb. besitzt ein einfaches Spiralband je nach dem Alter mit 8 — Ki Umläufen; eine zweite von Kalfs aufgestellte Art, Sp. obscura, besitzt 5 — 8 pa- rallele, steilgeW'undene Spiralbänder. Beide früher nur in England und Fraidcroich ge- fundene Arten wurden von Dr. Itzigsohn bei Neu-Damm, die erstem auch bei Leipzig und Berlin beobachtet. Eine dritte bei Nou- Damm beobachtete Art nennt Hr. Dr. Itzig- sohn Spirotaenia erythrocephala; sie besitzt ein einziges, sehr locker gewundenes Sjüral- band mit 2 — 4 Umgängen und zeichnet sich ausserdem durch röthliche Spitzen aus. Die Spirotaenien ermnem einerseits an die Clo- serien, andererseits an die Spirogyren, von denen sie sich, abgesehen von der einzelligen Vegetation durch die Richtung des Spiralban- des unterscheiden, welches bei den drei be- kannteren Spirotaenien links, bei den Spiro- gyren dagegen beständig rechts gewunden ist. Hieran knüpfte derselbe Bemerkungen über die Beständigkeit in der Richtung der Spirale verschiedener mikroskopischer Objecte, indem er zugleich auf die Unzuverlässigkeit fast aller bezüglichen Abbildungen aufmerksam machte. Die schraubenförmigen Fäden der Sjjirulinen, sowie die schwachgedrehten Ketten der Des- midien sind rechts gewunden und derselben Richtung folgt die drehende Bewegung der Oscillarien; die einfache oder mehrfache Spi- ralfaser in den Elateren der Lebermoose ist gleichfalls i-echts, wogegen die um die Sporen gerollten Elateren der Equiseten, sowie die Spiralfasern in den Zellen des Sporangiums dieser Gewächse links gewunden sind. Die Spiralzellen im Capillitium von Trichia sind rechts, die Spermatozoen der Farrnkräuter links, die der Characeen rechts, das Breim- nesselhaar ist spiralig rechts gestreift. Nach einer Mittheilung aus München vom 28. December in der Allg. Ztg., No. 365, ist Wilhelm Schimper, der bekannte Bota- niker, welcher seit fast 20 Jahren das abyssi- nische Alpenland bewohnt, mit den fridier dort so einflussreichen Jesuiten im vertraute- sten Verkehr stand, vom Fürsten Ubic die Statthalterschaft einer Provinz erhielt, sicli verheirathete und neben seinen Statthalterge- schäften doch rastlos fortfuhr. Berge und Wäl- der zu darchwandern, um Pflanzen und Tliiere zu sammeln, die er nach Europa sandte, durch eine politische Revolution seiner Statthalter- schaft beraubt und muss von seiner Hände Arbeit leben, ist körperlich leidend vmd im gedrücktesten (iemüthszustand. Der Fürst Ubie hat seinen Thron und die Jesuiten ihre Pri%nlegicn und ihr Aufenthaltsrocht in Abys- siuien verloren und das Land ^■erlassen. In dem letzten Briefe vom iütcrn Datum, wel- chen Seh im]) er an einen Münchener Be- kannten schrieb, bat er dringend, ihm doch eine Brille zu schicken. Seine Augen waren so angegriften und geschwächt, dass er nur . mit Mühe die von hier erhaltenen Briefe le- ^ c-o;l- J 47 \ seil konnte, ilöge dem ungliicklichen Natur- forsclier, den dort in der P]insanikeit afrika- nischer Berge frühe Altcrsleiden beugen, er- folgreiche Unterstützung werden! Zur Unterstützung wohltliiitiger Zwecke hat Elfriede von Mühlenfels ein \\'erk unter dem Titel : „Dresdner Album" heraus- gegeben, in dessen zweiter umgearbeiteter und mit neuen Beiträgen versehener Auflage (Berlin, Nicolai, 1856) sich S. 24—44 ein Auf- satz befindet, in welchem der Geheimrath Dr. Lichtenstein, die Schicksale des Gra- fen Johann, Centurius von Hoffmanns- egg schildert. Der edle, aber Tsimdersame Mann war zu Dresden am 23. August 1766 geboren und starb am 13. Decbr. 1849. Die .Schilderung seiner Persönlichkeit ist nicht weniger treffend, als die Andeutungen über die Verdienste , die er sieh imi die Botanik, namentlich durch die Flore Portugaise erwor- ben hat. Wir wollen hierzu noch die dort nicht bemerkte Thatsachc beifügen, dass Graf Hoffmansegg die von seinem Kammerdiener Sieber ans der Provinz Parä Brasiliens gesand- ten Pflanzen aucli selbst untersuchte und in einer Handschrift mit Diagnosen versehen zu- sammenstellte, eine Arbeit, welche aber nie zum Druck gelangte. (B. Z.) Düsseldorf, 19. Jan. Das Schicksal des Herrn Hasskarl werden Sie erfalu'en haben. Er selbst begab sich nach Java; seine Frau und 4 Kin- der nebst einer hiesigen Dame reisten ihm im Herbste vor einem Jahre nach ; das Schiff stran- dete aber an der englischen Küste, und alle wur- den eine Beute der \A^ellen. (Diese Nachricht haben wir bereits im vorigen Jahrgange ge- meldet. Ked. d. Bpl.) Jene Trauerbotschaft soll den auf Java Harrenden sehr angegrif- fen haben und vor Kurzem traf auch die Kunde von llasskarl's Tode hier ein. Ist das der Lohn für seine imsäglichen Mühen'? Hass- karl war früher Gehülfe im hiesigen bota- nischen' Garten ; bei seinem geringen Gehalte war er zu der allergi-össten Sparsamkeit ge- nöthigt, um sieh dieses oder jenes lehrreiche Buch anzuschaffen und seine Ausbildung zu betreiben. Selten hat ein Mann grössere Hin- dernisse durch eisernen Fleiss und festen Willen überwältigt, als der nun Todtgemeldete. (Wir geben diese letztere Nacliricht wie .sie uns zukommt, ohne füi- deren Richtigkeit ein- zustchn. Die jüngsten Mittheilungen, welche wir von Herrn Hasskarl direct erhielten, meldeten von einer Krankheit nichts. Vcrgl. B[.l. m. p. 316. 'Ked. der Bpl.) — Hier im botanischen Garten blüht ge- genwärtig Dracaena Brasiliensis, ein drei Fuss liolier Strauch, in üppiger Cultur, mit einer \\ Fuss langen Blüthenrispe , die viele Sei- tenästchen hat. Das Blühen dieser Species ist eine, wie ich glaube, seltene Erscheinung in den Gärten. I'rankveich. Paris, 23. December. Das ilötel Webb, welches in dem von dem verstorbenen Hrn. Webb, dem bekannten Botaniker, zu Gun- sten des Grossherzogs von Toscana errich- teten Legate begriffen ist, wurde voi'gesteni gerichtlich verkauft mid dem Marschall Nar- vaez für den Betrag von l.öO,0(JO Frcs. ver- steigert. Der Kaufpreis wird in einer 4| pro- centigen Rente auf den Namen des Gross- herzogs angelegt, da nach den Bestimmungen des Testaments mit dieser Rente das Herba- rium des V^erstorbenen zu erhalten und zu vermehren ist. Mit diesem Verkaufe ist die ganze Angelegenheit beendigt und die eng- lischen Testaments-Executoren, die das Legat angriffen imd die Verwaltung dieser Summe in Anspruch nahmen, indem sie sich deshalb i auf eine unklar gefasste Bestimmung des Testaments beriefen, abgewiesen. Veiaiitworlliclier Redacteur: Willieliii fi. E. Sceniaiin. Amtlicher Theil. Belmniilmaclmngen der K. L.-C. Akademie der jSaliirforscher. Neu aiifgeiiommeiie Mitglieder. Den 13. Juli 18.55: Herr Dr. Christian Carl Friedrich Ferdinand Senft, Professor der Natiu-wis- senschaften und Mineralogie am Grossherzog- l 48 ^-y->o r liehen Real-Gymnasium und am Forst-Institute -* zu Eisenach, cogn. Huhn. Den 10. September: Herr Dr. Nicolaus von Arendt, Kai- serl. Russischer wirklicher Geheimer Rath und erster Leibarzt des Kaisers von Russland, Chef aller Civil - Hospitäler im russischen Reiche, zu St. Petersburg, cogn. Astley Cooper. Den 15. September: Hr. Dr. Hermann Eulenberg, Königl. Preuss. Medicinalrath, Mitglied des Rheinischen Provinzial-Medicinal-CoUegiums, prakt. Arzt und Kreisphysikus zu Coblenz, cogn. Metzger. Den 15. October: Hr. Dr. Carl Wilhelm Arnoldi, prakt. Arzt und Kreisarzt zu AMnningen a. d. Mosel im Kreis und Regier.-Bezii-k Coblenz, cogn. Beuth. Herr Dr. Carl August Bolle, Botaniker aus Berlin, natm'historischer Reisender auf den Canarischen und Cap-Verdischen Insebi, cogn. M'ebb. Herr Dr. Immanuel Ilmoni, Kaiserl. Russischer Staatsrath , ordentl. Professor der theoret. und prakt. Medicin an der Russisch- Kaiserl. Universität zu Helsingfors, cogn. J. C. Hecker. Herr Dr. Carl Freiherr von Küster, Kaiserl. Russischer Collegienrath und Mit-Di- rector des Kaiserl. botan. Gartens in St. Peters- burg, Ritter des St. Annen-Ordens 2. Classe und Cürrespond. Mitglied der landwirthschaftlichen Centralstelle zu Hohenheim, cogn. IVinius. Hr. Dr. Abraham Bartholomäus Mas- salongo, Professor der Naturwissenschaften am K. K. Gymnasial-Lyceum zu Verona, Qua- dragesimvir der Italienischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Modena, Mitglied des Iv. K. Lombard. Venetian. Instituts der ^^'issen- schaften und Künste zu V^enedig und der Akademie zu Padua, Cantanea und Verona etc. cogn. Follini. Herr Dr. Carl von Mende, Kaiserlich Russischer Geheimer Rath und Director des Medicinal- Departements im Russisch -Kaiserl. Marine-Ministerium zu St. Petersburg, cogn. Clark^. Herr Dr. Alexander von Nordmann, Kaiserl. Russisch. Staatsrath, ordentl. Professor der Naturgeschichte und Zoologie, und Direc- tor des natarhistor. Museums an der Russisch- Kaiserl. Universität zu Helsingfors, vorher am Kaiserl. Lyceum zu Odessa, Ritter des Kaiserl. Russisch. St. Annen-Ordens 2. Classe, St. Wladimir-Ordens 4. Classe und Grossherr- lich Türkischen Nischani-Iftihar-Ordens, cogn. Undolplti. Den 1. November: Herr Dr. Heinrich Bruno Schindler, Königl. Preuss. Sanitätsrath und prakt. Arzt zu Greiffenberg .in Schlesien, Präsident der °J Gesellschaft der Arzte Schlesiens und der Lau- ,j sitz, cogn. Plotinus. Den 2'd. December: Herr Dr. Carl von Renard, Kaiserlich Russischer Staatsrath und erster Secretair der Russisch -Kaiserlichen Gesellschaft der Natur- forscher zu Jloskau, cogn. G. Fischer de Waldheim. Den 1. Januar 1856: Herr Dr. Friedrich Bidder, Kaiserlich Russischer Staatsrath und ordentl. Professor der Physiologie und Pathologie an der Rus- sisch - Kaiserlichen Universität zu Dorpat, cogn. Feil. Herr Dr. Julius Victor Carus, ausser- ordeutl. Professor der vergleich. Anatomie an der Universität zu Leipzig und Secretaii- der naturforschenden Gesellschaft daselbst, cogn. de Chamigso. Herr Dr. Gottlob Friedrich Heinrich Küchenmeister, praktischer Arzt zu Zittau im Königreich Sachsen und Mitglied meh- rerer naturforsch. Gesellschaften, cogn. Goeze. Herr Dr. Franz Lanza, Professor der Naturgeschichte am Gymnasium und Director des naturhistorischen Museums zu Jadera (Zara) mid Spalatro in Dalmatien, Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu \"erona, cogn. iSolinus. Herr Dr. Friedrich Leybold, Botaniker aus München, naturhistorischer Reisender auf Chile in Südamerika, cogn. Favon. Herr Dr. Johann von Person, Kaiserl. Russischer wirklicher Staatsrath, Assistent des medicinischen Inspectors bei den unter dem Schutze Ihrer Majestät der Kaiserin stehen- den Medicinal-Anstalten und Mitglied des me- dicinischen Vereins deutscher Arzte in St. Petersburg, Ritter des K. R. St. Annen -Or- dens 2. Classe mit der Kaiserl. Krone, St. Stanislaus- Ordens 2. Classe mit der Kaiserl. Krone und St. Wladimir - Ordens 4. Classe, cogn. Hufeland. Herr Dr. Friedrich Wilhelm Otto Ludwig Freiherr von Reden, deutscher Sta- tistiker xmd Geograph in ^^'ien, und ehema- liger Director für Handel und Gewerbe im Ministerium des Auswärtigen zu Berlin, Mit- glied mehrerer gelehrter Gesellschaften, cogn. Adrian Balbi. Herr Dr. Jens Sattler, Chemiker und Güter- Fabrikant zu Schweiufurt in Franken, cogn. van Helmont. l (Das Verzeicluiiss der Mitglieder der K. L.-C. Akademie für l85ö niusslc wegen Mangels an Raum zurückbleiben, wird aber in Bälde ver- ülTenliicIil werden können. Red. der Bonplandia.) Druck von August Grimpe in Hannover, Marlilstrasse Nr. 62. -oto- „IVunquam otiosus. ^jno Erscheint am 1. u. IS. jedes Monats. ITeis des JahrgflD's S'la^, Inser'.ionsjebuhreD t Ngr. für die PetiLzeilc. Agents Redaction : Bertliold Seemann in fonöon- W. E. G. Seemann in (^annulier. BOmAPIA. D London Williams ■^- Nor-o/ ;ale, 14, Henrietta Street, / CoTent Garden. (j k Paris Fr. Klincksieck, II, rue de Lille. y>:ci iriff für Mc gcfiimmfc '^ofanifi. Oflicielles Organ der K. Leopold. -Carol. Akademie der Naturforscher Verlag Ton Carl Kiimpler in fionnoncr. Osterstrasse Nr. 87. IV. Jalirsaiiii l^annouer, 15. /ebruar 1856. N2.4. Inhalt: Nichtamtlicher Theil. Humboldt's Statuette im Museum zu Paranä. — Lechler's neueste Samm- lungen aus Peru und Chile. — Vermischtes (Farrnkraut auf Feldern; Drei Haferpflanzen; Bodenertrag in Ungarn; Dioscorea japonica; Die atmosphärischen Düngstoffe; Der Name Duwock; Tabacksproduction in Galizien; Ober- Osterreichischer Forstverein in Linz; Himalaya-Vegetation; der Taxus). — Correspondenz (Mittheilungen aus Süd- America; Warmeentwickelung in den Blüthen der Victoria regia). — Zeitungsnachrichten (Hildesheim; Berlin; Wien; Hamburg; Amsterdam; London). — Briefkasten. — Anzeiger. Nichtamtlicher Theil. Humboldts Statuette im Museum zu Paranä. (Aus argentinischen Zeitungen.) Herr von Gülicli, Geschäflslriiger Sr. Maj. des Königs von Preiisscn, hat in den Sommer- monaten von 1855 eine Reise ins Gebiet der Republik Paranä unternommen und in den dort von ihm besuchten Kreisen einen höchst ange- nehmen Eindruck nainentlicii durch das Interesse zurückgelassen, welches er an dem Gedeihen der Conföderation nimmt. Dieser ausgezeichnete Mann hat es der Mühe werth erachtet, dem Museo Naclonal, wie aus den nachfolgend ab- gedruckten Schreiben hervorgeht, eine Slaluette seines berühmten Landsmannes, Alexander von Humboldt, dessen Ruf die Welt erfüllt und dem in und ausserhalb Deutschlands ein wahrhafter Cultus gewidmet wird, zum Geschenk zu machen. Wir verstehen in dieser Hinsicht die Aufmerksamkeit des Herrn von Gülich speciell zu würdigen. An den Herrn Director des Museo Nacional. Parauä, 17. September 1855. Herr von Gülich, preussischer Geschäftsträ- ger, hat mir eine Statuette des hochberiihmten Rei- senden Alexander von Humboldt zugestellt. Ein aus seiner Feder geflossenes Schreiben bestimmt, dass dieselbe in seinem Namen dem durch Sie gebildeten und Ihrer Obhut anvertrauten Museo Nacional von Paranä übergeben werden soll. Indem ich Ihnen die- -Oi-o- sen Beweis der .^ufiuerksanikeil, wie es Herr von Gülich wünscht, übersende, bemerke ich, dass, trotz aller Vorsicht, der ausserordentlich zerbrechliche Stoff, aus dem das Standbild gearbeitet ist, etwas durch die Bewegungen des Schiffes und der Fuhrwerke, auf denen es in dieser Hauptstadt augelangt ist, gelitten hat. Hiermit, und indem ich so mich des .\uftrags des Herrn V. Humboldt entledigt habe, verbleibe ich zu wieder- holten Malen Ew. Wohlgeboren aufmerksamer und si- cherer Diener Juan Maria G u l i e r r e z. S r. Ex cell, dem Herrn Minister Dr. D. J. M. G u t i e r r e z. Museo Nacional Nr. 76. Paran«, »O. September 1855. Herr Minister! Ich habe die Ehre gehabt, die Zuschrift Ew. Ex- cellenz vom 17. d. M. zu erhalten und beifolgend im Namen des Herrn von Gülich eine den berühmten von Humboldt darstellende Statuette, welche unter meiner Adresse für das Naiional-Museum bestimmt ist. Indem ich Ihnen den Empfang dieses Schreibens melde, erlaube ich mir, Sie zu ersuchen, dem Herrn von Gülich den aufrichtigsten Dank für dies kostbare Ge- schenk im Namen des Directors des Nalional-Museums auszusprechen. Es soll den in die Augen fallendsten Platz in unserni Institute erhallen, denn die Freunde der Wissenschaft und des Fortschritts in diesem Theile Amerikas sind dem erhabenen Forscher besondern Dank schuldig. Er war es, der diese Himmelsstriche zuerst erschloss und der Republik der Wissenschalt und Industrie kostbare Daten über unsern Weltlheil zu Theil werden Hess. Ich habe die Ehre. Ew. Excellenz mit vorzüglicher Achtung meinen Gruss darzubringen, und verbleibe Ihr aufmerksamer und zuverlässiger Diener Alfred M. du G r a t y. 50 Lechler's neueste Sammlungen aus Peru und Chile. Von Herrn Hohenacker auszugeben. In der Bonplandia 1855, p. 236, habe ich bereits über diese kostbaren Sammlungen eine Notiz gegeben. Nun bin ich im Stande, unten das Verzeichniss sämmtlicher mir zur Untersu- ; chung überschickter Cassiniaceen zu geben, nemlich von 77 Arten aus Peru und von 25 aus Chile. Meine Pflanzen, welche ich am 25. Juni grossentheils und Iheilweise am 1. September ; erhalten, wurden in der ersten Zeit beinahe alle bestimmt, da die Masse des Neuen ausneh- mend zur Untersuchung anspornte. Bei meiner letzten Anwesenheit in Paris im October hatte ich den Vortheil, manche Bestimmungen in Hum- boldt's und Bonpland's Aequinoctialherbar zu vergleichen. Vor Allem interessirte mich aber Weddell's reiches Material zu seiner Chloris andina, von welcher die drei ersten Druck- bogen mit 6 Tafeln gerade erschienen waren. Der Verfasser, welcher sein kolossales Material gewissenhaft und kritisch bearbeitet, hat mit ' den Cassiniaceen begonnen und zwar mit den Mutisiaceen, welche in den folgenden Bogen , noch fortgesetzt werden. Da Hr. Dr. Weddell in seiner Chloris andina die neuen Arten mei- nes Herbars, also auch die Lechler'schen be- schreiben wird, kann ich mich hier auf einige ' allgemeine Bemerkungen beschränken. Von Lechler's 77 Peruanern sind 45 neu, also ohngefiihr ?, was daher konnut, dass Lech- ler bis an die Schneegrenze seine Untersu- chungen ausgedehnt und auch die kleinsten, oft unscheinbarsten, aber darum nicht minder inter- essanten Arten die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt hat. Von den 5 Vernoiiiaceen sind 2 neu, wie ich schon in der Bonplandia pag. 236 ange- geben habe. Von den 8 Eupaloiiaeeen scheinen mir 5 neu, nemlich die 3 Mikanien, wovon meine M. Lechleri der M. armigera Pupp, et Endl. nahe steht, und iJie andern beiden zu den ecordatis *** DC. geiiüren. Die M. tenax nannte ich wegen des zähen Siengels und die M. cuneata wegen des in den Blaltstiel keilförmig verlau- fenden Blatts. Die beiden neuen Eupatorien ;, gehören zur Ser. HI. Exiiiibiicala. E. Iieplan- f thum hat 7, das E. azangaroense 40—50 Bluthen r im Köpfchen. Die Gattung Adenostenuua ist noch so ungenügend bearbeitet, dass ich n. 2453 mehr instinktartig, als aus guten Gründen, z« A. platyphyllum gezogen habe. Uiüer den 13 Asteroiden sind 8 neu. Obenan stehen die beiden neuen Lagenophoren, deren Bestimmung mir nicht wenig Mühe gemacht hat. Die 5 in DC. prodr. stehenden Arten, welche ich besitze, haben ein capitulum radiatuni, achaenia oblonga, compressa, carinata, breve rosirala. Unsre l)eiden Arten bilden eine eigne Sectio und haben capitula discoidea, achaenia oblonga compressiuscula, 7 — 8costulata, brevissime ro- strala, dünne, kriechende, mit kleinen snalel- förmigen Blattern dicht besetzte Stengel, aus welchen auf langen, wenig beblätterten Äslchen die Köpfchen stehen. Ausnehmend interessant ist die neue Celmisia Lechleri, weil mir durch dieselbe ein neuer Beweis geliefert wird, dass diese bisher blos in Australien und den umlie- genden Inseln beobachtete Gattung in Südame- rika zahlreich repräsentirt ist. Von dieser schon durch die Tracht so ausgezeichneten Galtung habe ich in meinem Herbar folgende Arten: A. Anstralasicae. Celmisia Oporina Sz. Bip. in litt, ad ct. Hook, fil. an. Vf&l = .\rnica Oporina Forst.! — DC. pr. VI. p. 3t8. Forster's Originalexeniplar lialie ich mit C. Sprengel 's Cassiniaceen erhalten. Celmisia liolosericea Hook. fd. = Asier holo- sericeus Forster! Von dieser so wie von der folgenden .\rt besitze ich Forster s Originalexemplar. Celmisia coriacea Flook. fil.' ^ Aster coriaceiis Forster! Celmisia gracilenta Hook, fit.! Diese Art habe ich auch von (lodey gesammelt gesehen. B. Americanae: • Celmisia marginata Sz. Bip. = Aster margi- natus H. B. K. — DC. pr. V. p. Z47, n. 145 = Inula pi- losa Willd.! herb. n. 16046. — Venezuela, prov. Meri.la. Zumbador, alt. 900(l'. Oct. 1842: Linden! n.'ilH Jllores albi); Merida in graminosis apricis reg. alpinae. iVo- i vembri: Moritz! n. 1399 (flores albi. Tabera Inc. qui- : bus offic! Muy fresca = frigida. Celmisia pellita Sz. Bip. = Aster pellitus H. B. K. -- DC. pr. V. p. 228, n. 10. — Nova Granat., prov. .llariquita, Tolima, alt. 13,800'. Linden! n. 9.i2 (Jan. 1843, flores albi). Celmisia crocifolia Sz. Bip. = Aster croci- folius H. B. K. — DC. pr. V. 228, n. 9. Venezuela, prov, Merida, Sierra Nevada, 10— 11000'. Aug. 1842: Linden' n. 589 (flores albi), Hierher gebort auch wohl Aster repens H. B. K. — DC. pr. V. -27, n. 8. den ich nicht gesehen und in meinem Manuscripte als Celmisia repens aufge- führt habe. i 51 I Zu den ausgezeiclinelsten Formen gehören einige Baccliiiris, z. B. meine B. syncepiialii, welche der l)rasiiianischen B. phdypoda DC. am nächsten steht, vor Allem aber die zu §. 7 Dislichae geliöreiiden B. graveolens und B. are- liüides. De Candolle prodr. V. p. 426—427 hat 3 hierher gehörende Arten, nemlich B. fer- ruginea I'ers., B. thyoides Pers. und B. cata- phraeta Sprgl., welche letztere Art aber, da sie nach Conyza cataphracta Willd.! herb. n. 15612 gemacht ist, zu B. ferruginea gehört, wie ich mich selbst, an dem von Humboldt herrühren- den Exemplare, überzeugt habe. Zu B. ferru- ginea ist auch B. liinissae Benth.! pl. Hartweg., p. 202, n. 114 als Synonym zu ziehen. Da von Baccharis quadrangularis Meyen. — Walp. rep. VI., p. 138 weder Blüthen noch Früchte bekannt sind, so lässt sich von dieser Art gar nichts sagen, da nicht einmal die Gattung be- stimmt werden kann. Die B. thyoides Pers. kommt in Hartweg's Pflanzen n. 111.5 und 1116 vor. Wir haben also in deu Autoren bis heute nur 2 Arten dieser paradoxen Gruppe. Zu diesen füge ich folgende hinzu: ' 1) Baccharis anceps Sz. Bip., Her B. ferruginea verwandt, aber verscliieden foliis longioribus, angu- slioribus, vernicosis, carinä aculis et liinc ramiilis an- cipitibus. Diese Art besitze icli aus Peru von Haenlie gesammelt, ■' 2) Baccharis complanata Sz. Bip. Nov. Gra- nat., prov. Pamplona, in summo Paramo de San Url)an, alt. I3UÜU', Dec. 1842; Linden! n. 720 und ebendnselbst 12,000', Jan. 1847: Funk et Schlimm! u. 1292. Diese Art ähnelt der B. thyoide.';, für welche ich sie früher gehalten, ist aber viel robuster. 1^ 3) Baccharis graveolens Sz. Bip. Peru, St. Antonio in sum. Cordil. rupium fissuris alt. 17,000', Junio 18.')4: Lechler! n. 1815. Kaum spannenhoch, schmutzig-grau, filzig, sehr stark riechend. ' 4) Baccharis arelioides Sz. Bip. Peru, Agapata ad limit. niv. aet. .lunio 1854: Lechler! n. 1823. Kaum einen Zoll hoch, unten dunkelbraun, oben grau, filzig, dichte Kasan bildend, Kopfchen 3blüthig, männlich. — Das Weib dieser auch an Moospolsler erinnernden Pflanze besitze ich von Haenke, wahrscheinlich von derselben Localitiit. Meine Grindelia peruviana steht der Gr. glutinosii Dunal am niichsten, unterscheidet sich aber acliaeniis tctragonis non ancipitibus, foliis subpetiolatis non amplexicaulibus. Eine etwas breitbiällrigere Form habe ich aus Peru von Cuming n. 934. Unter den 8 Heliantheen ist eine neue Bi- dens, welche durch den Namen schon bezeich- net ist. Die Spilanthes tenella H. B. K. be- trachte ich eben so wie Sp. debilis H. B. K. als Formen von Sp. uliginosa Sw. Die Ambrosiaceen ziehe ich mit den mei- sten Iveen und Parthenieen zu meinen Artemi- sieen und habe dies in der Generalversammlung der Pollicliia am 6. October dargetlian, so wie etwas später in der botanischen Abendgesell- schaft bei Gay iu Paris. Meine Soliva Aphanes hat ganz die Tracht von Alchemilla Aphanes und unterscheidet sich von allen Arten dieser an den Früchten so leicht zu unterscheidenden Gattung achaeniis triangulari-cuneatis, alatis, alis integris planis. Bemerken will ich hier, dass ich mit einer eben so grossen als kostbaren Sendung inexi- canischer Cassiniaceen von W. Schaffner, de- nen eine zweite schon nachgeschickt ist, die in den Herbarien bis jetzt fehlende Soliva mexi- cana DC. erhalten habe und zwar auf den Ge- birgen, die das Thal von Mexico bilden, in der Niihe der Bäche, 8000' hoch, am 18. Juli 1855 gesammelt. Von C. Sartorins habe ich auch eine höchst interessante Sammlung mexicanischer Cassiniaceen erhalten und eine zweite noch grössere ist bereits in Darmstadt angekommen. Diese vier Sendungen werde ich nach und nach bearbeiten und dieDupletten unter meine Tausch- freunde vertheilen. Die drei neuen Gnaphalien sind sehr aus- gezeichnet. Gn. meianospliaeroides ähnelt mei- nem Gn. melanosphaeruni aus Abyssinien. Gn. (Achyrocline) ramosissiinum unterscheidet sich von Aciiyrocline satureoides DC. involucri squa- mis acuminatis und Gn. evacoides ist durch sei- nen Namen bezeichnet. Bei Weitem die meisten Novitäten sind aber unter den 24 Senecionoideen, nämlich 19 Arten. Obgleich ich mit De GandoUe's Anschauung der Galtung Senecio nicht befriedigt bin, so muss ich mich, in Ermangelung einer besseren, zur Zeil noch an sie halten. Unsere 14 Senecio begreift DC. unter seiner Series XIV, Peruviani. Zu Discoidei, fruticosi, alternifolii gehört Senecio jodopappus, ein schneeweisses, handbreit bis spannenhohes, sehr äsliges Sträuchelchen mit linien- förinig- länglichen, schwachgezähneiten Blättern, 19blüthigen Köpfchen, 8 — 9 blättriger Hülle, wel- che bedeutend kürzer ist, als der sehr gefärbte Pappus, und glatten Früchten. Eine sehr nahestehende Pflanze habe ich von Haenke. Sehr elegant ist der kahle, spannen- bis fusshohe Senecio nutans, welchen ich auch J l s 52 -"Tro von Haenke besitze. Der Blülhesland ist älirig-j die Kopfclien sind nickend und die Blätter klein, linien-lanzettlich, gezähnt. In diese Gruppe ge- hört auch mein Senecio adenophylloides, wel- cher dem Sen. adenophyllus Meyen et Walp. — Walp. rep. 17, p. 271, ähnelt, sich von dem- selben aber unterscheidend: foliis linearibus, integris, achaeniis glabris, involucri squamis ext. ovatis, atromarginalis, int. lineari-lanceo- latis. Hierher gehört ferner Senecio coUinus DC, welchen ich auch von Haenke habe, end- lich mein Senecio pinnatilobatus, ein sehr ästiger Strauch, mit 20 blüthigen Köpfchen, welcher durch die kleinen glatten fiederlheiligen Biälter sehr gut sich unterscheidet. Zu den Discoideis herbaceis DC. gehört mein Senecio evacoides, ein ganz niedriges, an die Erde gedrücktes graufdziges, evaxähnliches Pflänzclien, mit an- .sehnlichen Köpfchen. Dann der glatte Senecio humillimus von ähnlichem hochalpinem Wuchs, niehrern hochandinen Baccharis ähnelnd, endlich der eigenthümliche spannenlange Senecio cul- citioides mit seinem mehrköpfigen spinnvveb- seidenartigen weissen Stengel und seinen langen linienfönnigen, oben glatten und glänzenden, unten, mit Ausnahme des breiten Mittelnervs, weissfilzigen Blättern. Zu den Badiatis fruti- cosis DC. gehört Senecio melanolepis ß medius DC, dessen Urform ich von Haenke besitze. Diese Pflanze hat bei oberflächlicher Betrachtung mit meinem Sen. adenophylloides Älinlichkeit. Ferner gehört hierher Senecio curvidens, aus- gezeichnet foliis 3 poll. longis, 1 latis, glabris petiolatis ovatis penninerviis, dentibus incurvis notatis, utrinque acuminalis. Endlich gehört noch hierher der graufdzige, ästige Senecio Hohenakeri mit seinen meist mit einem einzigen ansehnlichen Kopfe gekrönten und mit sitzenden, eiförmigen Blättern dicht besetzten Ästen. Zu den Radiatis herbaceis, caulibus erectis foliosis DC. gehören; der mehr als fusshohe, dem Senecio culcitioides ähnelnde Senecio co- mosus, durch sein rhyzoma comosum ausge- zeichnet, so wie die fusshohen Senecio agapa- tensis und subdecurrens. Nun komme ich zu einem der Glanzpunkte der Sammlung, nämlich zu den 7 hochandinen Wcrnerien, von welchen 6 neu sind. Mehrere paradoxe Formen haben mich halb und halb bestimmt, eine oder mehrere neue Gattungen aufzustellen, was ich aber nach genauerer Untersuchung unterlassen, um so mehr, da meist reife Früchte fehlten. Die 7 in DC. prodr. aufgezäiilten Arten haben mehr oder we- niger breite linienförmige, ganzrandige, in eine Rosette ausgebreilele Blätter und einen so kur- zen Schaft, dass das Köpfchen beinahe sitzend ist, mit Ausnahme der Werneria pumila H. B. K., welche einen caulein dicholomum, foliis spiraliter dispositis, imbricatis obtectum hat. Aus der Gruppe der Werneria humilis (= Oresigonia brevifolia Willd.! herb. Nr. 16433), welche ich vom Chimborazo an der Schneegrenze von Hartweg! Nr. 1178 gesammelt besitze, habe ich eine neue durch kürzere, ästigere Stengel und breilere Blätter ausgezeichnete Art aus Neu- Granada, Prov. Mariquita, vom Tolima in einer Höhe von 13,200' gesammelt im Jan. 1843 von Linden! nr. 2247. Dieses Unicum, welches mit W. humilis meine Gruppe Imbricatifolia bildet, wird Weddell beschreiben, sowie mehrere neue Arten, welche ich aus der Urgruppe = Euwer- neria, wohin die 6 anderen Arten gehören, namentlich von Haenke, besitze. Meine Werne- ria apiculata kommt unter 2 Nummern von ste- rilen Andenweiden vor. Es ist ein unendlich kleines Pflänzchen mit sehr kurzem starken Rhyzom und Wurzelfasern, rosulirten, linienför- migen, ^ — 1 Zoll langen, -} Linie breiten api- culirten Blättern, wodurch es sich von den anderen Arten unterscheidet, deren Blätter stumpf und ohne apicnlus sind. Das kleine Köpfchen sitzt zwischen den Blättern auf einem 1 — 2 Li- nien hohen keulenförmigen Schafte. Hülle aus 13, bis zur Mitte verwachsenen lanzettlichen Blättchen bestehend. Meine Werneria canali- culala vom Tobina hat ein sehr langes, mit Seideniiaaren bedecktes und starken Fasern versehenes Rhyzom, zahlreiche rosettenarlige, schmale, linienförmige, stumpfe, oberseits rinnige Blätter und ein sitzendes Köpfchen. Dahin ge- hört Nr. 2048 und auch, in einer spätem Ent- wicklungsstufe sich befindend, Nr. 2111, welches mich wegen der verlängerten, kurzbehaarten oder vielmehr warzigen GrilTeläste beinahe zu einer Trennung verleitet hätte. Bei Nr. 2111 fand ich ganz reife achaenia, | lin. longa, ple- raque ovala, compressiuscula, glabra, striata, basin versus paulo atlenuata, erosiria, pappo 3 lin. longo, copioso, setaceo, denticulato, sor- dido coronata. Die etwa 18 Hüllbläller sind nicht bis zur Mitte verwachsen linienlanzetllich, Das reichbluthige Köpfchen nnl gelben, unten rotlibraunen Strahlenblutiien. 005_ 53 ^ ~!no ■ ■ ' — Die Werneria disticha H.15.K., welche ich auch von Hartweg Nr. 1170 besitze, kommt in Lcchler"sSatnmlunr. 1804. Der Name ist nicht übel. Vor Ver- gleichnng der Literatur %var ich aber der Ansicht, dass das langgestreckte cylinderforniige Involucrum zur Be- zeichnung der Art am geeignetsten wäre. 2) Achyrophorus Meyenianus Walp. 1. c: Azangaro in pascuis sterilibus Juni 1854. Lech 1er Nr. 1754 a. 3) Achyrophorus eriolaenus Sz. Bip. in Bonplandia 1855, p. 236. Diese Pflanze, welche ich als Nr. 17.54 schlechtweg bezeichne, wurde mit der vorigen Art gesammelt. Sie unterscheidet sich auf den ersten Blick durch weissfilzige Hiillhliittchen, eine oft oben kleinfingerdicke Wurzel, kaum runcinirte glatte auf dem llittelnerv, ähnlich aber schwacher wie bei Lactuca aculeirle Blätter. 1 4) Achyrophorus cry ptocephnl us Sz. Bip. 8. a. 0. Agapala in suni. Cord, cacumine. Juni 1854: Lechler! Nr. 1963. Eine ausgezeichnete Art mit dickem Bhyzom , glatten Blättern, welche aber am Ursprung innen mit langen Seideuhaaren besetzt sind. Der grosse Kopf steckt so zwischen den Blättern, dass man ihn kaum sieht. 5) Achyrophorus Hohenackeri Sz. Bip. a. a. 0. Tobina in Cordill. sum. jug. Juli 1854. Klein, kahl, durch das Involucrum haemisphaerico-tubinatum obscure virens u. a. sehr ausgezeichnet. Unter den 2r> Chilesen Lechler's sind blos 4 neue Arten, worunter sich das Hieracium myosotidifolinm auszeichnet. Die Krone die- ser kleinen Sammlung ist aber der herrliche Senecio subdiscoideus Sz. Bip. Cord. v. Ranco, höchste Spitze südlich v. Pass, hart an der Sclineegrenze. Dec. 1854: Lechler! Nr. 2904. Dieser, an imseren Senecio abro- tanifolius erinnernden Art sieht man gleich die Hochalpenpflanze an. Unsere Pflanze scheint auf den ersten Bück keine Strahlen zu besitzen. Sie hat aber wirklich, einen je- doch rudimentären Strahl, welcher kürzer ist als die Grifi"eläste, welche dunkel zwischen der Spitze der Hüllblätter hervorschauen. Es . verhiüt sich so: flores radii foeminei breve ^ tubulosi, extus in ligulam auriculaeformem expansi, styli ramis longe exsertis duplo bre- viorem. Dasselbe Verhältniss habe ich nur noch bei Senecio Kingii beobachtet und beide Arten unter dem Namen Otactis, als Unter- gattung am 6. October in der Generalversamm- lung unserer PoUichia bezeichnet. C. H. Schultz, Bip. .1479 2428 2351 2396 2517 2453 2278 2480 2355 2477 2348 1776 , 1751 Lechleri plantae pernvianae ed. R. F. Hohenacker. Vernonia Lechleri Sz. Bip. in Bonpl. 1855 p. 236. „ myriocephala DC. „ mollis H. B. K. Liabum solidagineuni Less. ^ „ Lechleri Sz. Bip. in Bonpl. 1855 p. 236. Adenostemma platyphyllum Cass. Ageratum (Coelestina) maritimum H. B. K. var. saccharicoluni Sz. Bip Mikania Lechleri Sz. Bip. n tenax Sz. Bip. ,1 cuneata Sz. Bip. Eupatorium paniculatum Schrad. ,. azangaroense Sz. Bip. r- heptanthum Sz. Bip. 2098 Langenophora muscicola Sz. Bip. 2211 i> Lechleri Sz. Bip. 2055 Celmisia Lechleri Sz. Bip. 1864 Nolicastrum Philippii Sz. Bip. in l'hil. pl. chil. n. 338. 1752 Erigeron (Alpina) cinerascens Sz. Cip. 2102 Erigeron (Conyza Sprgl!) chilensis. 1951 Baccharis prostrata Pers. 1887a et b n syncephala Sz. Bip. 1815 n graveolens Sz. Bip. 1823 „ aretioides Sz. Bip. 1552 Tessaria anibigua DC. 1551 Pluchea Chingoyo DC. 1559 Grindelia peruviana Sz. Bip. 2681 Lalreillea peruviana Poepp. et Endl. 2463 Spilanlhes tenella H. B. K. , 1532 „ urens Jacq. , 1535 Bidens pilosa L. an ß discoidea? , 1576 „ (Heterospermum) rhonibifolia Sz. Bip. , 2529a Flaveria Contrayerba Pers. , 1922 Tageies gracilis DC. , 2059 „ glandulifera Schrank. , 1560 Ambrosia artemisiaefolia Lin. , 1568 Franseria Jleyeniana Sz. Bip. ( := .\mbrosia arlemisioides Mey. et Walp.) . 1719 Soliva pygmaea H. B. K. , 1782 II Aphanes Sz. Bip. , 1838 Gnaphaliiiui melannsphneroides Sz. Bip. , 1780 „ (.XchyroclinejramosissimumSz.Bip. . 1942b „ evacoides Sz. Bip. . 1042aj , 1984 ' " " " " ""' -OOL.- 55 n. 1904 Senecio adenophylloides Sz. Bip. „ 1903 „ 1787 „ 2051 ., 2051a ,, 2658 „ 1942 „ 1905 , 1924 ., 1706 ., 1TÖ5 ., 1934a „ 1747 „ 1774« „ 2056 agapatensis Sz. Bip. collinus DC. comosus Sz. Bip. cullilioides Sz. Bip. curvidens Sz. Bip. evacoides Sz. Bip. IlülienacUeri Sz. Bip. liumillimiis Sz. Bip. jodopappus Sz. Bip. melanolepis ß medius DC. nulans Sz.. Bip. pinnatilübatus Sz. Bip. subdecurreiis Sz. Bip. ., 2212 Werneria slaticaelolia Sz. Bip. ;, 1710 a ., brachypappa Sz. Bip. ,, 1710 b „ sulivaefolia Sz. Bip. .,2048 et 2111 Werneria canalicuiata Sz. Bip. ., 1957 Werneria dislicba H. B. K. ., 1737 el 1 964 ,, apiculala Sz. Bip. ^ 1SÜ7 ., dactylopliylia Sz. Bip. ,. 1943 Culcilium Lechleri Sz. Bip. , 1806 ,. nivale H. B. K. .; 2461 Ereclitites valerianaefulia DC. ,, 2052 Baniadesia corynibosa Don. _ 1844 ., berberoides fratr. Scliullz. .. 17U5 Mutisia acuminata R. P. 1992 Ciarionea pinnatilida DC. 2047 „ niacrocepliala Sz. 1550 Trixis cacalioides Don. Bip. 1820 Hieraciuin microceplialuni Sz. Bip. 1804 Achyropliorus tara.\acoides Walp. 1754a 1754b 1963 2111a Meyenianus Walp. eriolaenus Sz.Bip. in Bonpl. 1855. p. 236. cryptocephalus Sz. Bip. 1. c. Hohenackeri Sz. Bip. 1. c. Lechleri plantae chilensis ed. R. F. Hohenacker. n. 2922 Lagenophora hirsuta l'oepp. ., 2945 .\sler Vahlii Hook. el.\rn. ß latifolius Sz.Bip. ., 725a Erigeron spiniilosuni Hook. Arn. „ 2915 „ andicola DC. var. n 1463 Baccharis racemosa DC. „ 1464 ;, 2947 et a „ 232a P 232b sessililoliaDC. (= var. B. racemosae nivalis Sz. Bip. in Philippii pl. chil. n. 232. chiloiensis Sz. Bip. in Pbilippii pl. chil. herb. reg. Cerol. chiloiensis ß subsinuata Sz. Bip.{Ea- dem in Philippii pl. chil. n. 232.) „ 2801 Encelia canescens Cav. ., 1453 Xantbium spinosiim L. r 496a Gnaphalium valdiviense Sz. Bip. 483b .. citrinuni Hook. Arn. var. palles- cens Sz. Bip. n. 3017 Senecio chilensis Lcss. ,, 324a „ Lechleri Sz. Bip. ,, 2911et3063 Senecio Irifiircatus Less. „ 2904 Senecio suhdiscoidens Sz. Bip. n 381a Flotovia diacanthoides Less. „ 1527 Chmiuiraga ulicina Hook. I, 2934 Chaetanlhera moenchioides Less. „ 2.32a Homoianthns viscosus DC. „ 29.39 Chahraea tenuisecta Sz. Bip. „ 2937 Triptilion Achilleae DC. „ 2978 Nassaiivia puniila Poepp. „ 3028 Hieraeium niyosotidifolium Sz. Bip. Verniisciltes. Farrnkrant auf Feldern. Schieiden fuhrt in den „populären Vorlesungen" , welche er «Studien" nennt, S. 181, (Anmerkung zur „Beseelung der PQan- ze-') den von Grimm in seiner Mythologie mitge- theiUen Satz an: „Farrnkraut ist auf dem Felde schwer zu tilgen, ausser man reisse es um auf den Tag Jo- hannes Enthauptung; dann vergeht der Farm," um daran die Bemerkung zu knüpfen: „das bezieht sich offenbar nicht auf Farrnkrant. welches niemals auf den Feldern wachst, vielleicht aber auf den Tannenwedel, Duvok oder das Scheuerkraut lEquisetnm arvense L.)" — Pleris aquilina ist ein so häufiges Un- kraut auf Feldern, welche in neuerer Zeit dem Walde abgewonnen worden sind, dass es selbst jetzt noch an manchen Orten lästig wird, wie viel mehr denn in frü- hem Zeiten, wo der grosste Theil des hebaueten Lan- des in diese Kategorie geborte. Auch ist in landwirth- scbaftlichen Schriften sowol von seiner Verwerthung als von seiner Vertilgung häufig genug die Rede. So sagt zum Beispiel H. Lecoq in seinem recht brauch- baren Tratte des plantes fourrageres ou Flore des prairies naturelles et arlificielles de la France. Paris, 1844. p. 27: „Der Adlerfarrn, Pteris aquilina (Fougere femelle, welcher besonders anf Granitboden und lo- ckerem vulkanischen Boden s e h r ha n f i g i st (abonde), kann wie die (vorher) genannten Farm (halb oder ganz getrocknet) als Viehfutler benutzt werden, doch sagt sein Geschmack dem Viehe weniger zu. Auch nuiss man dies Gewiichs als ein lastiges (nuisible) und nicht als Futterp"BHnze ansehen. Es ist sehr häufig in den Waldungen und auf den Weiden (päturages), deren Boden ihm zusagt Man hat verschiedene Mittel zu seiner Ausrottung vorgeschlagen , so das Schneiden mit einer Sichel, welche wiederholt mit einer Losung von Eisen- oder Kupfervitriol übergössen wird i das Zerschlagen der Blätter mit Stöcken zwei Jahre nach einander, wodurch die Strünke zerrissen und die Wur- zeln gelijdtet werden, oder das Bestreuen des Feldes mit kalireicher Asche, wie sie durch das Verbrennen der Farrnwedel gewonnen wird. Das beste Verfahren aber ist, das Feld einige Jahre mit Gewächsen zu be- stellen , welche gegätet werden, oder welche durch dichten üppigen Wuchs dem Farrnkraut Luft und Bo- den entziehen." — Das Princip des bei Grimm mit- i 56 getheillen Verfahrens ist offenbar dies, die Strünke durch dos Unipfliigen (oder llmreissen) des Feldes zu einer Zeit (Ende August) zu durchschneiden, wo weder die Ausbildung neuer Wedel vor dem Winter möglich oder doch wahrscheinlich ist, noch auch Stoffe genug in dem Wurzelslock angehäuft sind , um im nächsten Frühjahre neu austreiben zu können, wenn nicht etwa zu der Zeit schon Knospen der jungen Wedel so stark entwickelt sind, dass diese erreicht werden. Den Wurzelstock selbst wird wol der Pflug nicht erreichen. — Wenn ich ausserdem noch Röper, zur Flora Meck- lenburgs I, S. 67, citire: „Nicht allein den Waldungen schadet der Adlerfarrn, auch Acker sucht er heim, wie schon der wackere alte S ch k n h r angiebt. Wahr- scheinlich waren solche Acker früher Wald," so wird wol damit jedes Bedenken über diese Sache auch bei den Botanikern, welche die deutsche Flora aus eigener Anschauung weniger kennen, gelöst sein. C. .lessen. Drei Haferpflanzen, welche aus je einem Haferkorne emporgewachsen waren, standen in vorigem Jahre in dem Garten des Abtes zu Braunau in Böh- men. Die eine Pflanze halte nicht weniger als 140 Halme von der Dicke einer Schreibfeder, die zweite 96 und die dritte 80 Halme. — (Ö. B.W.) Bodenertrag' in llngrarn. Nach den jüng- sten Aufnahmen besitzt Ungarn 11,443,000 Joch Acker- land, welche dem Getreidebau gewidmet sind. Aus dieser Fläche wurden im Jahre 1854 gegen 80,100,000 Metzen verschiedener Körnerfrüchte geerntet, wonach 7 SIetzen auf ein Joch entfallen, wogegen im Venetia- nischen der Bodenertrag bis auf 20 Metzen per Joch gesteigert wird. — (0. B. W.) Dioscorea japonica. Der französische Geue- ralconsul in China, Herr v. Montigny, hat der fran- zösischen Acelimalisationsgesellschaft l.')3 Litres Dios- corea japonica zugeschickt. Die französische Gesell- schaft hat diese Zusendung in Frankreich und im Aus- lande vertheilt, um Versuche damit anzustellen, und es werden mindestens tausendfällige Versuche unter verschiedenen klimatischen und Bodenverhältnissen ge- macht werden , die nach zwei Jahren gesammelt und bekannt gemacht werden sollen. Nach Aussogen fran- zösischer Landwirlhe, welche bereits seit zwei Jahren Versuche im Grossen angestellt haben, scheint die Yamswurzel in Frankreich geeignet, die Kartoffel zu ersetzen. Auch im botanischen Garten zu Bonn sind Pflanzen der Dioscorea japonica zu sehen, und der landwirlhschaltlichc Verein in Bonn ist bemüht, die chinesische „Karloffel" einzufuhren. — (0. B. W.) Die atmosphärischen Düng-stoife, welche durch die meteorischen Niederschläge dem Boden zu- geführt werden, betragen jährlich, nach genauen Be- obachtungen, welche Barral bei Paris in den Jahren 1851 und 1852 unternommen hat, per Hektar: 46,50 Ki- logr. Salpetersäure, 13,79 Kilogr. Ammoniak und 24,51 Kilogr. Stickstoff. - (Ö. B. W.) Der Name Duwock für Equisetum stammt nach Dr. Helms aus dem Niedersächsischen (Plalt- deulscheni von doof, taub, d. i. unfruchtbar, und w ü ck oder niogg, die Ähie, bedeutet also eine Pflanze, die zwar eine scheinbare Ähre trägt, aber keinen Saa- men bringt, und ist um so richtiger und bedeutsamer gebildet, da der Duwock in unsern Tagen sich durch- aus nicht durch abgeflogene Sämlinge vermehrt. Die Holländer nennen den Duwock im Allgemeinen Paer- destaert, d. h. Pferdeschweif, den Winterduwock im Besondern groot paerdeslaert oder Roebul, oder Kruip unjer; E. limosum heisst bei ihnen Breeke-bren, weil die Gelenke leicht zerbrechen ; E. palustre dagegen nennen sie gewöhnlich Heermos, Haarmoos, auch wol, wie im nördlichen Deutschland, Kuhlod, Unjer oder Unheil. (Miltheil. über Flora, Ges. in Dresden. H. B. 2 H. S. 11.) Tabacksproduction in Galixien. Die Ta- backblätter-Einlösungs-Comniission für Golizien veröf- fentlicht das Resultat der Tabackblätler-Einlüsung im Jahre 1855 in Galizien. Im Ganzen war die Zahl der Pflanzer 36,883, welche auf 6622 Joch 641 Klafter Taback bauten. Tabackblätter wurden aus den Kreisen Stanislou, Kolomea, Brzezan, Czorlkow, Tarnopol und liukovina im Ganzen 9,015,546 Pf eingeliefert. (Ö.B.W.) Ober - Österreichischer Forstverein in liinz. Die erste Versammlung desselben fand am 3. und 4. December v. J. statt. Zum Vorstand des Vereins wurde Herr Graf Camillo Starhemberg und dessen Stellvertreter, der k. k. Forstrath Herr Maximilian V. Wu nderba 1 di nger erwählt. Zum künfligen Ver- sammlungsort wurde die Stadt Vöklabruck und als Zeit der Versammlung der letzte Montag im Monat Angust 1856 bestimmt. - (Ö. B. W ) Himalaya-Teg'etation. Bewunderung für die Himalaya - Vegetation zu erregen , ist wol kein bis jetzt veröffentlichtes Werk so geeignet, als ein kürzlich von Dr. Hooker herausgegebener dunner Folio-Band ; i dt-s Jahr'Angs S'ls^. I ^ iDsertionsjehiiliren i Ngr. für die Pelil3eilc. [ Redaction : Berttiolil St'emann in l'oiiöijri. W. E. G. Sf eniann in ^annovet. ^ ßOmMDIA Asenls ; ia London Williams & Nor-, gale, 14, HcnrietU Sircel, Covent Garden, i Paris Fr. Klincksieck, 1 1, rue de Lille. t^Yifrdirin für i^ic ;]cfammfc ^oofanili. Offlcielles Organ der K. Leopold. -Carol. Akademie der Walurforschei Verlag von Carl ttiimpirr in Ijannoucr Osterstrasse Nr. 87 IV. Jahrgang. gonnoocr, 1. iWiti 1856. IV«;5. Inhalt: IVichlanillicIier Tlieil. Verleihung des Ehrenbiirgerrechts der Sladt Berlin an Alex. v. Humboldt. — Die Palmeu im uordliihen Europa. — Vallisneria spiralis. — Neue Bücher (Beohachtungeu über den Bau der ürchideenbliilter elc.'vou .V. Trecul; .Vualümie uud Physiologie der l'Hauzeu, von Dr. F. Unger). — Zeitungs- naihrichlen (Berlin; Leipzig; Wien). — Anilliclier Theil. Die kaiserliche Leopoldinisch - Carolinische .\ka- demie der Naturforscher. — Anzeiger. l Nichtaiiitlicher Theil. Veiielliiing des Elnenhiiigenechts der Stadt lierlin an Alex. v. liunilioldt. Der Magistnil der SladI Berlin hat im Ein- verstäiidiiiss mit der Stadtveroidiieleii-Veisamiii- lung- beschlossen, dem königl. wirkl. Geh. Ralh, Mitglied der Akademie der Wissenschaften etc., Rilter des schwarzen Adler-Ordens, Herrn Frei- herrn Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander von Humboldl, Excellenz, das Ehrenbürger- recht der Stadt Berlin zu ertheilen. Es erfolgte die Überreichung des Ehrenbürgerbriet'es in feierlicher Weise durch eine Deputation des Magistrats und der Stadtverordneten-Versamm- lung, bestehend aus dem Ober- Bürgermeister Krausnick, Bürgermeister Naunyn, Stadtrath Seeger, Stadtrath Saust, Stadtverordnelen- Vorsteher Fähndr ich, Stellvertreter des Vor- stehers Lehnert, Stadtverordneten Fürsten Boguslaw V. Radziwill, Stadtverordneten Cantian, Vollgold, Schäffer und Wallher, welcher sich eine Deputation des belrellenden Stadtbezirkes, unter Vortritt des Stadtverord- neten Sittenfeld, Bezirksvorstehers Stäge- mann, angeschlossen hatte. Der Herr Ober- Bürgermeister Krausnick richtete an den Ge- leierten eine Ansprache, deren Schluss folgcn- dermaassen lautet : „Wenn im Allerthum sieben grössere Städte darum stritten, welcher von ihnen die Ehre gebühre, dass aus ihr ein Dichterfürst entsprossen, so mag immer- hin unsere Sladt durch einen solchen besonderen .\us- druck es darlegen, wie sehr sie sich des Vorzuges erfreue und der Ehre rühme, dass ihr einst Alexander von Humboldt angehOrle. In diesen Gesinnungen bringen wir Ew. Excellenz hiermit das Ehrenbürger- recht unserer Sladt dar; wir bringen es an einem Tage, der unserem Vaterlande einst den grossen Konig gab, dem Land und Volk, und Kunst und Wissenschaft so viel verdanken, und mochten gern auch durch die Wahl dieses Tages die Höhe der Verehrung bezeichnen, die wir Ihnen zollen." Herr v. Humboldt erwiderte: „Sie haben mir, hochgeehrte Männer, durch den lebendigen und beredten Ausdruck des Wohlwollens dieser grossen Stadi, die ich heute mil erhöhtem Stolze meine Vaterstadt nenne, eine Ehre erwiesen, die von keiner derer überlrolfen wird, welche mir durch die fnihe .\ufinunterung meiner Zeitgenossen in einem lan- gen und vielheweglen Leben zu Theil geworden sind. Was von den ruhmvollen und scienlifischen Vereinen ausgeht, bezieht sich auf den Anbau des Wissens, des Erkennens, des Forschens; auf die mühevollen, nicht immer gefahrlosen Bestrebungen, die physische Welt der Erscheinungen und das, was wir von ihren ewigen Gesetzen zu verstehen glauben, vernunltmassig zu deu- ten. Sie dagegen berühren durch das, was Sie mir so liebevoll darbieten, eine andere Region: die der Gefühle, der heiligen Pflichlen und zarten Bande des Bürgerlebens. Sie schenken mir durch Ihre Gabe das ehrenvolle Zeugniss, dass Sie Ihre Bewilligung nicht versagen ilen Richtungen meiner Gesinnung und Wünsche als Bürgers und Gliedes des gemeinsamen Vaterlandes; nicht der Wirrme und Ausdauer, mit welcher ich (seit mehr als einem halben Jahrhundert' in allen meinen Schriften diese Richtungen unw andelbar zu vertheidigen strebe. Worte fehlen mir, um dieser grossen, durch Kunstliebe und Gewerhüeiss verherrlichten Stadt, die das Centrum der .llonarchie bildet und mich zu ihrem Ehrenbürger ernannt hat, meinen tiefgefühlten Danli 66 c N (lai'/.ubielen. Dieser ünnk empfilngt hier noch eine höhere Weihe in der Erinnerung an die immerfort wachsende Sorgfalt, mit der die Väter der Stadt (zur Freude eines hochbegabten, mein Alter durch seine Huld verschünernden Monarchen) die Mittel vervielfäl- tigen, durch welche zwanglos, Erhöhung der Intelligenz und veredelnde Sittlichkeit auch in die ärmeren arbei- tenden und schon deshalb um so beachlenswerllieren Schichten des Volkslebens dringen. Die edelste und eine unverwelkliche Blüthe des Wohlstandes ist die, welche sich im Schosse fortschreitender geistiger Cultur entfaltet." Der Ehren - Bürgerbrief selbst, von siiinml- lichen Milgliedern des Magistrats- Collegiunis unterzeiclmet, lautet: „Wir, der Magistrat der königlichen Haupt- und Residenzstadt Berlin, Urkunden und bekennen hiermit, dass wir im Einverständnisse mit der Stadtverordne- ten- Versannnlung Se. Excellenz den kimiglicben Wirklichen Geheimen Rath, Mitglied der Akademie der Wissenscballen etc., Ritter des schwarzen Adler-Ordens. Herrn Freilierrn Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander von Hnmholdt, dem Ehrenmann des deutschen Volkes, dem er eine reiche Quelle der Forlbildung, Belehrung und sittlichen Erhebung geworden ist; der im Dienste der Wissen- schaft während eines laugen mühevollen Lebens mit seltener Geistesklarheit und Herzenswärme die ausge- zeichnetsten Erfolge erreichte und sich selbst einen unsterblichen Ruhm und Namen errang; — der ins- besondere den Gesetzen der Natur in dem organischen Leben in allen Erdtheilen nachforschte, diese Gesetze mit Scharfsinn erkannte und da zur Klarheit brachte, wo bisher Verwirrung herrschte, dessen scharfem Blicke das Innere der Erde und das Geheimniss der Gestallung der Erdoherdäche sich erschloss, und der in allen Gebieten der Naturwissenschaften neue Er- kenntniss gefördert und neue, allseitig bereits aner- kannte Systeme geschaffen und die Einheit der Welterscheinungen zur Anschauung brachte; im .Vn- erkeniitnisse dieser seiner hervorragenden Stellung in der Wissenschaft, und im Anerkenntnisse seiner selte- nen Eigenschaften als Mensch und Borger unserer Stadt, der er seit 84 Jahren angehört, und in der er bis auf diesen Tag in ungeschwächter Krall und voller Gei- stesfrische fortwirkt, zum Ehrenbürger unserer Stadt ernannt haben. Dessen zur Urkunde und als ein Zeichen der ganz besonderen und aufrichligen Verehrung ist dieser E h r e n 1) ii r g e r - B r i e f unter unserer Unlerschrift und unter Anhängung unse- res grossen Sladlsiegels ausgeferligt worden. Berlin, 24. Januar 1856." Von Hrn. A. v. Hiiinbohll ist dein Canzlei- Inspector Weiss, dem Verferliger dos ihm ver- liehenen Ehrenbürger -Briefes, ein schuieiehel- haftes eigenhändiges Schreiben zugegangen, welches wörtlich also lautet : 1 Es ist nicht kalte Vernachlässigung, verelirtester x3 Herr Canzlei-Inspeclor, sondern die für einen uralten \ v^^JL^O Reisenden viel zu bewegte Zeil, die mich so spät erst Ihnen meinen freundlichsten Dank darbringen lässt. Die Schriflgaltuiig des mir von dem Magistrat und den Stadtverordneten dieser Residenzstadt gespendeten Ehrenbürger-Briefes, das von Ew. Wohlgeboren ge- schalfene calligrapliische Kunstwerk, ist so meisterhaft, dass es besonders recht schamhaft von dem gepriesen werden muss, der durch seine Armesschvväche (von dem Schlafen auf feuchtem, faulenden Laube in den heissen Urwäldern des Orinoco herrührend) als der unleserlichste Schreiber verrufen ist. Man fühlt um so mehr das Schöne und staunt es um so freudiger an, als man das Gemeinnothwendige auch mit Anstren- gung nicht hervorbringt. Mit der ausgezeichnetsten Hochachtung habe ich die Ehre zu verharren Ew. Wohlgeboren gchorsamsler AI. v. Humboldt. Berlin, 3. Februar 1856. Sr. Wohlgeboren Herrn Canzlei-In- spector W ei s s etc. Die Palmen im iiördliclieii Eiiropii. Aus Seemanns «Populärer Naturgeschichte der Taimen." Deutsch von Dr. Carl Bolle. Die meisten Palmen sind zu eng an die hcisseren Regionen des Erdballs gebunden, als dass sie unter dem freien Himmel so küh- ler Länder, wie England oder Deutschland aiiszuhaltcn vermöchten. Nur eine Art, die nordafrikanische Dattelpalme (Phoenix dacty- lifera) ist in Italien und andern Küstenlän- dern des Mittelmeers acclimatisirt, nitr zwei Chamaerops humilis aus Südeuropa und Cha- maerops excelsa aus Nord-China haben sich als in einigen der milderen Gegenden Gross- britanniens ausdauei'nd erwiesen und obwol man voraussetzen darf, dass noch andere Species im Stande sein möchten, den europäischen Win- ter zu ertragen, ohne vom Frost zu leiden, so kann doch die bei Weitem grösste Anzahl in unseren Breiten nicht anders als in eigens zu diesem Zwecke gebauten Glashäusern ge- zogen werden. Maia bedarf daher, zumal da fast sämmtliche Palmen gewaltige Dimensionen darbieten, bedeutender Mittel, um Eigenthümer einer lebenden Sammlung derselben zu wer- den, lind ^^cl• niclit grosse Geldsummen daran wenden kann, muss leider von der Verwirk- lichung eines solchen Planes abstehen. Aber das Sprichwort: „Wer da will, der kann fluch", bleibt dennoch in diesem Falle nicht ohne Gültigkeit. Die Palmenliebhaber haben seit lange schon entdeckt, dass viele Arten, bei Mangel besserer Räumlichkeiten, ganz gut in einem Zimmer gezogen werden kön- 67 nen. Ich liabe einen Freund, einen Herrn von mehi" Lust an den Pflanzen als Mitteln, sich diesem Geschmacke in grossartiger Weise hinzugeben, der einen Theil seines Studir- zimmers zu einer förmlichen Laube, be- stehend aus Dattelpalmen, Chamildoreen und andern Gliedern unsrer Familie eingerichtet hat, die zwischen Dracänen, Gummibäumen, Aroideen, Eplieuranken und Begonien auf's Herrlichste gedeihen. Den Winter hindurch, während die Natur draussen unter ihrer eisigen Decke ruht, während Schneetreiben gegen die Fenster tobt, kann man ihn oft in diesem reizenden Winkel sitzen sehen, wie er liest, schreibt oder sicli irgend einer andern geistigen Beschäftigung hingibt, dabei dann und wann aufblickt, sich des Anblicks des im Gfen glühenden Feuers und der grü- nen Blätter, die es umgeben, zu erfreuen. Da aber selbst die Cultur weniger Reprä- sentanten der Palmenfamilie auf die ange- deutete Weise ein Luxus, den nur Wenige sich verschaffen können, die Anzahl Derje- nigen, die Vorliebe für diese herrlichen Ge- wächse hegen, aber gross ist, so kann man sich Glück dazu wünschen, dass in so vielen öffentlichen luid Privatgärten fast des ganzen civilisirten Europas Palmenhäuser erstanden sind, einige von so riesenhafter Grösse und mit so sorgsam und verständig geordnetem Inhalte, dass ihre Besucher sich leicht in die Mitte jener Urwälder versetzt wähnen mögen, wo Palmen, Farrnbäume und Scitamineen die charakteristischen Züge bilden. Es würde nutzlos sein, hier danach zu forschen, welches dieser Gebäude als das beste angesehen zu werden verdiene, welche Sammlung die reich- ste sei — das Amt eines Pai-is ist ein so un- dankbares, dass Niemand mich tadeln wird, wenn ich davon abstehe; auch ist es unnö- thig, die Rivalität zu erwähnen, die um den Vorrang in diesem Fache zwischen den ver- schiedenen Gärten sich bemerkbar macht, und die eher ermuthigt als unterdrückt werden sollte. Es genügt unserm Vorhaben, als ein Beispiel eines wahrhaft schönen Pahnenhauses das des königlichen botanischen Gartens zu Kew bei London zu erwähnen, ein Etablisse- ment, welches, seit es Nationaleigenthum des englischen Volkes geworden und der geist- vollen Leitung Sir W. J. Hooker's anheim- gegeben ward, zu einem Rufe sich empor- geschwungen hat, der sogar den verdunkelt, durch welchen der Hortus Kewensis sich einst mit der Wissenschaft der Botanik selbst iden- tificirte. Das Palmenhaus des königl. botanischen Gartens zu Kew, erbaut nach einem Risse von Dccimus Burton, ward im Jahre 1848 vollendet. Die Schaale oder der äussere Rah- men besteht aus einem (,'entrum und zwei Flügeln, einen freien Raum von 3()2 Fuss Länge umfassend; das Centrum ist 100' breit und CtC)' bis zum Gipfel der Laterne hoch; die Flügel sind 50' breit, 30' hoch. Das Ganze besteht aus Eisen, Stein, Ziegeln und Fensterglas, letzteres leicht grün gefärbt, um die zu grosse Gewalt der Sonnenstrahlen zu dämpfen. Die Glasmasse, die dies ungehevire Bauwerk deckt, beträgt ungefähr 4500O Quadratfuss. Die Bögen, die auf gewaltigen Blöcken Granits von Cornwall fussen, sind auf das Solideste angelegt. Der mittlere Theil des Hauses — ein Raum von 138' Länge und 1()0' Breite — trägt in der Höhe von 30' über der Erde, rings umherlaufend, eine feste Gallerie, zu der man durch Wendel- treppen auf- und abwärts steigt, die dem Be- sucher gestattet, die Gewächse auch von oben zu betrachten luid in gleicher Höhe mit den Gipfeln von vielen der höchsten sich zu be- finden. Das ganze Linere wird durch Heiss- ■\\'asser-Röhren und Reservoirs, unter den Ta- feln und dem Fussboden angelegt, erwärmt. Um das Unschöne eines Schornsteins bei ei- nem so edlen Bauwerke zu vermeiden, um ihn nicht einmal in dessen Nähe zu dulden, wird der Rauch imterirdisch durch einen ge- mauerten Tunnel, 479' weit vom Hause fort- geleitet, wo er vermittelst einer Säule oder eines 96' hohen geschmackvollen Thurmes, der so angelegt ist, dass er, vom Hauptwege des Gartens aus erblickt, einen architectonisch schönen Ruhepunkt fürs Auge darbietet, in die Höhe steigt. *) Beim Eintritt in dies Prachtgebäude sieht sich der Besucher plötzlich inmitten einer tropischen Pflanzenwelt, die mit fast heimath- *) In Betreff weiterer Details über dies prachtvolle Gebäude verweisen wir auf: Kew Gardens or a Po- pulär Guide to the Royal Botanic Gardens of Kew. (Die Gärten von Kew oder ein populärer Führer durch die K. holanischen Gärten von Kew.) Von Sir W. J. HüoUer. 12. ,\usgal)e. London, 1854. 68 r lieber Üppigkeit emporschiesst und eine der Y vollendetsten Darstellungen eines Urwaldes, die die Gartenkunst bis jetzt in Europa ber- vorzubringen im Stande war, liefert. Breit- blättrige Bananen, Strelitzien und Uranien, leicbtlaubiges Bambusrolu-, baumartige Farm und Tamarinden, dornige Scbraubenbäume und Cactus-Arten mischen sieb unter zahl- reicbe Palmen der verschiedenartigsten Grösse, werden anmuthig umschlungen und umringt von Schling- und Rankenpflanzen: Passions- blumen, Bauhinien, Jasmin, Aristolochien etc. und beblicb hervorgehoben durch das frische Grün von dichtgedrängten Lycopodien, die rasenartig die Erde zwischen ihnen bekleiden. Die zwei höchsten Palmen, welche die Auf- merksamkeit am meisten fesseln, sind Cocos- Arten (Cocos plumosa und C. corouata), bei- des gute Versinnlichungen der ausgedehnten Gruppe mit gefiederter Blattform-, die zwei dicksten eine Ai-t Sabal (S. umbraculifera), nicht minder gute Repi'äsentauten einer an- dern, weniger zahlreichen Gruppe, die sich durch fächerförmige Blätter auszeichnet. Aus- serdem befinden sich in dieser Sammlung: die Dattelpalme (Phoenix dactjlifera), welche die in der heiligen Schrift und im Handel vorkommenden Datteln erzeugt; die Palmyra (Borassus flabelliformis), eine der am schwer- sten zu ziehenden: die afrikanische Olpalme (Elaeis guineensis); die Cocospaluie (Cocos nucifera), ileren nutzbare Anwendungen zahl- reicher sein sollen, als die Tage im Jahre; die Kohlpalme ((Jreodoxa oleracea), deren junge Blätter ein vortrefl^liches Gemüse abgeben; der Betelnussbaum (Areca Catechu); die wilde indische Dattelpalme (Phoenix sylvestris), Pahn- wein und Zucker liefernd; die Elfenbein- pflanze (Phytelephas macrocarpa), deren Sa- men animalischem Elfenbein gleichen; die Wachspalme der Anden (Cerosylon andicola), deren ausgewachsener Stamm mit einer wachs- artigen Substanz bedeckt ist, und zuletzt die Besenpalme (Attalea funifera), deren grobe Fasern zur Verfertigimg von Besen und Bür- sten benutzt werden. Es würde zu weit führen, mehr dem vor zugreifen, was in folgenden Blättern ausge- führt werden soll und das geschähe, dehnten ■wir unsere Skizze dieser merkmirdigen Samm- lung noch weiter aus. Es ist genug gesagt worden, um Alle, die sich mit Palmen be- l schäftigen , zu überzeugen , dass das grosse Glasshaus im botanischen Garten zu Kew ein der Beachtung im hohen Grade würdiger Raum, ein Lehrsaal ist, wo imendlich viel schätzbare Belehrung und noch dazu ohne jedes pecuniäre Opfer erlangt werden kann. Li Betreff" des Studiums möchten wir mit Be- stimmtheit einen schönen , sonnigen Tag an- rathen; um aber die Palmen in ästhetischer Hinsicht unter günstigen Verhältnissen zu sehen, sollte man einen trüben oder regnerischen Tag wählen, zumal wenn die Schatten des Abends hereinbrechen, um diese Zeit erscheinen sie am vortheilhaftesten, zum Theil einigen, Kew eigenthümlichen Localursachen , *) hauptsäch- lich aber dem Umstände zufolge, dass die meisten Palmen für das Dunkel der Urwäl- del bestimmt sind und daher, wie manche Gemälde, ein grelles, scharfes Licht nicht wohl vertragen. Wenn der Besucher um die erwähnte Stimde von der Gallerie aus sem Auge auf den dichten Blattmassen, die den Raum des Hauses erfüllen, ruhen lässt, dann müssen seine Gedanken in jene entlegenen Länder schweifen, aus denen die Dinge vor ihm unter so vielen Schwierigkeiten inid mit so grosser Sorgfalt hieher versetzt wurden. Weiss er etwas aus der Geschichte der Pflan- zenkunde, so werden die Namen eines Hum- boldt, Wallich, Martins, Bonpland, J. D. Hooker, Purdie, Wilson, Griffith, Linden, Hartweg und Anderer, die, Gefah- ren und körperlichen wie geistigen Strapazen trotzend, pfadlose W^älder durchforschten, steile Gebirge erklommen, pesthauchende Sümpfe, den Aufenthalt von Jlillionen lloskitos, durch- wadeten, die schauerliche Wüsten und öden Steppen durchwanderten, vor seinem Gedächt- niss als die Väter dieser prachtvollen Sammlung aufblitzen. Prachtvoll nennen wir sie ihrer numerischen Gi-össe, ihres vortreff- lichen Zustandes, ihrer gediegenen (Jruppi- rungen halber, und während wir den Herois- mus bewundern, der von jenen Naturforschern entfaltet werden musste, um ihnen oft den *) Da die Pflanzen niil Themse-Wasser begossen werden, welches viel Sclilanim enlliiill, so bedecken sie sich mit einer leichten Stanlischiclit, kaum merk- lich, wenn sie von dem abendlichen Process des Be- giessens, oder an feuchten Tagen, nass sind; aber recht sichtbar, VNenn sie ijanz trocken, was stets hei klarem Wetter der Fall ist. 69 Weg versperrenden wilden Völkern oder reis- senden Thieren die Stirn zu bieten, und die ausdauei-nde Geduld, die dazu gehörte, sel- tene Pflanzen aus dem verwachsenen Gestrüpp cler Urwälder, aus den unwegsamsten Schluch- ten der Hochgebirge, herbeizuschaften, kön- nen wir uns zugleich nicht der Dankbarkeit gegen die Männer entschlagen, die sich der Befriedigung des starken Wissensdurstes, den jedes menschliche Wesen tuhlt, unterzogen, so rüstig arbeiteten an der Vervollständigung eines grossartigen Überblickes dieser schönen irdischen Dinge, die in so hohem Maasse uns mit Liebe und Anbetung vor dem Über- irdischen zu erfüllen vermögen, unter solchen oder ähnlichen Gedanken werden die grünen- den Massen nacli und nach vor dem geisti- gen Auge an Umfang wachsen, zu grenzen- losen Waldungen, von wunderbaren Thieren imd seltsamen, wilden Menschen bewohnt, sich vungestalten. Je länger man hinblickt, desto mehr werden sich neue Schönheit und frische Reize uns offenbaren, und je mehr wir sinnen , desto mehr Nutzen , desto wohl- thätigere Eigenschaften für das Menschenge- schlecht werden wir gewahr \\erden, bis ^\ir, durchdrungen von der Erhabenheit der Gegen- stände vor uns, ausrufen : „^\'ie schade, dass unserm Norden die Palmen, jene eben so schö- nen wie nützlichen Gewächse fehlen! Warum das? Warum kann ein Land nicht allen Be- dürfiiissen seines Volks ffenügen und so die vollkommene Unabhängigkeit einer Nation von der andern sichern? Warum müssen wir unsere Datteln aus Afi-ika, unsere Cocosnüsse aus Amerika, unsern Sago aus Asien holen?" — Die Natui' thut nichts ohne Absicht und muss, indem sie so handelte, eine Lehre im Sinne gehabt haben. Und welche Lehre? Eine grosse und ruhmwürdige, die sich in all ihren Werken wiederholt, selbst in den kleinsten Einzelnheiten. Sie hat nie an ein Land alle Erzeugnisse, deren seine Bewohner tiedürfen, verschwendet, nie, um ein anderes Beispiel anzuführen, auf das Haupt eines Menschen alle Talente und Schönheiten des ganzen Geschlechts ausgegossen, wie äusserst freigebig sie auch mitunter gewesen sem mag; sondern sie hat alles dies zerstreut über die Erdoberfläche ausgesäet, es weislich unter der Menschheit vertheilt. Indem sie ihre Gaben so austheilte, hat sie den Satz einer nothwendi- gen gegenseitigen Abhängigkeit der Länder und Menschen von einander ausgesprochen, hat sie uns thatsächlich Frieden, Demuth, Liebe gepredigt, jene drei grossen Losungs- worte, ohne welche die menschliche Gesell- schaft nicht gedeihen kann, die menschliche Glückseligkeit eine Unmöglichkeit wird. Vermischtes. Vallisneria spiralis. iVach Beobacliliiiigen von All. Chalin isl es nitlit richlig, ilass die Stiele der weiblichen Bliilheii sirli durch Abrollen von Spi- ralen an die Onerüache erheben, sondern die Schrau- benwindnngen bilden sich erst während des Auswach- sens des Bliithenstieles, und die Blüthe wird nach dem Abblühen durch die inzwischen ausgebildeten Windun- gen unter das Wasser zurückgezogen. Herr Ohatin schliesst daraus, dass das Zurückziehen der Blüthe die- ses Vorganges wegen nothwendig ganz unabhängig von dem Eintreten oder Nicht-Eintreten der Befruch- tung sein müsse. Dies dürfte indess wol nicht unbedingt zu folgern sein, da in so vielen Fallen die Befruch- tung (oder besser der durch die Befruchtung angeregte, bei der Bildung des Samens stattfindende Stoffwechsel) auf die Aus- und Umbildungen in den verschiedenen Blüthentheilen einen fcjrdernden Einfluss ausübt. — Die männlichen Bliithen enthalten nicht, wie Richard behauptet hat, 3 kronblattartige Anhängsel (appendices pelaloidesl, welche vor den Kelchblättern und hinler den Staubfäden stehen; sondern zwei dieser Kron- blälter existiren gar nicht, und das dritte, welches als das grösste beschrieben wird, ist nur ein umgebildeter und verbreiteter Staubfaden. Da dieLanguette Richards, welche neuere Botaniker mit jenen kronblattartigen An- hängen unter dem iVanien Staminodia vermengen, bald Ähnlichkeil mit einem verkümmerten Stempel, bald mit einem fehlgeschlagenen Staubfaden zeigte, so liess sich ihre Katur nur feststellen durch die Entwickelungs- geschichte, welche in ihr ein rudimentäres Kronblatt, die einzige Spur einer Krone bei den männlichen Blüthen nachwies. Zu bedauern ist, dass Chatin nicht auf die Abbildungen und Beschreibungen in Nees" Genera pl. florae germanic. Heft ü und Jacquins Eclogae plant. Taf. 1 Rücksicht genommen hat, welche beide ein drei- blättriges Perianihium und drei Staubfäden abbilden, jener aber ausserdem keine andere Blüthentheile, dieser dagegen noch drei lanzettlich-ovale, weisse Kronblätter lieschreibt und abbildet. Der sorgfältige Jacquin er- wähnt also unabhängig und gleichzeitig mit Richard (1811), wie dieser, dreier Kronblälter und zwar an Pflanzen aus Montpellier, während Micheli und Nees gar keine gefunden haben ; ürund genug, um anzu- nehmen, dass in der Zahl dieser Theile grosse Abwechs- lungen vorkommen, denn die Vermuthung J a c q u i n"s, dass die franzosische, von Richard und ihm beschrie- bene Pflanze eine andere sei, als die von Micheli (und Nees?) abgebildete italienische, wird durch die n ^on Ch a t i n beschriebenen anscheinenden Zwischen- j 70 c l'ormen sehr zweifelhalt. Die Enlwickelungsgeschichte der \veil)liclieii BUilhe zeigt, dass hier die drei Staitii- iiodia oder Laiigiieltes Kronhläller sind, dass zu keiner Zeil eine Spnr von Stauhorganen zu finden ist, und ilass die den Kelchblättern gegenüberstehenden Narben in ihrem .lugendzuslande so sehr den eben so stehenden Staubfaden alinlich sehen, dass man bis zu einem ge- wissen Zeitpunkt nicht weiss, ob man eine Staub- oder StempelbUithe vor sich hat. Die Höhlung des Frucht- knotens bohlt sich später in der Axe aus, wie dies nach Schieiden und Payer die Regel bei einge- senkten FriichtUnolen (ovaires internes) ist. Die Samenknospe ist geradläufig (L'ovule est orlhotrop). Endlicher sagt zwar, ovula analropa, aber Trevi- ranus Symbolae p.74 hat schon das Gegeniheil erkannt und abgebildet (Embryo seinini inversus, colyledon ejus basin respicit, pars vero crassior — die Radicnla — sursuni special)- In anatomischer Beziehung sind die besondern Eigenlhumlichkeiten, welche Chatin ge- liinden bat; die Abwesenheit der Gefässe; die Ab- lagerung von Stärke in einem Tbeile der Fasern, welche dadurch in faserformige Zellen (fibres cellules) über- gehen; das Fehlen des Fasergewebes in den männlichen Blüthen und ihren Stielen, wie in den appendicnlären Tlieilen der weiblichen Blüthe; verschiedene Structur in den männlichen und weihlichen Bluthenstielen ; das Dasein eines unsymmetrischen seitlichen Faserbündels in den weihlichen Bluthenstielen, wovon die Bildung der Spirale oder die Zurückziehung ahhiinifig ist; eine Demarcalionslinie durch anders geformte Zellen, gebil- det an der Trennungsstelle der männlichen Bluthen ; die Anwesenheit eines Faserbundeis in dem männlichen und weiblichen Blüthenstiele, was der gewöhnliche Charakter der Wurzeln ist (ein centrales Hulzbündel ist bekanntlich auch in Stammtbeilen, besonders Blnthen- slielen und Schälten beobachtet, und das meint wohl Chalin); endlich eine Verschiedenheit zwischen den blühenden und nichtbluhenden Stämmen, welche theo- retisch für gleicbgebildet angesehen werden. Die Ab- handlung, aus welcher der Verfasser selbst den Auszug besorgt hat und zu welcher ö O'iiirt-Tafeln geboren, wird liolfenllich irgendwo abgedruckt werden. — {Compl. rend. Paris 18.5:), T. IV. p. 473-475.) C. J. Neue r.iicher. Ilf nbacli tuiigcii über den Bau der (Ircliideeii- hliiUer und eine eingesenkle Drüse, welche mehrere von ihnen enthallen, von A. Trecul. Im Auszuge aus Compl. rend. de l'Acad. Paris. 185.5. T. 41, p. .520 .524. Man kann den analoniisclien Bau der Bläller der Orchideen aul drei Grundformen zurück- führen : 1) Die gewöhnliche Slruclur der Bhiller. Zwischen der beiderseitigen (meist aus einer f Zelischicht bestehenden) Oberhaut der Bialinachen L befnulet sidi Parencliym , dessen Zellen alle c Chlorophyll führen, in grösserer oder geringerer Dicke. Nur Raphidenzellen sind einzeln ein- gestreuel. Die Form der Parenchymzellen ist bisweilen gleichförmig (Orchis mascula, Gyninadenia co- nopsea); bisweilen ungleichförmig, die obere Schicht regelmässig cylindrisch (palissadenarlig), die untere unregelmässig, (Dendrobium specio- sum etc.). In einigen Arten sind die Parenchym- zellen von oben und unten tafelförmig zusam- mengedrückt (Epipactis palustris), in den cylin- drischen Blättern ist die äussere Schicht kleiner und dunkler gefärbt (Leptotes bicolor). 2) Zwischen den grünen Parenchynizellen finden sich zahlreiche, viel grössere, farblose Spiralfaserzellen (Pleurothallis prolifera, coch- leala, saurocephala, Megaclinium nia.xinium, Bulbophylluni recurvum, Saccolabium gutlatum Bluinei etc.). Epidendrum fragrans enthält statt der Spiralzellen netzförmige und auch die chlo- rophyllführenden sind bisweilen netzförmig. 3) Die grünen Zellen sind durch Schichten farbloser Zellen völlig von der Epidermis isolirt. Die farblosen Zellen sind zum Theil Spiral- faserzellen, zum Theil nicht, und beide Formen sind regelmässig im Blatte verlheilt, und zwar meist so, dass an der Epidermis der untern Blattüäche eine Reihe grosser Spiralfaserzellen liegt, an der obern Blatlfläche aber 7 — 8 Schich- ten farbloser Zellen, von denen nur hie und da eine Spiralfaserchen (spiricules) zeigt. Bis- weilen ist aber die innerste Schicht dieser farb- losen Zellen (welche immei' grössere palissa- denartig-cylindrische Zivilen enthält) von Spiral- faserzellen gebildet, in andern Fällen tritt dazu noch eine Schicht Spiralfaserzellen in der Mitte zwischen Epidermis und jener ersten Schicht. Die Entwicklung der Spiralfasern beginnt an der untern Blatlfläche und geht auf die höher lie- genden Schichten später über. (Pleurothallis spalulala z. B.) Bisweilen bilden sich auch nur die Spiralfasern auf der untern Blatlfläche aus, während an der obern Seite nur durch mehr oder weniger regelmässige Fallungen (plissees) der Anfang einer Schraubenbildung sich andeutet. In Pleurothallis panicoidcs Ad. Br. ms. zeigen sich auch viele Zellen der Spi- ralfaserzellenschicht an der untern Fläche glatt. In den Schichten über dem Parenchym sieht man öfters rudimentäre Schraubenbildungen, be- sonders bei Pleiirolhallis spalulala, racemiflora la.xillora panicoidcs, Physosiphon Loddigesii, --JL^rj- 71 Lepanlhes cochlearifolia, Stelis opliioglossoides, Masdevallia infracla etc. Plcurülliallis ruscifolia würde sieh nach Meyen's und Schi ciden's Beobac'hliingen liier aiischliessen. - - Auch diese drille Gruppe bietet Abw(>ichuno:en dar. Man sieht bei einigen Arten Blallgiiinzelleu in die Spiralfaserzellenschicht eingemischt , bei andern umgekehrt Spiralfiiserzellen in den Schichten der Blaltgriinzellen. Eingesenkte Drüse mehrerer Orchi- deenbiätter. An Pleurothallis ruscifolia hat Meyen zuerst kloine Organe; beobaclilel, welche er für Spallülfnungen hielt, dann hat Schiei- den darin Grübchen erkannt und scheint ge- neigt, sie mit Grübchen an den Blättern der Nyniphiiaceen, des Acrostichum alcicorne und der Peperomia peresciaefolia analog zu erklären, welche die erweiterte Basis von Haaren sind. Diese oft recht tiefen Höhlungen lindel man auf beiden Biattflächen. Sie enthalten einen körnigen, in ätherischen Ölen und Glycerin lös- lichen, also Wühl harzig-öligen Inhalt, welcher die Oberfläche der Blätter ofl weit um die Öff- nung der Grübchen herum befleckt. Bei der Untersuchung einer grossen Menge von Arten fanden sich stets die Höhlungen in ungefähr zwei Drittel ihrer Höhe von einei- Älembran ge- schlossen, welche auch Seh leiden gesehen hat. Sie besteht aber nicht, wie dieser meinte, aus einem einfachen Häutchen , sondern sie bietet das Ansehn (donne l'iilee) einer Zelle dar, welche mit dem untern Theile an die Wandun- gen der Höhlung angewachsen ist, mit dem obern Drittel oder zur Hälfte aber frei hervor- ragt, einem halb unterständigen oder halb an- gewachsenen Fruchtknoten nicht unähnlich. Für das Studium dieser eigenlhündichen Vorrichtung fand ich am günstigsten : Pliysosiphon Loddi- gesii, Pleurothallis spalhuhita, racemiflora, laxi- flora panicoides, Lepanthes cochlearifolia. Bei Pleurolliallis spatulata und Pliysosiphon errei- chen diese Organe die grösste Tiefe, welche bei Physüsiphon die dreifache Dicke der Epi- dermis beträgt. Die etwas unregelmässige, fast cylindrische Höhlung ist meistens trichterförmig, oder unter der Mündung etwas eingeschnürt, seltener gegen den Grund erweitert. Die kleinen Zellen, welche den Grund dieser Holde umgeben, sind in man- chen Fällen durch mehr oder weniger ausge- dehnte maschenförmige Nelzfasern so niodifi- L cirt, dass man nicht leicht ihren Ursprung enl- ■ ^ ,3 _ 1 deckt. Aber Physosiphon Loddigesii und einige y andere Arten, hei denen sie nur kleine Punkte Y tragen, zeigen, dass diese Zellen der Epidermis angehören. Man sieht in der Thal an den Blät- tern dieser Pflanze die Epidermis zur Bildung der Höhle in das Innere hin(Mnli'elen, wobei ihre Zellen um so mehr sich verkleinern, je liefer sie herabsteigen. Die, welche dem Grund der Höhle am nächsten liegen, sind ausgezeich- net durch sehr kleine Durchlöciierungen. *) Die Entwicklung der Grübchen Hess sich aus Mangel an jungen Blättern nur an Pliyso- siphon Loddigesii studiren, zeigte aber, dass Schieiden 's Vermuthung (über ihren Zusam- menhang mit Haarbildungen) nicht ungegründet ist , da die Membran in der Jugend eine sehr kurze Zelle tragt, welche bald zu Grunde gehl. Bei Maxiilaria atrorubens findet man ähnliche, mit harzig-öliger Masse gefüllte Grübchen, in deren Grunde eine braungelbe, abgeplattete und fein punktirte Zelle sitzt. Diese Zelle tritt aber an dem jungen Blatte über die Oberfläche hervor und rückt erst allmälig in das Grübchen hinab, indem die Epidermis ringsum sich über sie erhebt. Bisweilen aber entwickelt sich aus diesen Zellen (oder einzelligen Drüsen) ein aus 2 — 3 Zellen bestehendes längeres Haar. Die Drüsen der Maxiilaria haben übrigens nicht die vorhin geschilderte Structur, sondern bilden einen Übergang von ihnen zu den gewöhnlichen Drüsenhaaren. Die kleinen absondernden Or- gane aber lassen sich füglich als eingesenkte Drüsen (glandes cryptoides) bezeichnen. Anatuuiie und Ptiysiologie der Pflanuen, von Dr. F. Unger, Professor an der Hochscliule zu Wien. Mit tJ9 in den Text eingedruckten Holzsclinitlen. Wien, J'esl und l^tipzig 185.5. Verlag von C. A. Hartleben. 8. XIX und 461 Seilen. Ernst Meyer sagt in der Vorrede zum ersten Bande seiner Geschichte der Botanik: „Die Geschichte einer Wissenschaft muss wiederholt von verschiedenen Gesichtspunkten aus geschrie- ben und umgeschrieben werden, um sich all- mälig ihrer Idee zu nähern." Ganz dasselbe gilt von den Hand- und Lehrbüchern , und .Meyer 's Ausspruch bezeichnet Ireflend den Gesichtspunkt, von dem aus solche Werke be- *) Nacli der Abbildung Schleiden's (Beiträge, Taf. I., oder \> iegmann's Archiv, IS4ti. Taf. IH.) sind unter perforations ohne Zweifel Tüpfel gemeint, doch erklärt der Verlasser sich nicht genauer. o^ 72 t' Iraclilet wcrduii müssen, die jii auch nichts An- deres sind, als der Ausdruciv der Geschichte der Wissenschaft, reflectirt in dem Geiste der Zeit und des Schriftstellers. So kommt es, dass ein Handbuch nach dem andern erscheint und wieder verdrängt wird, dass das eine nach die- ser, das andere nach jener Seile Vorzüglicheres leistet. Einen bestimmten Typus, etwa ein vor- schwebendes Ideal zum Ausgangspunkte der Beurtheilung zu nehmen, würde zu Einseitigkeit und Unbilligkeit führen, doch auf der andern Seite ist es auch unmöglich, dem Verfasser in alle Einzelheiten der Darstellung beistimmend oder widerlegend zu folgen, wenn das Referat selbst nicht über alle Gebühr sich hinausziehen soll. So bleibt nur übrig, in kurzen Unu'issen das wichtigere Neue oder Eigenthümliche her- vorzuheben. Der Verfasser eroflnet sein Werk mit einer Dedication an Hugo von Mo hl, „dem Grün- der der neueren Pdanzenanatomie," welche zu- gleich die Steile der Vorrede vertritt. Gewiss hat er Recht, wenn er dai'in an ein Handbuch dieser Art die Forderung stellt, dass es mit der Sunnne des bisherigen Erwerbs den Leser bekannt mache; dass es sich nicht blos in Ne- gationen gefalle, sondern auch Positives gebe; dass es die Kritik nicht in den Vordergrund stellen, noch dii; Polemik als die Würze des Werkes betrachten soll. Und indem er dies Buch nur als eine Umgestaltung der 1846 er- schienenen „Grundzüge" hinstellt, erklärt er, dass nicht eine neue Richtung der Forschung, nicht glänzende Ideen, noch umgestaltende An- sichten, sondern „der richtige Ausdruck eines grossen Gemeingutes, an dem so viele Geister ihre edelsten Gaben niederlegten," darin zu suchen sei. In der That ist der Plan des neuen Werkes im Ganzen derselbe, nach welchem das 184ü und zum Theil auch das 1843 erschienene Handbuch des Verfassers geordnet war, mit solchen Erweiterungen und Abände- rungen, wie sie die Zeit mit sich gebracht hat. Auch im Übrigen ist die Behandlungsweise der einzelnen Doctrinen, das bestimmte und oft starre Abschliesscn in kurze Paragraphen das- selbe geblieben, und es wird wol auch dieses Werk dem Vorwurf ausgesetzt sein, welcher in Bezug auf die früheren Ausgaben verschie- dentlich uns zu Ohren gekonnnen ist, dass es nämlich sehr schwer sei, aus seinen einzelnen Capileln und Paragraphen das Bild der leben- digen Pflanze zusammenzustellen. Erschwerend kommt dazu die sehr abstract und formell ge- haltene Ausdrucksweise, wodurch es allerdings möglich geworden ist, den zusammenhängenden Inhalt dieser Wissenschaft in so kurze, von ein- ander fast ganz unabhängige Paragraphen zu bringen, welche, den Diagnosen in der Syste- matik ähnlich, dem Eingeweihten in scharfen Umrissen ein Bild der Sache geben. Wie aber die Diagnosen der Beigabe von ausführlichen Beschreibungen bedürfen, soll dem Unkundigen eine Anschauung gegeben werden, so hat auch hier ein beschreibender Te.xt neben den Dia- gnosen sich nöthig gezeigt, ja er bildet den grösslen und wichtigsten Theil. So sind zwei unverbunden neben einander hei'laufende Te.xte entstanden, welche nicht blos manche Wieder- holung nöthig machen, sondern auch der Über- sicht und Verständlichkeit grossen Eintrag thun. Eine Ausnahme von dieser Eintheilung in Paragraphen macht die Einleitung, in welcher die „Hülfsmittel des anatomisch-physiologischen Studiums:" Schneide-, Quetsch-, Fassinstrumenle, optische-, Mess-, Zeichnungs-, chemische-, physikalische Apparate, physiologisches Herba- rium und Literatur, kurz (S. 1 — 10) aufgeführt sind, sowie der darauf folgende Abschnitt „zur Geschichte der .Anatomie und Physiologie der Pflanzen," S. 11—48. — „In der Phylotomie," sagt Unger, „ging man (umgekehrt wie bei der Zootomie) zuerst auf die Elenientaranalyse aus und, wenn man diese Hisliologie, die Erfor- schung der Massentheilchen zum Aufbau des Ganzen Anatomie nennt, so kann man sagen, dass wir für die Pflanzen eigentlich noch keine Anatomie haben. Für die Pflanzenphysiologie dagegen ist der crslere, einfachere Weg bei- nahe noch unverlreten." Zum Entfernen der Luft aus Präparaten wird ein an einem Ende offenes Glasröhrchen mit Kolben empfohlen. Beim Niedergang entweicht die Luft durch ein Ventil des Kolbens, beim Aufziehn tritt die Luft aus dem, in etwas Was- ser am Grunde des Rohres liegenden Präparate in den entstehenden leeren Raum. Dieser Ap- parat scheint sehr zweckmässig und bequemer, als Spiritus, Äther oder (was ich bisher meist anwandte) Einlegen in ein Schälchen kochenden Wassers, welches beim Abkühlen auch rasch die Luft absorbirt. In der geschichtlichen Skizze macht sich Ernst Meyer's Einfluss geltend, denn es finden 73 ^ sicli in der 1. Epoche bis auf Albertus Mag- I nus herab, S. 11—22, kurze Scliildciuniren der einzelnen Autoren, in dem s|)iiteren Tlitnlc nur Verzeic-Iinisse einiger Werke, von ein oder dem andern kritiselien oder gescliiehlliehen Ausspruche begleitet. Die II. Epoche, Begründung der Pflanzen a n a t o m i e und I' f 1 a n z e n p h y s i o 1 o - gie reicht „von der Erfindung des Mikroskopes (1G(30) bis zum Anfang des Meiinz(dinlen Jahr- hunderts (1800). Dahinein ist aller Spiegel Isagoge 160ti wol mit Unrecht gezogen. Dass Grevv's Anatouiy ofVegelables 1072 und der erste Theil der Anatomy of plants 1682 bis auf Einzelheiten und stylislisclie Verbesse- rung «(irtlich dasselbe eidhalten, liisst die Auf- fiihrung beider neben (>inander kaum vermuthen. Die III. Epoche, Richtungslose Ausbildung der Pflanzen anatomie und Pflanzenphy- siologie, vom Alllange bis zur Mille (?) des neunzehnten Jahrhunderts — wird charaklerisirt: „Der Drang nach Erweiterung der Wissenschaft und die noch unsichere Methode, sowie der Mangel einer vollständigen Übersicht des gan- zen Gebietes liisst eine auf sicherer Basis fort- schreitende Erforschung der Gesanunt^vissen- schafteu noch nicht erwarten, doch werden die Keime dazu gelegt," und endlich die IV. Epoche, Wissenschaftliche Bearbeitung der Pflanzeuanat omie und Pflanzenphysio- logie. „Alle Fragen werden bestimmter for- mulirt, die genaueren Untersuchungsmethoden lassen eine gründliche Losung der Probleme erwarten. Die Erforschung der Elenientaror- gane im Baue und Wirksamkeit wird als Fun- damentalaufgabe betrachtet. Diese Abtiieilung beginnt mit Schieiden; Bildung des Eichens und Embryos. Seh leiden und Vogel: Ent- wicklung der Blülhcn der Leguminae, 1837. lln- ger: Wachsthum des dicotyledonen Stammes, 1840 u. s. w. Wie schwierig es ist, Abiheilungen in den ununterbrochenen Strom der Geschichte zu brin- gen, das zeigt leicht jeder Versuch. Darum scheint uns die Methode neuerer, besonders französischer Geschichtsschreiber, statt der Ab- schnitte und Epochen, von Schulen zu reden, und unter dieser Eintheilung die neu auftre- tenden Ideen abgesondert neben einander zu | verfolgen, viele Vortiieile darzubieten. Im vor- \ liegenden Falle scheint die Charaklerisirung und ; Abiheilung der drillen und vierten Epoche keine sehr glückliche. Noch mehr Bedenken tragen I wir über den Ausspruch, welcher die „wissen- schaftliche Bearbeitung" den letzten sechszehn Jaliren allein vindicirl, denn wir sind der Mei- nung, dass die \\ issenschafiliche Bearbeitung der Pflanzenanatoniie sich nicht von 16, son- dern von mehr als KiO Jahren her datirt, näm- lich von der Zeit,, wo Nehemiah Grew mit klaren Worten die Tendenz seiner Schriften dahin ausgesprochen hat, dass sie zeigen wür- den , wie die Verrichtungen der Pflanze alle zu Stande kommen und vor sich gehen auf mechanischem Wege. Wenn aber von Unger die „wissenschaflliche Bearbeitung" der „richtungslosen Ausbildung" entgegenge- setzt wird, unter dem letzten Ausdrucke aber kaum etwas Anderes verslanden werden kann, als die unbefangene Beobachtung, so scheint mit der „wissenschaftlichen Bearbeilung" nichts Anderes gemeint zu sein, als jene Tendenzbo- tanik, welche sich allerdings „die Erforschung der Eiementarorgane zur Fundanientalaufgabe" gemacht, hat, und als die allein wissenschaft- liche Botanik von Manchen mehr [iroclamii-t wurde als wird. Hätte nun Lfnger in seiner geschichtlichen Übersicht etwa eine Schule der Zelltheoreliker oder eine Schleiden'sche wis- senschaftliche Sciiule (denn „ S ch 1 e i d e n hat diese bereits vorbereitete neue Periode herbei- geführl") aufgestellt, so würde diese gewiss mit Recht ihren Platz einnehmen und vielleicht eine ziendiche Zahl von Theilnehmern zählen, wenn auch mehr in Deutschland als in Frank- reich (wo diese in der Entwicklung der Wis- senschaft, wie es scheint, nothwendige Episode, welche den Theil über das Ganze stellt, schon früher unter Turpin durchgemacht war) und in den übrigen Ländern. Doch ausserdem scheint uns diese Tendenzbolanik keineswegs einen Gegensalz zu der vorhergehenden Zeil zu bil- den , süiulern <'in Residuum jener Naturphilo- sophie a priori zu sein, welche so viele tüch- tige Kräfte in dem ersten Viertel unsers Jahr- hunderts auf Abwege geführt hal. Wenigstens knüpft sich Schleiden's methodologische Grund- lage direct an sie an, sich nicht dem Wesen, sondern nur der Form nach davon unterschei- dend. Unbefangene Beobachter aber, welche „richtungslos" die Erkennlniss des Pflanzenbaues im Einzelnen, wie im Ganzen angestrebt, finden sich sowol im zweiten, wie in) ersten Viertel des neunzehnten Jaiirhunderls und ihnen wird Nie- mand die Wissenschafllichkeit absprechen können. 10 74 Wenn wir uns nun zu der Aiiatuiiiiu (S. 49 — 246) und Pliysiologie (S. 247 — 44rpers beitragen. Da aber die Elemenlar- bläschen „der Form und Beschaffenheit nach mit den Zellen ganz übereinstimmen" und „da alle Zellen," wie Unger S. 92 .sagt, „in an- dern Zellen gebildet werden und dies zuweilen in einer grossen Anzahl slattfindet," so sehen wir nicht ein, worin der Unterschied zwischen Zellen und Bläschen besieht, denn die gerin- gere oder bedeutendere (irüsse kann doch nicht entscheiden, zumal da die Zellen der Palmella hyalina von i„'öö — aoVo Linie Durchmesser (S. 67) Zellen, nicht Bläschen benannt ^verden. — Die Formen und Grösseverliältnisse der Zel- len werden darauf geschildert. Der Bau der Zell wand bestehe aus der äussern primären Zellwand, worauf häufig nach einwäits eine zweile, die secundäre, zuweilen auch noch die tertiäre Zellwand folge. Das so gebildete Häut- chen werde noch von einer sehr zarten, nur in wenig Fällen minder zusammenhängenden Membran, dem Primordial schlauche, ausge- kleidet, äusserlich finde sich zuweilen noch eine gallertartige Hülle, die sogenannte Hüll- membran, über den Zellen. — Diese Hüll- membran, eine von den genannten Häuten ver- schiedene Hiuil, scheine auf weniger Fälle be- schränkt zu sein. (Als Hüllmembran wird die äussersle „aus Gallerte" gebildete Zellschicht niederer Algen, Palmellaceen, Nosticaceen, ei- niger Desmidiaceen und die äussere Membran vieler Pollenzellen betrachtet.) — Die Elenien- tarfasern träten ;liei Caulerpa und in der vor- dem Aussackung des Embryosackes halbreifer Samen von Pedicularis silvatica nach Schacht) in einigen grossen Zellen von den Wänden der Zellen in die Mitte und bildeten dort ein Faser netz. — Den Primordialschlauch betrachtet U '-^ 77 L ger als eine Haut, und dw Schwärnisporen als Primordialschlauclie ohiin Zellhaul. In BctrolV des Zellinhalti's l'olot IJiiger Mohl's Ansicht und nininil zwei Flussii)kei- ten in der Zelle an, ein dickeres Protoplasma, einen wässerigen Zcllsafl. Das Proloidasma vertlieilt sich, wenn der Zcllsaft an Menge zu- nimmt, um die Peripherie und bildet später die Saftslrome. — Diese oft ausgesprochene An- sicht widerstreitet bei nüchterner Betrachtung den Gesetzen der Statik der F'lüssigkeiten durch- aus. — Wenn in Einer Zelle zwei ungleich dicke und also ungleich schwere Flüssigkeiten sich befinden, so muss davon die dünnere obenauf schwimmen, die schwerere am Grunde liegen, und zwar unabhängig von der jedesmaligen Lage der Zelle. — Auch trägt Unger in der Physiologie (S. 280—286) wieder eine andere Meinung vor, indem er sagt: „Die nächste Ursache der Saflbewegung in den Zellen . . . liegt vielmehr in der Beschan'enheit des sich bewe- genden Protoplasma, welches als ein vorzugs- weiss stiekstoffreicher Korper nach Art je- ner einfachen contraclilon thierischen Substanz, welche inan Sarcode neinit. in der Form einer rhythmisch fortsein eileiulen Contruclion und Ex- pansion in die Erscheinung liitl." Und ferner: „Alles (lies deutet darauf hin, ilass das Proto- plasma nicht als eine Flüssigkeit, sondern als eine halbllüssige coniractile Substanz ange- sehen werden müsse, die der thierischen Sar- code zunächst vergleichbar ist, wo nicht gar identisch nnt dieser zusammenfällt." — Wie es schein.t, hat also Unger während des Schrei- bens seine frühere Meinung (S. 102) geändert, wahrscheinlich in Folge des Erscheinens der Schrift von Max Schnitze: „Über den Orga- nismus der Polythalamien, Leipzig 1854," die er cilirl, und aus welcher er eine Abbildung copirt hat. — Indess wenn auch Abbildung und Beschreibung Ähnlichkeilen darzubieten schei- nen, kann Bei. Unger doch versichern, dass in diesem Punkte ihn seine lebhafte Phantasie auf einen Irrweg geführt hat und dass die wirk- liche Erscheinung, welche Bef. Gelegenheit ge- habt hat, bei Seinem Freunde Max Schnitze j gerade in Bezug auf die erwähnten Thiere zu j beobachten, eine ganz andere von den Erschei- nungen im Pflanzenkorper verschiedene und ei- genlhnniliche ist. So interessant es aucii wäre, P wenn in jeder Zelle eine Amoebe herumkröche, C und so sehr wir dann hoffen dürften, bald über die noch ganz unbekannte Bildungs- und Be- wegungsweise dieser Thiere Aufschluss zu er- halten, so ist doch eine solche Muthmaassung unhaltbar und man nuiss für die Bewegungen des sogenannten Protoplasmas andere Erklärun- gen suchen, die zu linden auch wol so schwer nicht sein dürlte. — Die Hypothese einer Con- tractilität der strömenden Flüssigkeit, welche Unger 184() aufucslellt halle, hat er, wie es scheint, trotz dieser neuen Hypothese nicht ganz fallen lassen, aber sie auf die Schwärmsporen und Samenfäden beschränkt und nimmt ausser- dem „contraclile Vacuolen" bei Gonium peclo- rale, Chlamidomonas Pulvisculus und Volvox globator an. A\'enn man unter Vacuole eine Zelle mit ungefärbtem' Inhalte versteht, so ist dies die contractile Blase, welche bei die- sen, wie bei vielen andern, niedern Thie- ren vorkommt; will man aber die Vacuole als wandlos betrachten, um solche Thiere nül einem Sehein des Bechtes unter die Pflanzen aufnehmen zu können, und will man denmach eine (activ, coniractile Flüssigkeit annehmen, so darf mau nicht vergessen, dass man dann der Flüssigkeit die Fähigkeit zuschreiben muss, sich abwechselnd zu verdichlen und zu verdünnen, also ihr specifisches Gewicht zu verän- dern, was jeder Physiker für unmöglich er- klären wird, und wozu kein anderer Grund vor- liegt, als die Tendenz, Thiere für Pflanzen zu halten, womit wieder nichts gewonnen wird. Dass das Chlorophyll und oft auch andere Farbstofle von Bläschen umschlossen sind, wird anerkannt, dagegen über die Structur und Bil- dung des Amylunis keine feste Meinung aus- gesprochen. Darauf folgt eine kurze Aufzählung andrer chemischen Bestandtheile der Pflanzen. Die Bildung der Zellen geschehe durch freie Zellbildung, wobei zuerst ein Kern aus dem Protoplasma entsiehe, dann darum ein Primor- dialschlauch sich abgrenze, und durch Thei- lung, wobei Portionen der Mutterzelle: ly durch neu gebildete Membranen (wandständige Zell- bildung), 2) durch Einfallung oder Einstülpung, 3) durch Einschnürung (Abschuürung) der be- reits vorhandenen Meudjrau als neue Zellen ab- getrenul werden. Mehrere Zellen, mit eniander vereinigt, heissen Zellcomplexe, und diese Complexe werden eingetheilt in: 1) Zellfamilien oder Zellco- lonien, 2) Zellgewebe, 3) Zellfusion. — Uns scheint nicht viel damit gewonnen zu sein. 78 L ^ dass die Verschmelzung, das Verwachsen meh- rerer Zellen in ein Gefäss Fusion genannt wird, ausserdem ist nicht fusio cellularum der rechte Ausdruck, sondern conl'usio. Der Ausdruck Zellfamilien oder Zellcolonie wird bekanntlich gebraucht, wenn man eine Alge, die aus einer Menge von Zollen besteht, „im weitern Sinne noch einzellig" nennen will. — Bei dem Zell- gewebe hat der Verfasser jene ganze Termi- nologie des Mer-, Pros-, Parenchyms u.s. w. wie- r Nerven und Mnskeln) vorkommen, im PHanzenreiche seilen. Sehr hübsch sind die verschiedenen Formen der Milchsaftgefiisse ab- gehandelt, doch vermisst man ji^de Äusserung über das Verhiiltniss luid den Zusannnenhang derselben mit den Bastzellen. — Auf die Dar- stellung der Gefiisszellen folgt dann ein Para- graph über die Inlercellularsubslanz, deren Da- sein „jeder Maceralionsversuch, jede in Ätz- kali u. s. w. gekochle Pllanzensubstanz" beweise. Auch werde im Alter der Intercellularstoff häufig chemisch veründeit (in Gummi verwandelt) und zugleich von der Zellljanl lesorbirt, wodurch denn eine Trennung t\o\- iVnher aufs Genaueste mit einander verbundenen Zellen einirctc. (Im reifen Fruchlfleische, in der Narbe und im lei- tenden Zellgewebe des GrilTels, in der V.\)\- dermis und dem lAIesophyll mancher Blätter.) Darin, dass man früher zu oll Intercellular- substanz angenommen habe, wo man Zellmem- branen vor sich halte, slinmit auch Unger bei. Jene Beweise für ihre E.xislenz scheinen aber doch manchen Zweifel zuzulassen. — Den Schluss des 3. Hanplstückes macht die Unterscheidung von Dauer- und Bildungszellen. Die Lehre von den Zellgrnppen beginnt mit der Epidermis, welche sehr kurz abgehan- delt und durch einen Onerschnilt vom Blatte der Hoya carnosa erläutert wird, der aber das Verhältniss der Schichten keineswegs so dar- stellt, wie es gewöhnlich vorkommt. Die Ver- dickungsschichten laufen nämlich nicht (wie z. B. in den guten Abbildungen Schacht's) der in- nersten Zellmembran parallel im Bogen, son- dern ganz geradlinig, parallel mit der Cuticula und zum Theil senkrecht auf die Zellmembran. Ausserdem befindel sich ein breiter Raum zwi- schen ihnen und der Cuticula, welche als ho- mogene Schicht bezeichnet ist. In der Beschrei- bung des Holzschnilles heisst es: durch Auf- quellen dieser beiden Schichten erfolge eine Krümmung nach aussen. Wir haben uns durch Untersuchung der frischen Pflanze überzeugt, dass diese Zeichnung die Schichtung nicht richtig darslellt, indem wahrscheinlich ein ganz schräger Sciinilt derselben zu Grunde liegt, wodurch auch die beträchtliche Dicke der Verdickung in der Zeichnung erklärt wird. Doch bietet auch eine Innenansicht der äussern Wand der Epidermis- zellen eine ähnliche Streifung dar, wie die hier gezeichnete, in welchem Falle die eigentliche Seitenansicht der Verdickungsschichlen in der ho- mogenen Schicht zu suchen wäre. Die von Unger angegebene Methode, niederwärts (hadicnd) die Schnitte zu führen, ist überhaupt wenig sicher, besonders wo es auf eine bestimmte Richtung der Schnitte ankommt. Die von Schacht be- schrieben(m rilethodeu haben Ref. wenigstens viel weiter geführt, als diese. Die Cuticula erklärt Unger für eine nach aussen abgeschie- dene Inter- oder Extracellularsubstanz, ohne andere Aiisichlen auch nur zu berühren. Zu den Epidermalbildungen rechnet er ausser Haa- ren und S|)allöirnungen noch die \A'urzelliülle um die Lnliwurzelii der Orchideen und Aroideen. Abschnitte über Lufträume, Saftbehäller, Drüsen und Grfässbündil folgen, von vielen, meist neuen Holzschnilleu erläutert. Das fünfte, Ict/.le Hanptstück enthält dann die Lehre von den Systemen, d. h. Gefäss- bündelsyslemen. Dann hat der Verfasser seine Ansichten über den Bau des Stammes in den verschiedenen PIlanzeiiKlassen ausführlich und mit vielen schemalischen Abbildungen dargelegt. Wenn wir rückblickend das ganze Werk überschauen, so bleibt immer die Lücke, welche durch das Fehlen der Organologie entstanden ist, der empfindliclisle Maugel und die Absicht Unger's, „auch den mit massigen Vorkennt- nissen der Botanik Ausgerüsteten einen ver- lässlichen Führer zu geben," scheint uns da- durch vereitelt zu werden. Dass aber die 79 welche diese Lüeke aiiderweilig auszufüllen verslelien, iu luiisieliliger Auswahl sehr Vieles, ja wol olt mehr uiul Besseics linden kunneii, als in den meisten neueren llandimclKün, dass wissenschafllicher Sinn innl ernstes Verlül^cn der erl'assten Ansicht ihm zu Griiiule lie<[en, das diirfle ans dem .Milsfelheillen sich erocben, uciin auch streitige Punkte darin mehr liervur- trelen, als die Masse des Anzuerkennenden. Der Druck ist klar und gut, die Hülzschnitte sind mit sicherer Hatiil, klar entworfen und ausaefuhit. Zeitiiiigsiiacluiciileii. Deu/schtand. Berlin, 15. Febr. Die nun bereits im 12. Jahrgange erscheinende Zeitung von Bona „La Seybouse" (von dem dort iu das niiltellandische Meer mündenden Flusse so genannt), meldet in ihrer A'ummer 52(i, dass unser gelehrter Mit- bürger, Dr. Buvry, im September d. J. das hohe Waldgebirge „Edough" erstiegen, und auf seiner Reise eine Menge von interessanten zoo- logischen und botanischen Beobachtungen ge- sammelt habe. Der Gipfel dieses Gebirges, der den Namen „Sebba" trägt, ist 972 Meter hoch und völlig nackt, indessen die Thäler und Schluch- ten von der dichtesten Vegetation bedeckt sind. Man hat seit einigen Jahren angefangen, einen Weg durch diese, früher von unbezwinglichen Cabylen bewohnte Wildniss zu bahnen. Das Gebirge scheint besonders reich an Metallen zu sein ; es finden sich Spuren von alten römischen Gruben, reiche Eisenerze und hin und wieder sogar gediegenes Silber. Schon wandert die feinere Welt der Stadt Bona häufig zum Ver- gnügen in die prachtvollen kühlen Waldungen der nördlichen Abhänge und Alles verspricht sich von der weiteren Durchforschung und Aus- beutung dieses ziemlich isolirten Gebirgszuges die reichsten Erfolge. Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen.) — 16. Februar. Am 31. Januar d. J. starb in Frankfurt an der Oder der ehemalige Apo- tbekenbesitzer, Herr Johannes Nikolaus Buek, in seinem 77. Lebensjahre. Aus einer alten, berühmten Gärtnerfamilie herstammend, die in Hamburg ansässig war und selbst mit Linne in Verbindung stand, war der Hinge- schiedene schon von frühester Jugend an in die Pflanzenwelt eingeführt und hat bis auf dem Slerbcbettc sc^ine luibcgrenzte Liebe dafür be- wahrt. Sein Herbarium ist in europäischen, namentliih (Iculschen l'llanzen vielleicht das reichhalligsle , die er tlieils durch K'auf, vor- züglich aber durch Tausch gegen Frankfurter Pflanzen zusammengebracht hat, wo er mit dem grössten Fleisse saannelte und viel Neues ent- deckte. Ausserdem war er einer der eifrigsten Gultivateure, und mehrere nicht uninteressante Pflanzen sind nur noch in seinem Garten zu finden. Neben diesem Eifer für die Pflanzen- kunde , war er der liebenswürdigste und ge- inüthlichste Mensch, der treueste Freund, der niemals für sich, sondern nur für Andere be- dacht war. Er hinterlässt bei Allen, die ihn kannten, nur ein freundliches Andenken. (Allg. Gartenz.) Leipzig, 2. Januar. Die heule erhaltenen Briefe von Eduard Vogel (aus Leipzigs, sind aus Gombe (unterm 10. Gr. u. 13. u. 12. ö. L. auf der Barth'sclien Karte) vom 5. Juni datirt und bringen die erfreuliche Kunde, dass sich der Reisende, nach überslandener neuer Krank- heit, vollkouiiiieii wohl befindet und ungebroche- nen Mulhes an die Forlsetzung seiner grossen Unternehmung denkt , auf welcher er bis an das nördliche Ufer des Benue, ins Land der Hamarrua vorgedrungen ist. Hier versperrten ihm die Balschamas den Weg durch entschieden feindselige Demonstrationen und veranlassten ihn, noch einmal nach Kuka und Kanu zurückzu- kehren, — wahrscheinlich um sich mit neuen Waarenvorräthen zu versehen, — von wo er jedoch noch im Laufe des Jahres wieder zu seinem in Gombe zurückgelassenen treuen eng- lischen Begleiter zurückzukommen gedachte. Die für die Kunde des iiinern Afrikas auf dieser letzten Reise gewonnenen Resultate scheinen nach Vogel 's flüchtigen Andeutungen sehr be- deutend zu sein, weshalb wir seinen ausführ- licheren Briefen mit Spannung entgegensehen. (Wissenschaftliche Beilage der Leipziger Zei- tung. 1856. Nr. 2.) Wien, 14. Febr. Prof. H. v. Mohl ist ge- genwärtig damit beschäftigt , die Herausgabe eines Handbuches für Anatomie und Physiolo- gie der Pflanzen vorzubereiten, von welchem die erste Hälfte bis Ostern erscheinen dürfte. Von Th. Fe ebner ist in Leipzig erschie- nen: „Professor Schieiden und der Mond," i 80 c -5-0 in zwei Theilen, von denen der erste; die Pflanzensecle, die Teleologie und die Natur als Symbol des Geistes, der zweite: Schieiden und der Mond, Bewohnbarkeit und EinHuss des Mondes auf Witterung und organisches Leben der Erde, den das Od als weitere Abtheilungen enthalt. Im VIII. Berichte des naturhisloriscben Ver- eines in Augsburg, veröffentlicht im J. 185.i, befindet sich eine Abhandlung über „die Moore in der Umgebung von Memmingen" von Job. Buckele, welche eine Übersicht der Floren des Memmingerried und des Hochmoors bei Reichholzried bietet. „Die bildende Gartenkunst in ihren mo- dernen Formen." Dieses bedeutende, bei Friedrich Voigt in Leipzig erscheinende Gar- tenwerk von R. Siebeck ist bereits zur Hälfte vollendet, da eben die 5. Lieferung von der Verlagsbuchhandlung versendet wurde. Dieses jüngste Heft enthält nebst zwei grossen, schon illnminirten Gartenplanen, den Tafeln IX und X des prachtvollen Atlas, auch noch zwei Bogen Text mit einer erläuternden Beschreibung der bildlich im Werke dargestellten Gartenanlagen und Abhandlungen über den Wasserfall, den Wassersturz, über die Hügel, Berge und Fel- sen, als einzelne Objecte einer- Gartenscenerie und deren passende Benutzung bei Anlagen von Gärten. Von C. F. Nyman ist erschienen: „Syl- loge Florae Europaeae s. planlaruin vascularium Europae indigenarum enumeratio adjectis syno- nymis gravioribus et iudicata singularium di- stributione g(;ographiea." (0. B. W.) — 18. Februar. Gegen den Redacteur der „Wiener Kirchenzeitung," Sebastian Brunner, ist wegen seiner Angriffe gegen unsern be- rühmten Naturforscher Professor Unger der Pressprocess eingeleitet worden. (Zeit, für Norddeutschland.) Bericbüg-ung-. In IVo. 4 der Bonplandia, S. 59, Spalte 2, Zeile 24 V. oben lies: „Lagenuiiliora" statt .,Langenophora." Verantwortlicher Redacteur; Wilhelm E. G. Seemann. Amtlicher Theil. Bekannfmaclnmgen der K. L.-C. Akademie der Aaturforscher. Die Kaiserlich Leopoldiniscii-Carolinische .Akademie der Naturforscher iw Breslau, I. Januar 1856. Protector : Se. Majestät der Koiiiff vun Preussen. Praesidium : Präsident Dr. Christian Gottfried Daniel Nees von Esenbeck, Prolessor a. D. in Breslau, cogn. Aiistoli'les. Director ephemeridum: Dr. Kies er. Dietrich (ieor;;. koiiigl. preuss. Hot'ralh, grossherzogl. sauhs.-weiniarscher (jeh. Hol- und Me- dicinalrnth und Professor der Medicin in Jena, cogn. Scfieuchzcr I. Adjoncten : Dr. Bischof. Carl Gustav Christoph, kunigl. preuss. Geh. Bergrath und Professor der Chemie in Bonn, cogn. Pylluignias. Dr. Braun, .\lexander, Professor der Botanik, Director des königl. butanisch. Gartens und des konigl. Her- bariums in Berlin, cogn. Dodartitis. Dr. FenzI, Eduard. Professor der Botanik und Direc- tor des kaiserl. königl. Universilals-(;arleus in Wien, cogn. Bcrtjhix. Dr. Haidinger. \\ ilhelui Carl, kaiserl. königl. Sec- tionsrath und Director der k.k. geologischen Reichs- anstalt in Wien, cogn. A. S. Uulfmatm. Dr. Heyfelder, Johann Ferdinand Martin, kaiserl. russischer Collegienrath und Ober -Chirurg bei der kaiserl. russischen finnland. Armee in Helsingfors, cogn. Rosen. Dr. Jager, Georg Friedrich von, kiinigl. wurtemberg. Ober-.Medicinalrath und ehenial. Professor der Natur- geschichte und iMedicin in Stuttgart, cogn. Borrichius. Dr. Kastner, Carl Wilhelm Gustav, königl. baierisch. Hofrath, Professor der Physik und Chemie in Erlan- gen, cogn. Paiaccisus. Dr. Lehmann, Johann (jeorg Christian, ordeutl. Prof. der Chemie und Naturgeschichte am G\mnaslum aka- demicum und Director des botanischen Gartens in Hamburg, cogn. Hcliantluis. Dr. Mappes, Johann Michael, Stadt-Phjsikus und Arit am Senckenbergi sehen Stift in Frankfurt a. M., cogn. Senckenherii. 81 c (. Dr. Miiitiiis, Ciirl l'riediicli riiilipp Hilter von, künigl. I)!iiersc'li. Hol'ratli, cheiniil. I'rolessoi" der liolaiiik, Director des bütanisclieii Garlens und Mil'ien , cogn. lUiumev. Dr. Kilian, Hermann Friedrich, Geh. .lieilicinalrath, Prof. der Medicin und Director der gehurtshiilllichen Klinik zu Bonn. cogn. Osiunder. Dr. Kirkhoff van der Varent, Joseph Roman Ludwig, Vicomte de Kerkhove dit de, emerit. Oberarzt der Militair- Hospitaler Belgiens, General- Stabs - Arzt dei' belgischen Armee, Präsident der archäologischen Akademie Belgiens und Vice- Priisident der königl. Gesellschaft der Wissenschaften und Künste zn Antwerpen, cogn. Tliedeniis. Dr. Kirschleger, Friedrich, Professor der Medicin und Pharmacie zu Strasburg, cogn. Günllier Aiidei- uftreusis. Dr. Kützing, Trangott l''rie(lricli , Professor der Bo- tanik und iler Naturwissenschaflen , so wie Ober- lehrer an der Realschule zu Nordhausen, cogn. VduvJter I. Dr. K lenke, P. F. Hermann, ehemal. Militair- und (iar- nison-Medicus und Prof. der Naturgeschichte am Caro- linischen Collegium zu Braunschweig, jetzt zn Leip- zig, cogn. Clieselden. Dr. Klose, Carl Wilhelm, Kreisphysicns, prakl. Arzt, Operateur und Geburtshelfer, so wie Oberarzt der Krankenanstalt im Kloster der barmherzigen Bruder, Mitglied der delegirlen Oher-Exaininatious-Cominis- sion und Privatdocent der Medicin zu Breslau, cogn. Scltn.urrer. Dr. Klotzsch, Johann Friedrich, Cuslos des königl. Herbariums und Mitglied der Akademie der Wissen- schallen zu Berlin, cogn. Biiimaiiii. Dr. Klug, Johann Christoph Friedrich, Geh. Oher- Mediciualrath, Sladt-Physicus, Prcjfessor der Medicin Liiul Director des zoologischen Museums zu Berlin, cogn. Alt/US. (Verstorben am 3. Februar 1856.) Dr. Koch, Carl, Prof. der Botanik, Adjunct beim königl. botanischen Garten und Secretair der königl. (iarten- haugesellschaft zu Berlin, cogn. Ledehur. Dr. Koch, Ediiaril Joseph, prakt. Arzt und Hospital- J 86 arzl am allgemeinen Krankenliause zu Wien , cogn. Fr. lloffmann. Dr. K o eil , Georg KrieUricIi, Botaniker und praktisclier Arzl zu Wacliijnlieini in der l)aiersclien Rliein-Pfalz, cogn. Poilic/t. Dr. Körber, Gustav Willielm, Privatdocenl der Bo- tanik an der Universität und Lehrer der Katurge- schichte am Elisabethanäum zu Breslau, cogn. Horn- schuch I. Dr. Kolenati, Friedrich Rudolph, Professor der Na- turgeschichte und Botanik am technologischen In- stitute zu Brunn, cogn. Piisrhkin. Dr. Krause, Pari Friedrich Theodor, Medicinalralh, Professor der Medicin und Anatomie an der chir- urgischen Schule, so wie Mitglied der königlich ärztlichen Prüfungs- Behörde zu Hannover, cogn. Fabricius ab Aquapendente. Dr. Krau SS, Christian Ferdinand Friedrich, Professor der Naturgeschichte, Aufseher hei dem königl. Natu- ralien-Cahiiiel und Seeretair des natnrhistorischcn Vereins zu Stuttgart, cogn. Sptirrmami f. Dr. Krohn, August David, ehemal. Professor der Me- dicin und prakl. Arzl zu St. Petershurg, jezt zu Ham- burg, cogn. Bidloo. Dr. Küchenmeister, (ioltlob F'riedrich Heinrich, praktischer Arzt zu Zittau im Königreich Sachsen, cogn. Göze. Dr. Küster, Carl Freiherr von. kaiserlich russischer Collegienrath und Director-College des kaiserlichen botanischen Gartens zu St. Petersburg, cogn. Triniiis II. Dr. Lam balle, Anton Joseph Joberl de, kaiserlicher Leibarzt, Professor der Chirurgie und Oberchirurg am Hotel Dieu , so wie Direclor der chirurgischen Abiheilung am Hospital St. l.ouis und Vice- Präsi- dent der niedicinischen Akademie zu Paris, cogn. Scarpa II. Dr. Lamonl, Johann, Professor der Astronomie und Conservator der königlichen Sternwarte zu Mlinchen. cogn. V. Zfich. Dr. La n l z i u s - B en i n ga , Bojung Scalo Georg, As- sessor der philosophischen F'acultät, Assistent des königl. Universiläts-Herbariums und Privatdocenl der Botanik zu GöUingen, cogn. Schradei: Dr. Lanza, Franz. Professor der Naturgeschichte am Gymnasium und Director des naturhislorischen Mu- seums zu Zara in Dalmalien, cogn. Soliiiiis V. Dr. Larray, Hippolyth, kaiserl. Hol'ralh u Leibchirurg, so wie Prof. und Oberarzt der niedicinischen \ or- bereitungsschule zu Paris, cogn. Anlhyllus II. Dr. Laurer, Johann Friedrich, Prof. der Medicin zu Greifswald, cogn. Ifo/fmmiu I. Dr. Lehmann, Martin Christian Gottlieb, kiiniglich danischer Slaatsrath, Mit-Üireclor des naturhistorisch. Cahinets zu Kiipeiihagen und Departements-Chef für das Kanal-FIafen-Leuchtfeuer-AVesen in Diinemark, cogn. Äbildrianrd. Dr. Lejeune, A. L. S., praktischer Arzl und Zoologe zn Vervier, cogn. Wibel. Dr. Lereboullet, August, Professor der Zoologie und vergl. Anatomie, so wie Direclor des naturhi- storischen Museums an der Universiliil zu Strasburg, cogn. Siriiiiimerdam. Dr. Lessing, Michael Benedict, prakt. Arzt zu Berlin, cogn. Choulant. Dr. Leuckart, Rudolph, Prof. der Medicin und Zoo- logie zu Giessen, cogn. Nitscli. Dr. Leupol dl, Johann Michael, Prof. der Medicin und Director des psychiatrischen Instituts an der Universität zu Erlangen, cogn. Langermann. Dr. Leybold, Friedrich, aus München, Botaniker und nalurhislorischer Reisender in Chile, cogn. Paron. Dr. Li ch le n s le i n , Martin Heinrich Carl, Geh. Ober- Mediciniilrath und Professor der Zoologie zu Berlin, cogn. Iliiiuio. Dr. Lind hl om, Ale.xis Eduard, Professor der Bo- tanik an der Universiliil zu Lund, cogn. Lecke. Dr. Lindley, Johann, Esq., Professor der Botanik an der Universiliil und Secrelair der Gartenbaugesell- schaft zu London, cogn. Sibbaldiis. Lindsay, Hugo Hamilton, Esq., Secrelair der ostindi- sclien Compagnie zu London, cogn. Linlschollen II. Dr. Longet, Franz Achill, Professor der Anatomie und Physiologie, wie auch Oher-.\rzt am Hospital St. Dionys und dem Erziehuiigshause der fran- zösischen Ehrenlegion zu Paris, cogn. Brecliel. Dr. Louis, Peter Carl Alexander, Oberarzt des epide- mies des Seine -Departements und am Hotel Dieu zu Paris, cogn. Formey. Dr. Luce, Ferdinand von, Prof. der Mathematik an der Universität. Präsident der Akademia Pontaniana und Correspondenl der königl. Akademie der Wissen- schaften zu Neapel, cogn. Mariniis HI. Dr. Luchs, Ernst, prakt. und Badearzt zu Wannbrunn in Schlesien, cogn. Sloll. Dr. Luschka, Hubert, ordentlicher Professor der Me- dicin an der Universität zu Tubingen, cogn. Wrisberg I. Macedo, Joachim Joseph, Baron da Costa iener-Neu- stadt in Niederosterreich, I8.JS bis 1S43 nalurhisto- rischer Reisender in Peru, cogn. Vllo/t. Dr. Tiickermann, Eduard, Prof. a. d. Harvard-Uni- versitiit zu Cambridge in Nordamerika, cogn. Biiiliam. Dr.^ Turner, Davvson, Esq., Mitgl. der Linne'scben Gesellschaft und der Royal Society zu London, cogn. Tlivoilotus II. Dr. Unger, Franz Xaver, Prof. der Botanik an der Unixersiliit und Mitgl. der k. k. Akademie der Wissen- schaften zu Wien, cogn. Dil/iri/». Dr Valentin, Gabriel Gustav, prakt. Arzt und Prof. der Physiologie zu Bern, cogn. Stciiihuch. Dr. Virchow, Rudolph, Prof. der Medic-in, Pathologie 11. Anatomie, so wie Präsident der physikalisch-medi- cinischen Gesellschaft zu Würzburg, cogn. Dulliiii/rr. Dr. Visiani, Robert de, Prof. der Botanik, Director des botanischen Gartens u. Präsident der Akademie der Wissenschaften zu Padua, cogn. Bnccone II. Dr. Vlemiiickx, Johann Franz, General-Inspector d. Gesundheits-Dienstes in der belgischen Armee und Präsident der konigl. medicinischen Akademie zu Brüssel, cogn. de Haeii II. Dr. Vogel, Heinrich August von, konigl. baierscher Hofralh nud Prof. der Chemie zu München, cogn. Berfjinaitiins. Dr. Vogel, Eduard, reisender Naturforscher in Cen- tral-Afrika, cogn. Leo Afiicanus II. Vortisch, Ludwig Chrislian Heinrich, Pfarrer zu Salow in Mecklenburg, Geologe, Mineraloge u. Geognost, cogn. Biiriiet. Dr. Vriese, Heinrich Wilhelm de, ProL der Botanik und Director des botanischen Gartens zu Leydeu, cogn. W lickeiKlor/f. Dr. Vrolik, Gerhard, konigl. holländ. Staatsrath, Prol. der Anatomie und Präsident der chirurgischen Aka- demie zu Amsterdam, cogn. Wultlter l. Dr. Vrolik, Wilhelm, Prof. der Anatomie, Physiologie und Pathologie, so wie Secrelair der Akademie der Wissenschaften zu Amsterdam, cogn. Hacker I. Dr. Wagen er. Guido Richard, prakt. Arzt und Pri- vat-Düceut der Medicin zu Berlin, cogn. Bremser II. Dr. Wailz. Friedrich August Carl, konigl. niederl. Stadtphysikus u. prakt. Arzt zu Samarang auf Java, cogn. Cliristniml da Costa. Dr. Wallroth, Carl Friedrich Wilhelm, küuigl. preuss. Hofralh, Kreisphysikns und praktisch. .\rzt zu Nord- hausen, cogn. Leysser. Dr. Walz, (ieorg Friedrich. Naturforscher, Apotheken- besilzer und (ieneral - Vorstand des siiddeutscheii Apotheker-Vereins zu Speyer, cogn llildehrandl II. Dr. Watson, Hewelt Cotlrel, Esq., Piivalgelehrter zu Thamesditton in der Grafschaft Surrey, cogn. Bamond. Dr. Weber. Moritz Ignatz, Prof der Anatomie an der Universität zu Bonn, cogn. liol/inhiiis. Dr. \^ eiss, Christian Samuel, kiinigl. preuss. Geh. Bergrath, Prof. der Mineralogie und Director des mineralogischen Museums zu Berlin, cogn. iVernerus. Dr. Weiten Weber, Wilhelm Rudolph, Ober -Stadt- physikus, prakt. Arzt und beständiger Secrelair der konigl. bohin. Gesellschaft der Wissenschaften und der naturbistor. Gesellschaft „Lotos" zu Prag, cogn. Mof/alla. Dr. Wenderoth, Georg Wilhelm Franz, kurfürstlich hessischer Geh. Medicinalralh, Prof. der Medicin und Botanik, so wie Director des botanischen Gar- tens zu Marburg, cogn. Mönchius. Dr. Werne bürg. Johann Friedrich Christian, konigl. preuss. (ieh. Reg.-Ralh a. D. u. Director der kouigl. n Akademie d. Wisseiiscliiiricn zu Krlurt, cogn- ISchcrffr. Dr. Wifflit, Hubert, Esi|., Ary.tiind ßiitaiiiker zu Reading bei London, cogn. liiuliniirfili. Dr. Wikstroeni, Johann Enianiiel, Prof. der Botaiiik und Direclor des zoologischen Museums zu Sloek- bolm, cogn. Hnssi-Irjitistiiis. Dr. VV immer, Friedrich, Prof. der Naturwissenschaften H. Director d. Kried.-Wilh. -Gymnasiums zu Breslau, cogn. Günther, Dr. Winter, Aloys von, königl. baier. Geh. Ober- Medicinalrath und Leihcbirurg zu München, cogn. Cliirun Solcr. Dr. Wirigen, Phili|)|), Lehrer der Naturgeschichte u. Botanik an der hohem Stadtschule, Begründer und Vorstand des naturhistorischen Vereins zu Coblenz, cogn. Erlmrl. Dr. Young, Georg, Esq., Präsident der chirur. Akademie zu London, cogn. Hitnicr. Dr. Zauardini, Johann, prakt. Arzt zu Venedig, cogn. Donati. Dr. Zantedescbi, Abbe Franz, Prof. der Physik zu Padua, cogn. Eiter. Dr. Zeis, Eduard, Prof. der Medicin, Oberarzt u. Direc- tor der chirurgischen Klinik zu Dresden, jetzt in Mar- burg, cügu. Taliacotius. Zeyher, Carl Louis. Naturforscher und Reisender, in der Kapstadt am Vorgebirge der guten Hoffnung, cogn. Berlins III. Dr. Zimmermann, Heinrich .\ngust Wilhelm Edler von, k. k. osterreich. Mililair- Stabs- und Chef- Arzt des Tyrnauer Invalidenliauses zu Wien, cognouien Sererimis III. , Dr. Zinken, genannt Sommer, .lulius Leopold Fried- rich, herzogl. Holralh und Hof-Medicus zu Braun- schweig, cogn. liiirUliaiisen. Dr. Zinken, Johann Carl Ludwig, herzogl. auhall- berubnrg. Oberbergralh, Direclor des gesammten Berg- und Hiitten-Wesens, so wie bestandiger erster Priisident des naturforscbenden Vereins zu Ballen- sledl, cogn. Lasiiis. Die zweite Lieferung des Herbarium nor- mal« plantariiin oflicinaUiim et mercatoriarum. Normalsauimlung der .Vrznei- und Handelspflan- zen in getrockneten E.\emplaren, enthaltend eine .\uswahl von Gewächsen des In- und Auslandes, welche /.um Arzneigebrauche dienen oder 7,uni lechuischen oder oconomischen Behufe in den Handel gebracht werden, so wie von sol- chen, welche leicht damit verwechselt werden. Mit kurzen Erläuterungen verseben von Dr. G. W. Bi- sch off, weiland Professor der Botanik an der Uni- versität zu Heidelberg, und Dr. F. L. von Schlech- tendal, Professor der Botanik an der Universität zu Halle. Herausgegeben von R. F. Hohenacker. Zweite Lieferung, aus 144 Arten bestehend. Ess- lingen bei Sluttgarl, beim Herausgeber. 1855. Diese zweite Lieferung, bei deren Zusammensetzung dieselben Grundsätze, wie bei der der ersten, befolgt worden sind, und deren EinrichUing und Ausstattung dieselbe ist, kann gegen IVaukirte Einsendung von 21 fl, = 12 Thlr. pr. Ct. = 45 Frcs. = 1 L. St. 15 s. vom Herausgeber bezogen werden. Sie enlhiilt folgende Arten; Ceratonia Silicpia L. Cassia occidenlalis L., Araehis hypogaea L., Melilolns oflicinalis Laiu. nun W., dentata l'ers., Prunus Mahaleb L. , Amygdalus nana L.. Rosa gallica L., ßrucea ante- dysenterica Mill., Boswellia papyrifera Höchst., Rhus Toxicodendron Torr., Phyllanthus Emblica L.. Crozo- phora linctoria A. Juss., Crolou Draco Sthldl., Zizyphus Jujuba Lani., Coriaria myrlilolia L., Citrus Auranliuui L. spont., decuniana L. spont., Tilia argentea DesL, Gossypium bcrbaceunj L., Malva borealis Wallui., Ecba- liuui Elateriuin Rieh., Cislus ladanil'erus L., Capparis spinosa L. inermis. Sinapis alba L., var. seniin. brnn- neis. Fumaria parviflora Lam., Aconitum Napellus L., Stoerkianum Rchb. , neubergense DC, Delphinium elatum L., Nigella sativa L., arvensis L., Adonis ver- nalis L.. Clematis recta L., Flammula L., Drimys Win- ter! F'orst., Loranthus europaeus L., Vitis vinifera L., var. apyrena corinthiaca (von Korinth selbst'. Chaero- phvIUnn aureurn L.. hirsutum L.. .\nlhriscus silvestris Hollin., .\nelluim graveolens L., Peucedanum Ostrulhiuni Koch. Ferulago galbanifera Koch. Angelica silvestris 1... Levisticum officinale Koch, Foeniculum officinale All , var. subalala Bisch., Aethusa Cynapium L., Perula an- gustilulia Koch., Pimpinella Sa.xifraga L., magna L., Cicuta virosa L., Aslranlia major L., Ledum latifolluui Ait., Vaccinium Vitis idaea L., uliginosum L., Andro- meda pulifolia L., Sesamuui Orientale L., Digitalis grau- ditlora Lam., var. acutifl., Verbascum Thapsus L. succ, Hyoscyamus niger (5 pallidus Koch, Anchusa officinalis L., Teucrium Maruui L., Siderilis scordioides L., (!a- leopsis Ladanum L., var. latil'olia Wimm. et Grab., Ne- peta Cataria L., ß citriodora Beck., Melissa officinalis et citrata Benth., ß villosa Benth., Satureia montana L., Thymus pannonicus .\ll., Salvia officinalis L. spont., Sclarea L., Mentha piperlia L., var. Langii Koch., gen- tilis L., var. acutifulia Koch (hortensis Tausch), sativa, var. crispa et pilosa Koch.. Erylhraea chilensis Pers , Gentiana lutea L., purpurea L., Asclepias Cornuti Decne., Cinchona purpurea K. P.. pubescens Vahl., Rubia pe- regrina 1.., Uelbum Cham. Schldl., Hieracium mururum L., nmhellalum L., Scorzonera hispanica L., humilis L., Lappa minor DC, Silybum marianuin Gaertn., Carthamus tinclorius L., Cnicus benediclus L., Tanacetum Balsa- mita L., Fünf Arleuiisienfornien, von denen der rus- sische Wurnisamen kommt: Arteniisia maritima a pau- ciflora Ledcb. (\. pauciflora Weber), m. i, Lercheaiia a humilis Ledeb. (Lercheana humilis DC), m. C L. b Gmeliniana Ledeb. (Gmeliniana DC), m. r] monogyna Ledeb. (monogyna W. et Kit.), m. r] ni. -f mierocephala Ledeb. (m. mierocephala DC), Mutellina Vill., glacialis L., spicata Wulf., Abrotanum L., ponlica L , arborescens L., camphorata Vill., Absinlhium L., Pyrethrum Parlhe- ninm Sm., fl. simplici, fl. plenis ligulatis et liibulosis, Matricaria Cbamomilla L., Achillea F'tarmica L., fl. pleno, Anthemis nobilis L., fl. sinipl., u. fl. pleno, arvensis L., austriaca Jaciiu., Spilanthes oleracea Jacqu., ß fusca DC, Guizolia (jleifera L. cult., Pulicaria dysenterica Gaerln., Solidago Virgaurea L., Dipsacus fullonum Mill., Rbeum undulalum L. ! Rh. und pinrr. auct. non L. nee Rchb. nee Hayne. Ribes L., Cbenopodium Botrys L., Arthrocnemum Irulicosum Moq. Tand., Ficus Carica L. spont., yuercus .\egilops L , coccifera L.. Casuarina equisetifolia Forsl., Callitris quadrivalvis Rieh.. Cha- maerops humilis L., Acorus Calamus L., Ruscus aculealus L., Sniila.v aspera L., var. subinermis, Scilla maritima L , Sabadilla oflicinarum Brandt et Ratzeb.. Veralrum Lobelianum Bernb., Carex brizoides L., Lycopodium clavatum L., Selago L., annotinum L., Polystichum Fi- lix mas Ruth., spinulosum DC, Asplenium Filix femina Beruh., Pleris aquilina L. Auch von der ersten Lieferung, die aus 220 Arien besteht und tiber die Näheres in der Berl. bot. Z., 1850, 422; Flora, 1850, 279; Jahrb. für pract. Pharmacie, 1850, 109, zu ünden ist, sind noch Exemplare zum Preise von 28 11. oder 16 Thlr. pr. Ct. zu haben. Einzelne Arten officineller Pflanzen kiuineu wenig- stens vor der Hand keine abgegeben werden. Sobald das wieder der F'all sein sollte, werde ich mir erlau- ben, es ()ffentlich anzuzeigen. An die verehrlichen Reflactionen pharmaceutischerj medicinischer und technologischer Zeitschrifleu er- laube ich mir die ergebenste Bitte, dieser Anzeige ge- fälligst in ihren Blättern .Viifiiahme gewahren zu wollen. Esslingen bei Sluttgarl, im Januar 1856. E. F. Hohenacker. Druck von August Grinipe in Hannover, Markistrasse Nr. 62. 1 „Nunquam otiosus." Erscheint am , 1. Q. (Ö. jedes HoiiAts. Preis des Jahr{;AD*s 5'|3«^> iDsertioQsgebühreD SNgr. ftlr die Pelitzeil*. Redaction : Berthold Seemann in foniian. W. E. G. Seemann in fitinnijocr. ßOXPLWIA. Asenla : in London Williama & Nor gate, 1 4, neorJetta Street, Corent Garden, i Paris Fr. Klinckäieck, 11, ruc de Lille. (^'«'ifffJinff für Sic gcfitmmfc "^ofaniR. Offifielles Organ der K. Leopold. -Carol. Akademie der Naturforscher Verlag TOD Carl Kiimpler in ßannODcr. Osterstrasse Nr. 87. IV. JahrÄariÄ. ijonnoBcr, 15. ^Morj 1856. N5,6. Inhalt: IVichtainllicher Theil: Systematische Missbräuche. — Stellung der Pflanzengattungen Moulabea und Uiciidanthera im natürlichen System. — Polnischer Weizen. — Himmelsgerste (sogenannter amerikanischer Sommerroggen). — Salzola-Kali als Gemüse. — Zeitungsnachrichten (Berlin; Florenz; London). — .\mtlicher Theil. Preismedaille der Societe Imperiale d'Acclimatisation zu Paris. — Anzeiger. Nichtamtlicher Theil. Systemafische Missbräuclie. m. Gegen unsern zweilen Arlikcl mit obiger Überschrifl hat ein Correspondent, in einem Briefe wn den Kedacteur der Bonplandia, fol- gende Einsprache erhoben: „Sie sprachen am lö. December v. J. von einer „Unsitte," die Benthani nicht gerügt habe. Lassen Sie uns uniersuchen, «ie es mit dieser „Unsitte," und was Sie mehr darüber sagen, eigentlich steht. Im 2. Uecennium dieses Jahrhunderts kam es mehrfach vor, dass einige Ilandelsgärtner in der INähe von Hamburg Pflanzen, die ihnen unbekannt waren, als neue Arten (mei- stens mit nichtssagenden Namen) bezeichneten. War die so bezeichnete eine alle bekannte Art, so war von dem neuen Namen nicht weiter die Rede, ward aber eine neue Art derselben Gattung nach einigen Jahren be- kannt, so war dies eben dieselbe Art, welche N. N. schon vor so und so viel Jahren benannt hatte. Die- ser Unfug konnte auf die Länge nicht geduldet wer- den. Es wurden mehrere scharf einschneidende Aufsütze geschrieben, worin dargethan ward, dass keinem Na- men irgend eine Geltung zuerkannt werden dürfe, der nicht von einer Diagnose wenigstens begleitet sei. Diese Proposition machte dem erwähnten Unfug ein Ende, fand auch allgemeinen Beifall; dass sie noch jetzt als vollgültig angesehen wird, können Sie in der Linnaea von Schlechlendal, Vol. XXVI., pag. 765 (vom September 1855), lesen, wo Fenzl darauf hin- weist, dass der alle von Deffontaines gegebene Name Kicotiana micraniha in N. ulophvlla Dun. in ÜC. Prodr. müsse umgeändert werden, nur weil Def- fontaines davon keine Diagnose gegeben habe. Es haben also die Diagnosen in den Indicibus sem. nicht blos den Zweck, den Direcloren anderer Garten zu bezeichnen, was man ihnen anbietet, wodurch zugleich verhindert wird, dass vielleicht dieselbe Pflanze mit einem andern Namen in einem andern Garten belegt wird, was allein schon diese Diagnosen vollkommen rechtfertigen würde. Diese Diagnosen wurden etwa um 182U eingeführt. „Mit welchem Rechte behauptet die Bonplandia, diese gehen spurlos verloren, und das botanische Pu- blicum könne sie nirgend finden? — Schlagen Sie auf die Regensburger botanische Zeitung, so werden Sie sehen, dass jene Diagnosen dort sorgfältig gesammelt sind; oder schlagen Sie auf den III. Bd. der Linnaea (von 1828), Literatur-Bericht pag. 7, und Sie finden, dass Schlcchtendal daselbst sogar bis 1820 (also ziemlich bis zum Ursprung solcher Diagnosen), zurück- geht. Damit fuhr er von Zeit zu Zeit fort, wie sich bei Durchsicht der späteren Bände zeigt. Ver- gleichen Sie z. B. Linnaea, Vol. XXVL, Heft VI. (von 1855) den Artikel Hort, bolanicorum plantae novae et adnotationes in seminum indicibus etc. Aber nicht nur die botanischen Schriften der Deutschen sammeln diese Diagnosen und Adnotationes und bewahren sie mit Sorgfalt; auch die Annales des sciences naturel- les thun es mit gleichem Fleisse schon seit Jahren. Vergleichen Sie z. B. Annales des sc. nat. 3. Serie, Vol XIX., pag. 355—375 oder 4. Serie, Tom I., fasc. VI. Tom II , fasc. VI. (1855.) Ist es also unmög- lich — wie die Bonplandia behauptet — diese Er- scheinungen zu verfolgen, und sind sie nicht da eben niedergelegt, wo das botanische Publicum sie finden kann? „Sie sehen aus dem vorstehenden Material, welches ich noch bedeutend zu vermehren auch dadurch im Slande wäre, dass ich Ihnen nachwiese, wie botanische Werke wie die Flora, Linnaea, Annales des sciences natur. etc. cilirt hüben, dass es mir gar nicht schwer fallen würde, einen recht scharfen Artikel gegen die Bon- plandia zu schreiben. Ich werde es aber nicht thun. 13 94 sondern überlasse es gern Ihnen, in welcher Art das einmal Gesagte redressirt werden kann, wenn nur der üble Eiodruck, den dieser Artikel machen musste, voll- ständig verwischt wird. Wir slimnien mit unserm geehrten Corre- spondenten darin vollkommen überein, dass wir meinen, ein Name habe nur dann Anspruch auf Beachtung, wenn er von einer Diagnose be- gleitet ist. Doch wir gehen einen Schritt wei- ter, indem wir das Amendement vorschlagen: „Ein Name hat nur dann Anspruch auf Beach- tung, wenn er von einer Diagnose begleitet — und publicirt ist." Die letztere Clausel ist nach unserm Dafürhalten die Conditio sine qua non, — die aber nicht erfüllt wird, wenn Name nebst Diagnose im „Samenkataloge" abgedruckt werden, denn jene Kataloge sind gar keine Publicationen, da sie nicht im Buchhandel er- scheinen, also auch nicht allgemein zugänglich sind. Sie sind und bleiben weiter nichts, als gedrucktes Manuscript, von dem man durchaus keine Notiz zu nehmen braucht, und das auch nur erst von jenem Augenblicke an ein Recht auf Berücksichtigung erlangt, wo es durch Ab- druck in öffentlichen Blattern allgemein zu- gänglich wird. Wenn wir daher verlangen, dass Diagnosen neuer Pflanzen da niedergelegt werden mögen, wo das Publikum sie finden kann, so glauben wir durchaus keine unbillige Forderung gestellt zu haben; dass wir in derselben nicht verein- zelt dastehn, beweist ja unser Correspondcnt selbst. Würde das Publikum die erwähnten Ar- beiten da finden, wo es sie allein zu suchen hat, so würden sich die Linnaea, Annales des sciences nat. und andere Zeitschriften gewiss nicht der Mühe unterzogen haben, sie zusam- menzusuchen, damit Jedermann sie finden könne. Wir betrachten daher nach wie vor den Abdruck von Namen und Diagnosen neuer Pflan- zen in ephemerischen und durch den Buch- handel nicht aligemein zugänglichen Gartenka- talogen als eine „Unsitte," die gerügt, be- kämpft, unterdrückt werden muss, und die man gewiss als einen der systematischen Missbräuche unsrer an Missbräuchen so argen Zeit bezeich- nen kann. Man könnte allerdings jenen Kata- logen dadurch ein Recht auf Beachtung ver- leihen, wenn man sie in Verlag einer Buch- handlung gäbe; allein der Absatz würde so un- bedeutend sein, dass der eigentliche Zweck der Publication, nämlich der, dem VeröfTentlichten ^-^^ • , eine möglichst ausgedehnte und rasche Ver- 1 breitung zu geben, dadurch nur höchst unvoll- ■ ständig erreicht werden würde. Viel nützlicher | würde es für die Wissenschaft sein, wenn alle diejenigen Herren Gartendirectoren, welche neue Namen und Diagnosen bekannt zu machen wünschen, sich entschlössen, selbige an viel gelesene Zeitschriften direct einzuschicken, kurz, da niederzulegen, wo das Publikum sie finden kann. Stellung der Pflaiizengattungeii Moiitabea und Diclidantliera im natürlichen System. Seit Begründung der sogenannten natürli- chen Methode durch A. L. v. Jussieu haben die systematischen Botaniker eine ihrer frucht- barsten Tliäligkeilen darin gefunden, solchen Pflanzengattungen, deren Verwandtschaft zwei- felhaft erschienen, vermöge einer tiefer gehenden Auffassung der wesentlichen Merkmale die rechte Stelle im natürlichen Systeme anzuweisen. Welche Fortschritte die Wissenschaft in dieser Beziehung gemacht habe, zeigt jede Verglei- chung der ersten Grundlagen des natürlichen Systems mit dessen dermaligein Bestände. Im Jahre 1789 führte A. L. v. Jussieu am Ende seiner unsterblichen „Genera planlarum" als „incertae sedis" 137 Gattungen mit Charakteren und 34 Galtungen ohne solche auf. Lindley dagegen nennt i. J. 1846 am Schlüsse seines „Vegelable Kingdom" nur 67 solcher Gallungen von unbekannter oder unsicherer Verwandt- schaft, obgleich das Material seit Jussieu im grösslen Maassstabe vermehrt worden ist. Die Thätigkeit des Systematikers bei diesem Geschäfte lässt sich in vier Kategorien bringen. In dem ersten Falle wird die bisher rücksicht- lich ihrer Verwandtschaft noch nicht feslge- slellle Gattung in einer bereits scharf begrenz- ten Familie untergebracht, indem man die Con- formität der maassgebenden Charaktere nach- v,'eisl. Im zweiten kann eine gegebene Gal- tung nur dann der Familie einverleibt werden, wenn man aus der gründlichen Würdigung der Gallungscigenschaften eine Vermehrung desFor- nienkreises der Familie, also eine Erweiterung ihrer Grenzen oder eine schärfere Bezeichnung ! ihrer Merkmale ableitet. Andere Gattungen 1 m L l werden aus der einen natürlichen Familie in eine andere versetzt, weil man die Bedeutung der Charaktere richtiger abzuwägen gelernt hat und die gleichsam hin- und hcrschwankende Bildung dahin bringt, wohin sie mit dem Ge- wichte der bedeutsamsten Merkmale gravitirt. Noch andere Gattungen endlich werden als die Haupt- oder Neben-Typen selbslstiindiger Grup- pen erkannt, und demnach aus dem früheren Verbände gelost, um als Repräsentanten neuer Familien zu dienen. Es ist eine eben so eigenthümliche als er- freuliche Erscheinung, dass alle diese Opera- tionen des vergleichenden, subsummirenden, hier trennenden, dort vereinigenden Verslandes (wel- cher hierbei von einer phantasievollen Combi- nationsgabe unterstützt sein muss) zu dem ge- meinsamen Resultate führen, die mannigfaltig- sten Bildungen seien möglicherweise auf eine verhältnissmässig geringe Zahl von Grundver- hältnissen zurückzuführen. Insbesondere aber tritt uns, bei tiefer gehender Untersuchung, eine grosse Einfachheit in dem architektonischen Plan der Blüthe entgegen. Ich verstehe hier- unter das allgemeine Zahlenverhältniss der in den Blüthen vorhandenen Wirtel und ihrer Glie- der, oder die Blülhenbauzahl (numerus antho- plasticus) und die Stellung der Blüthenelemenle zur Blüthenaxe und Mediane. Selbst solche Bildungen, die anscheinend wesentliche Abwei- chungen von dem Typus einer gegebenen Fa- milie darstellen, erweisen sich oft als dem ob- waltenden Bauplane untergeordnet, sobald man die Entwicklungsgeschichte zu Rathe zieht oder allen für eine gewisse Stufe möglichen Combi- nationen Rechnung trägt. Gar oft erkennen wir dann, dass die innerhalb einer Familie auf- tretenden Versciiiedenheiten doch auf ein und dasselbe Grundverhältniss im Bauplan zurück- geführt werden können, und dass namentlich die Zahlen der Wirtelelemente (welche durch alle Metamorphosenstufen der Blüthe sich ent- weder gleich bleiben oder nach Innen ab- oder zunehmen), sich unter dem allgemeinen Fami- liencharakter subsummiren lassen, sobald man die- sem die geeignete Begrenzung gibt. Wir müssen uns dann überzeugen, dass es, neben jenen geometrischen Verhältnissen im Bauplane, zu- mal die Morphosen der einzelnen Blüthenele- mente und ihre Combination, also die Gestalt, von der Blüthenknospe bis zum Fruchtblatte und dem Eie und Samen sei, auf welche man die Charaktere der einzelnen l'flanzenfamilien zu gründen habe. Mit diesen Betrachtungen erlaube ich mir die Erörterung der wahren Verwandtschaft zweier iiiiierikanischer Gattungen, Dirlidanthera Mart. und Moutabea Aubl., einzuleiten, welche End- licher nach den Ebenaceae aufgeführt hat. In dieser Familie bemerken wir: \] wenigstens sehr häufig, wenn auch nicht immer, jene eigen- thümliche Bildung der Krone, die zwischen der Corolla monopelala und polypetala im Sinne Linne's gleichsam in der Mille steht, sofern sich die Krone aus mehreren Blättern (nament- lich in der Röhre) deutlich zusammengewachsen zeigt (Corolla gamopetala im engern Sinne); — 2) Neigung zum Diclinismus, wobei in der weib- lichen Blüthe die Antlieren oft fehlen oder ohne Pollen sind; — 3) ungleiche Zahl der Glieder in den einzelnen Blüthenwirteln (von 3 bis 7 im Perigon); — 4) Zusammensetzung der Frucht aus mehreren (4, 5) Fruchtblättern; — 5) centrale Placcntation der einzelnen, selt- ner gepaarten, hängenden Eier; — 6) ziemlich starke Entwicklung des inmitten des Eiweiss liegenden Embryo. Dazu kommen noch gewisse sehr bezeichnende Züge in dem Habitus; — 7) abwechselnde, einfache Blätter ohne Neben- blätter; — 8) Blüthenstände vom cymosen Sy- steme, manchmal mit theilweise verwachsenden Achsen, aus den Blattachseln, bisweilen aus dem Stamm oder den Ästen; — 9) eine eigenthüm- liche Pubescenz feiner, steifer Haare, zumal in Blüthenstand und Blüthe. Von diesen Charak- teren tritt in den genannten zwei Gattungen zumal die Verschmelzung der Blätter im Kelch- und Kronenwirtel hervor, ferner die Zusam- mensetzung der Frucht und die Art der Pla- centation. Doch erweisen sich diese Beziehungen als von leichterem Gewicht im Vergleich mit andern, gemäss welchen ich keinen Anstand nehme, sie von den Ebenaceae zu entfernen und zu den Polygaleae zu versetzen, wohin Lindley (Veg. Kingd. 378) die Moutabea be- reits gebracht hat. Diese letztere Gattung (Moutabea Rom. Schult. S. Veg. IV. L. n. 811, Popp.; Cryptostomum Schreb., Gen. n. 344, Acosta Rz. Pav. Prodr. 1) kommt in der Architektonik der Blüthe voll- kommen mit Polygala überein. Der Kelch be- steht aus fünf nach unten in eine Röhre ver- wachsenen Blättern; die Knospenlage der fünf freien Saumzipfel ist geschindelt und zwar so, \ '^Ji-o- 96 L dass das unpaare, oben an der Achse stehende Sepaliim seine Nachbarn deckt. Da es die übri- gen Saumstücke an Länge und Breite etwas übertrifft, so erhiilt dadurch die Blüfhe eine mehr oder minder ausgesprochene Lippenform und nähert sich dadurch der bei den Polyga- leen vorherrschenden Unregelmässigkeit. Auf die Stellung des unpaaren Kelchblattes oben an der Achse (Caly.x obversus, Mart. Hist. Palm. L 140) hat Rob. Brown schon 1814 (in Flinders S. 543) aufmerksam gemacht. Es ist dies ein durchgreifend bei allen Polygaleen obwaltender Charakter. Der Kelch von Moutabea ist übri- gens, namentlich in seinem oberen Theile, von weisser Farbe und ziemlich petaloidischer Structur. Mit seinem Schlünde und der Röhre sind nicht blos die fünf Kronenblälter, sondern auch die Staubfäden verwachsen. Nur der obere Theil der Filamente erscheint frei von der Krone, aber unter sich zu einem kapuzenformigen Kör- per (Neciarium Schreb. Ruiz Pav.) innig ver- wachsen, welcher den Schlund des Kelches nicht überragt und sich über die bis zu ihm aufra- gende Narbe zusammenvvölbt. Bei den meisten Arten ist die Verwachsung der Faden mit der Kelchröhre so vollständig, dass man ihren Ver- lauf nur als schwache Leisten wahrnehmen kann. Bei M. longifolia Popp, übrigens (welche ich nicht zu untersuchen Gelegenheit halte) zeichnet der verdienstvolle Entdecker dieser Art die acht Staubfäden als parallele Nerven, die durch ein zartes netzadriges Zellgewebe mit einander ver- bunden sind. Am oberen Rande des Staub- fadenkörpers sitzen acht entwickelte, nierenför- mige, durch eine Verticalritze sich in eine obere und untere Klappe spaltende Antheren. Diese Organe entsprechen den acht, auch bei den meisten Polygala-Arlen vorhandenen Antheren. Aber die Anlage zu den beiden obersten Staub- beuteln, welche fehlen, um den Slaubblaltkreis auf zwei vollständige, fünfgliedrige VVirtel zu bringen, sind bei Moutabea unter der Form zwei kleiner, unscheinbarer Wärzchen (z. B. bei M. gujanensis) vorhanden. Die Beutel sind eigent- lich zweifächrig, aber die Scheidewand ist sehr zart und verschwindet nach dem Aufspringen, ebenso wie dies bei Polygala (z. B. selbst bei unserer Polygala Chamaebu.xus, S. Schmidel Anal. t. 20. f. 26. 27) der Fall ist. Der Pollen ist kugelig mit drei Falten. Der Fruchtknoten zeigte mir in den meisten Fällen fünf Fächer mit je einem im einspringenden Fruchtwinkel, etwas unterhalb des Scheitels befestigten, an- 1 atropischen Ei. Waiirscheinlich schlagen übri- 9 gens nicht selten einige Eier fehl, so dass die reife Beere nicht immer fünf Fächer zeigt. Wäh- rend Ruiz und Pavon die Frucht eine fünf- j fächerige, fünfsamige Beere nennen, gibt ihr Aublet drei Fächer und drei Samen, Pöppig zwei Fächer mit je zwei Samen, was wahr- scheinlich auf die Verkümmerung eines Frucht- faches und eine schwache Entwicklung zweier Scheidewände zu deuten ist, so dass sie nur als feine schleimreiche Lamellen zwischen je zwei Samen übrig bleiben. Die in Parä vor- kommmende, dort als Oariri-Carapiä bekannte Art (M. dibotrya Mart.) bildet in der essbaren Beere von der Grösse einer welschen Nuss drei bis vier Samen aus. Diese weichen, nach mei- nen, an M. aculeata nach Pöppig's Exemplaren angestellten Untersuchungen von denen der Poly- galeen allerdings ab. Sie sind ohne Eiweiss und die grossen, elliptischen, planconvexen, fleischig öligen Keimblätter schliessen in der Mitte ihres Längsrandes ein kleines Keimpflänzchen ein, dessen Schnäbelchcn kurz konisch ist, und dessen Knöspchen zwei Paare runder Blattanlagen zeigt. In der Tracht schliesst sich Moutabea an einige in Südamerika stark repräsentirte Gattungen, namentlich Securidaca und Catocoma an. Die langen, schlanken Äste sind manchmal mit ge- raden oder gekrümmten Stacheln verschen; die Jahrestriebe beginnen mit kurzen, manchmal korkartig verdichtenden Schuppenblättern. Die Blätter sind lederartig, ohne deutliche Verade- rung; die Blüthen stehen in einfachen, aus den Achseln der Blätter einzeln oder gepaart her- kommenden Trauben, deren Spindeln in kurze zahnförmige Blüthenstielchen vorspringen. An den kleinen, hinfälligen Bracteolen sitzen manch- mal napfförmige Drüsen. Diclidanthera Marl. (Nova Gen. IL 139. t. 196, 197) trägt die Momente, auf welchen wir ihre Verwandtschaft gründen, weniger deutlich zur Schau. Von den Ebenaceae schliesst sie Alph. de Candolle (Prodr. VIII. 210) aus we- gen der vollständigen Verwachsung der Staub- fäden mit der Krone, wegen der kurzen eiför- migen Antheren, welche den Segmenten der Krone zur Hälfte gegenüberstehen, zur Hälfte damit abwechseln, ferner wegen des ausgespro- chenen Hermaphrodilismus und der traubigen Inflorescenz. Auch den Styraceen will sie die- ser Schriftsteller (a. a. 0. 245) nicht zuordnen, 97 l ^^~r-<:} . " wegen des freien Fruchtknotens, der niif iloin Schlünde der Krone sitzenden Beutel, wegen des mit einigen Oucfallen versehenen Blüthen- staubes und des im Verhältniss zum Eiweiss- körper kleinen Embryo. Endlicher liisst sie nach Styrax den Ebenaceae folgen und eine ähnliche Stelle weist ihr Meisner an; Lindley dagegen, durch diese Versuche nicht befriedigt, bringt sie am Schlüsse seines verdienstvollen Werkes unter die Genera incerlae sedis. Auf den ersten Blick weicht Diclidanthera allerdings von den übrigen Polygaleen-Gattungen beträcht- lich ab, insbesondere durch die Regelmässigkeit der Bliithe, durch den deutlichen Gegensatz zwi- schen Kelch und Krone, durch die in Einer Reihe im Kronenschlund aufsitzenden Anlheren und durch die fiinffächrige Beerenfrucht. Wenn wir aber das Wesen der Familie nicht sowol in der Unregelmässigkeit der schein- bar mono-, in der That aber tri- oder penta- petalen Krone, und eben so nicht in einfäch- rigen Antheren, oder in der zweilachrigen Frucht finden, sondern vielmehr in der Verwachsung der Filamente unter sich und mit den Kronen- blättern, in derErölfnung der ursprünglich zwei-, nur später durch Obliteration der zarten Schei- dewand einfächrigen Antheren durch eine Klappe oder einen lippenförmigen Umschlag, in den einzeln im Fache aus dem Fruchtwinkel herab- hängenden Samen und in dem vom Eiweiss um- gebenen Embryo, mit planconve.xen Keimklappen, — so steht nichts entgegen, auch Diclidanthera hier unterzubringen. Allerdings muss der Fa- miliencharakter, wie er von Robert Brown (Flinders 54.3) aufgestellt, bis jetzt im Systeme maassgebend gewesen ist, eine Erweiterung er- fahren. Es dürfte aber als Fortschritt zu be- trachten sein, wenn wir die bisher hier verei- nigle Formenreihe auf einen regelmässig in der Fünfzahl durchgebildeten